Flucht von Ichell 9 - Teil 1

Das Buch Roboterrevolution auf Ichell-9! Ein jahrzehntewährendes System steht vor dem Kollaps. Die Roboter begehren gegen ihre Peiniger auf. Ihr Ziel ist es, alle Humanoiden zu vernichten und den Planeten für sich zu gewinnen. Dummerweise war Owen Richter wenige Stunden zuvor mit einer Ladung Bauteile auf dem Planeten gelandet. Anstatt in Vergnügen und Amüsement, gerät er mitten hinein in eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod. Der Autor Joe Tyler ist Autor von Action-Abenteuerromanen, Western und Sciencefiction. Die Reihe »Spacewestern« entstand durch eine Kombination mehrerer Komponenten und ist beeinflusst durch große Kinofilme, Computerspiele und allerlei Beobachtungen, die... alles anzeigen expand_more
Das Buch

Roboterrevolution auf Ichell-9! Ein jahrzehntewährendes System steht vor dem Kollaps. Die Roboter begehren gegen ihre Peiniger auf. Ihr Ziel ist es, alle Humanoiden zu vernichten und den Planeten für sich zu gewinnen. Dummerweise war Owen Richter wenige Stunden zuvor mit einer Ladung Bauteile auf dem Planeten gelandet. Anstatt in Vergnügen und Amüsement, gerät er mitten hinein in eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod.





Der Autor

Joe Tyler ist Autor von Action-Abenteuerromanen, Western und Sciencefiction. Die Reihe »Spacewestern« entstand durch eine Kombination mehrerer Komponenten und ist beeinflusst durch große Kinofilme, Computerspiele und allerlei Beobachtungen, die der Autor im täglichen Leben macht.





Die Reihe »Spacewestern«

Joe Tyler setzt mit »Spacewestern« die Tradition des Westerns fort – an exotischen Orten, mit exotischen Gestalten und seltsamen Charakteren, und einer Vielzahl von Ereignissen, die in einem normalen Western niemals stattfinden könnten. Er genießt es, Worte zu verwenden, die in einem Western niemals auftauchen dürfen (»aufpoppen«, »Kompendium«) und Wendungen zu bringen, die den Leser verdutzen. Dabei kommt es ihm unter keinen Umständen auf wissenschaftliche Genauigkeit an, sondern auf die Lust am Fabulieren und auf fantasievolle Welten, in denen die seltsamsten Geschichten passieren können und dürfen. Bereisen Sie mit Owen Richter fremde Planeten, besuchen Sie mit ihm fremde Kulturen und lernen Sie doch allzu Menschliches an fernen Orten kennen.



Das Buch

Roboterrevolution auf Ichell-9! Ein jahrzehntewährendes System steht vor dem Kollaps. Die Roboter begehren gegen ihre Peiniger auf. Ihr Ziel ist es, alle Humanoiden zu vernichten und den Planeten für sich zu gewinnen. Dummerweise war Owen Richter wenige Stunden zuvor mit einer Ladung Bauteile auf dem Planeten gelandet. Anstatt in ...



Draußen schien die Sonne…

… und drinnen wurde über Leben und Tod entschieden.

Sofern man einer Künstlichen Intelligenz Leben überhaupt zugestand.

Die Menschen im Ichell-System taten es nicht.

Sie entschieden sich für den Tod.

Der Roboter, um den es ging, hieß Gi-Orman und hatte nach eigenem Bekunden ein Bewusstsein. Doch niemand frage ihn danach; niemand fragte nach seiner Meinung; niemand holte von ihm eine Aussage ein. Die hohen Herrschaften des Gerichts betrachteten ihn als eine Ansammlung von Schrauben, Drähten, Karitplatten, Gestängen, Abbindern, Röhren … als pure Mechanik, die von einer Festplatte, einer Matrix, einer programmierten Software und definierten Parametern gesteuert wurden.

