Die Entführung

Die Entführung
Lateinamerika, 1966: Eine Handvoll Studenten, junge Männer und Mädchen aus meist gutbürgerlichem...
Die Entführung
Wolfgang Schreyer
Lateinamerika, 1966: Eine Handvoll Studenten, junge Männer und Mädchen aus meist gutbürgerlichem Haus, führt seit Jahren Krieg gegen das Militärregime in Uruguay. Legendäre Guerilleros leiten todesmutig Aktionen der Gruppe, gestützt auf Rat und Tat der kleinen kommunistischen Partei ihres Landes — aber auch notfalls auf eigene Faust handelnd. Eine konfliktreiche Episode der erbitterten Klassenkämpfe in Lateinamerika, wie sie sich auch in Nicaragua zugetragen haben könnte. Lissabon, Herbst 1975: Die portugiesische Revolution, von den Rechtskräften gebremst, verliert ihren Schwung. Dennoch gibt der Brunnen bauende Ingenieur nicht auf, geht es ihm doch um den Traum seines Lebens: Er will den Bauern im vertrocknenden Alentejo Wasser bringen, doch sie können das nicht bezahlen. Er wird daraufhin von seiner vermögenden Frau verlassen. Die Söhne stehen zu ihm, die Tochter will vermitteln, doch als sein Schwager verbittert aus Angola heimkehrt, ein vitaler Revanchist, geht der Riss durch die ganze Familie.

Lateinamerika, 1966: Eine Handvoll Studenten, junge Männer und Mädchen aus meist gutbürgerlichem Haus, führt seit Jahren Krieg gegen das Militärregime in Uruguay. Legendäre Guerilleros leiten todesmutig Aktionen der Gruppe, gestützt auf Rat und Tat der kleinen kommunistischen Partei ihres Landes — aber auch notfalls auf eigene Faust handelnd. ...

Die Entführung Die Durststrecke

Ich schlug ihm vor, zum "Unfallort" zurückzufahren, wo sich sein Vorwurf als haltlos erweisen werde. Er jedoch wollte mich zur Aufnahme des "Tatbestands der Fahrerflucht" mit ins nächste Revier nehmen. Notgedrungen stimmte ich zu, nun wirklich zur Flucht entschlossen. Denn mir fiel ein, dass in dieser Polizeistation ein verbrecherischer Spitzel saß, der durchaus imstande war, mich zu identifizieren. Der Summton wurde schrill, drohte mir den Kopf zu sprengen; Kälteschauer überliefen mich. Der Polizist stieg zu, ich wendete, gab Gas und warf mich aus dem Auto, das einen Lichtmast rammte. Zurück blieb meine Kollegmappe mit verschlüsselter Korrespondenz – und freilich auch der Handgranate, ohne die ich kaum aus dem Haus ging. Ich lief so schnell ich konnte, bog um die Ecke, dann in die 9. Straße; dort fing ich an, normal zu gehen. Aber als ich auf den Bus springen wollte, schloss sich vor mir die Tür! Im selben Moment griff man mich hinterrücks an, schlug mich mit einem Beutel, in dem Flaschen klirrten, dann stand der Polizist vor mir. Wir prügelten uns, keiner wurde mit dem anderen fertig, da trat er zurück und schoss. Mit einem Satz warf ich mich auf ihn, riss ihn um, doch auf einmal gaben meine Beine nach, auch ich lag auf dem Asphalt, den Revolver des Polizisten in der Hand... Und er wich keuchend aus, geduckt, vage erinnere ich mich, dass er zu den Umstehenden sagte: "Mein Gott, ich hatte keine Ahnung, wer das ist." Ich konnte die Beine nicht mehr rühren und wusste, dies war das Ende, meine letzte Aktion. Was wird aus dir, fragte ich mich – Kohl, Muschel oder Rauch? Denn mir war klar, ich würde das Los der 28 Genossen teilen, und so begann ich schon, den Mord des Regimes an mir lauthals anzuklagen, indem ich meinen Namen rief. "Seht, ich lebe", schrie ich den Schaulustigen zu, die einen dichten Kreis um mich bildeten. "Ich bin René, Guerillero der FAR, und lebe..." Ringsum Gesichter, ich spürte Neugier, Nervosität und Anteilnahme, ja den Wunsch, mir zu helfen, sah sie ratlos und begriff, wie wenig wir getan hatten, die Massen für den Volkskrieg zu gewinnen. Ich kroch vorwärts, ohne die Pistole loszulassen, wollte ein Auto nehmen, fühlte mich frei und war doch schon umzingelt von Polizisten, Geheimdienstlern, Militär, Streifenwagen und Ambulanzen, Pflegern, Ärzten... Ein Priester entwand mir die Waffe mit dem Versprechen, mich ins Krankenhaus zu begleiten. Die ganze Zeit blieb ich bei Bewusstsein, lag da, diesen irren Ton im Kopf.

Wolfgang Schreyer, geboren 1927 in Magdeburg. Oberschule, Flakhelfer, Soldat, US-Kriegsgefangenschaft bis 1946. Debütierte mit dem Kriminalroman "Großgarage Südwest" (1952), seitdem freischaffend, lebt in Ahrenshoop. 1956 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis für den Kriegsroman "Unternehmen Thunderstorm". Schreyer zählt zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren spannender Unterhaltungsliteratur in der DDR, schrieb Sachbücher, Szenarien für Funk und mehr als zwanzig Romane mit einer Gesamtauflage von 6 Millionen Exemplaren.
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Produktinformationen

Artikelnummer:
SW9783863941055
Autor:
Wolfgang Schreyer
Mit:
Ernst Franta
Verlag:
EDITION digital
Seitenzahl:
297
Veröffentlichung:
25.05.2012
ISBN:
9783863941055
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