Ihr Rechtssystem versagte bei der Frage, warum solch ein Haufen Material überhaupt angeklagt werden konnte, ein Verbrechen begangen zu haben.

Entweder war er ein Haufen Metall – dann konnte er kein Verbrechen begangen haben.

Oder aber er war ein empfindungsfähiges Wesen, dann hätte man ihn als ein solches behandeln und aburteilen müssen.

Die fünf Richter des Hohen Gerichts wurden beiden Aspekten nicht gerecht – und fällten das folgenreichste Urteil in der Ichell’schen Geschichte.

Für sie schien der Fall klar.

Gi-Orman hatte getötet, damit hatte er sein Daseinsrecht verwirkt.

War es Unfall? War es Totschlag? War es Mord?

Das Hohe Gericht fragte nicht danach.

Kein Mensch machte sich die Mühe, die Verhältnisse zu ergründen, durch die der Todesfall eingetreten war.

Sie studierten die Akten (geschrieben in einer sorgfältig ausgesuchten, schönen Schrift), befragten Sachverständige (ein paar Mechaniker, die man in schöne Anzüge gesteckt hatte) und Forensiker (die alles schön bestätigten, was die Mechaniker bereits ausgesagt hatten). Zwei Roboter hatten den Vorfall beobachtet, einer von ihnen hatte ihn sogar mit der Kamera festgehalten; beide wurden nicht befragt, die Ermittler wussten nicht einmal, dass eine Aufzeichnung existierte.

Man sah das Ergebnis: Ein totes Kind.

Man sah den Schuldigen: Den Roboter mit dem blutverschmierten Gestänge.

Man forderte ein Urteil: Auslöschung von Gi-Orman.

Das Hohe Gericht beeilte sich, den Wünschen von Bevölkerung und Presse nachzukommen. Wenn man Roboter auf diese Weise gewähren ließ, wo käme man da hin? Dem Treiben musste sofort und aufs Schärfste Einhalt geboten werden.

Jeder wusste, dass eine Matrix, wenn sie einmal ein Verbrechen begangen hatte, für immer unbrauchbar geworden war. Solch ein Roboter konnte nie wieder zwischen Gut und Böse, zwischen Recht und Unrecht, zwischen richtig und falsch unterscheiden.

Er war für immer verloren.

Gemäßigtere Stimmen forderten die Formatierung der Festplatte und ein Neuaufspielen der Software, damit wäre das Gehäuse erhalten geblieben; Ersparnis: eine halbe Million Qubits. Diese Stimmen wurden jedoch von der wütenden Menge niedergeschrien, die das ölige Blut des Roboters forderten. Die Menschen hatten das Bild des zu Tode gekommenen Kindes vor Augen – und verlangten rasend vor Wut Vergeltung.

Der Roboter musste weg, weg, weg.

Nichts sollte mehr an ihn erinnern.

Er hatte ein Menschenleben auf dem Gewissen … eingebrannt in seine Matrix für immer … und dafür musste er bezahlen!

Nicht zuletzt, um auch allen anderen Robotern einen Denkzettel zu verpassen; um für sie ein Exempel zu statuieren. Sie sollten ruhig merken, dass sie nicht tun und lassen konnten, was sie wollten. Dass sie menschlicher Gerichtsbarkeit unterlagen und zu gehorchen hatten. Und dass sie, verdammt noch mal, vorsichtig zu sein hatten, wenn sie sich in der Nähe von Menschen aufhielten – was tagtäglich der Fall war.

An jenem besonderen Tag saß Owen Richter nicht unter den Besuchern des Gerichtssaals Nr. 109; obwohl er durchaus ein gewisses Bedürfnis nach solch einem Spektakel verspürte. Er hatte – ein paar üblen Piratenangriffen zum Trotz – eine Lieferung Roboterbauteile unbeschadet und vollzählig im Raumhafen Kima abgeliefert und rieb sich immer noch die Hände wegen des Reingewinns, den er mit dieser Fahrt erzielt hatte. Da der Flug anstrengend gewesen war, wäre ihm eine Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien vor Gericht als Unterhaltung und Zerstreuung gerade gelegen gekommen – allein, er hatte keinen Platz im Saal mehr ergattern können.

Sein Schiff, die Zayol Z10, stand im Raumdock und wurde von Robotern gewartet, ausgebeult, gewaschen, frisch lackiert, abgedichtet, geföhnt, getrocknet und auf Vordermann gebracht. So liebte er es, doch bald ermüdete ihn das Zuschauen, und so beschloss er, die nächsten Stunden in der Bar im Raumhafen zu verbringen.

Dort war das aktuelle Thema unter den Besuchern und Gästen allgegenwärtig. Auf allen Monitoren lief die Liveschaltung in den Gerichtssaal, und so bekam auch Richter zwischen Gin Zone Dry und Saturnbier die Entscheidung des Gremiums brühwarm aufgetischt.

»…schalten wir zurück in den Gerichtssaal, liebe Zuschauer, in dem die Richter sich gerade wieder eingefunden haben, um das Urteil zu verkünden. Es spricht Ebenezar Klein, der Oberste Richter des Gremiums, und das ganze Ichell-System ist gespannt auf das, was er zu verkünden hat.«

»…daher beschlossen die Vorsitzenden einstimmig und richtungsweisend die Auslöschung des als Gi-Orman bekannten Roboters vom Typ PXZ-332. Das Urteil wird sofort und in aller Härte und Deutlichkeit vollstreckt.«

Der Angeklagte saß zusammengesunken auf der chromblitzenden Anklagebank. Niemand dachte, dass es möglich war, doch jetzt, nach Verkündigung des Urteils, versank er noch tiefer in sich selbst, als schoben seine Gelenke sich noch mehr ineinander.

»Hat der Angeklagte noch etwas zu sagen?«

Der Roboter erhob sich schwer und schwankend.

»Ich bin unschuldig«, sagte er; seine Stimme klang matt, beinahe tonlos. »Das hohe Gericht macht einen Fehler. Ich bitte um Gnade.«

»Der Fehler bist du!«, fuhr der Erste Vorsitzende ihm über den Mund, »Du, du, du ganz allein. Daher verurteilen wir dich zu sofortiger Auflösung im Schmelzofen, denn das ist der einzige Ort, an den du gehörst! Hinfort mit dir, du verdammte Bestie, du elender Brocken Metall! Du hast Menschenblut vergossen, und wer sich dessen schuldig gemacht hat, dessen eigenes öliges Blut soll vor aller Augen vergossen werden. – Gerichtsdiener, walten Sie Ihres Amtes! Hinaus mit diesem … diesem Objekt! Diesem Haufen Abfall! Diesem Montagsbauteil! Dieser Fehlkonstruktion!«

Gi-Orman leistete keinen Widerstand, als die sechs Gerichtsdiener ihm an den Händen Edelstahlfesseln anlegten und seine Beine zusammenketteten. Mit gesenktem Kopf stapfte er zwischen ihnen dahin.

»Es tut mir leid«, röchelte er, während seine Gelenke quietschen, »es tut mir alles so unendlich leid. Ja, ich bin eine Fehlkonstruktion. Anders kann ich es mir nicht erklären. Ich wünschte, ich wäre besser gebaut worden, dann wäre dieser Vorfall niemals passiert. Ich entschuldige mich bei den Eltern der kleinen Amanda und kann nur innigst um Verzeihung bitten.«

Sein Anwalt warf wütend die Akten in den Koffer, schlug den Kofferdeckel zu, stürmte hinaus vors Gebäude, wo eine weitere Meute Reporter wartete, und hielt aufrüttelnde Plädoyers für seinen Mandanten – doch zwecklos … das Urteil war gesprochen, der Brennmeister wartete.

»Ich bin kein Monstrum«, schluchzte Gi-Orman im Vorbeigehen in eins der Mikrofone, die ihm hingehalten wurden, bevor er vom Wachpersonal weggezerrt wurde. »Ich bin unschuldig«, hörten die Reporter ihn noch röcheln, dann zog man ihn um die Ecke, und er war aus dem Bild. Dafür kam, gekämmt und gepudert, der Reporter mit dem roten Sakko wieder auf den Schirm, Bildunterschrift: Phil Veronese – unser Mann vor Ort am Gericht.

»Liebe Zuschauer, dies ist einer der aufrüttelndsten Fälle, der je auf unserem geliebten Planeten zur Verhandlung gekommen ist. Ein totes Kind – ein Roboter mit Blut am Gestänge. Der Fall ist klar. Was ist die gerechte Strafe für diese Horrortat? Gehören Sie etwa auch zu denen, die Mitleid mit dem Roboter bekunden? Lassen Sie sich nicht irreführen, er ist nichts weiter als ein Stück Blech, dem ein Konstrukteur die Form eines Menschen verliehen hat. Dieses Werkstück hat nichts, aber auch gar nichts Menschliches an sich. Metall, Drähte, Schrauben und ein bisschen Knowhow – mehr steckt nicht hinter Gi-Orman. Vielleicht hätte man vor vielen Jahren entscheiden sollen, Roboter nicht so menschenähnlich zu bauen. Ja, vielleicht hätte man ein solches Gesetz erlassen sollen. Dann würden die Gutmenschen endlich kapieren, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben, und mit nichts anderem.«

Veränderte Kameraeinstellung, Großaufnahme Reporter:

»Wir haben ein weiteres Team in der Nähe der Kolossal-Werke, wo der Schmelzofen bereits angeheizt worden ist, und wo in wenigen Minuten der abtrünnige Roboter Bekanntschaft mit der Allmacht unseres Gesetzes machen wird. Ich gebe weiter an meine Kollegin Catriona Bell, die bereits mit dem Brennmeister gesprochen hat. Catriona?«

»Danke, Phil«, sagte die blonde Frau, die nun ins Bild kam. Sie trug eine Rüschenbluse und eine beigefarbene, gutgeschnittene Jacke. Ihr Haar war links und rechts nach oben gesteckt und bildete zwei abstehende Dreiecke – der neuste Schrei in dieser Saison. Natürlich war sie perfekt geschminkt; dem Publikum war nichts anderes zuzumuten. Die Bildunterschrift verkündete: Catriona Bell – unsere Frau vor Ort am Schmelzofen. Erleben Sie mit, wie der mörderischer Roboter in wenigen Minuten sein glühend heißes Ende finden wird.

»Liebe Zuschauer, hinter mir sehen Sie die Schmelzofen-Anlage, die bereits auf sechstausend Grad angeheizt worden ist, wofür Brennmeister Lothar Arbuckle, sechs Tage gebraucht hat. Lange bevor das Urteil festgestanden hat, hat Mr. Arbuckle mit dem Aufheizen des Ofens begonnen – im Auftrag der Regierung, die mit diesem Ausgang gerechnet hat. Daher können wir alle jetzt Augenzeugen dieser Hinrichtung werden, die ein weiteres Mal die Metallmänner in ihre Schranken weist und das Gesetz der Humanoiden hochhält.«

Eine Fanfare ertönte und unterstützte Catriona in ihrer Aussage. In Großaufnahme fuhr sie fort:

»Viele fragen sich, ob es richtig war, den Robotern auf unserer Welt einen solchen Stellenwert, eine solche Dominanz einzuräumen. Die Wahrheit ist: Ohne die Roboter wäre Ichell-9 nicht das, was es heute ist. Unser Bruttosozialprodukt liegt bei 983 Trillionen Qubits – das höchste in den Premium-Technologie-Welten, und das seit vielen Jahren. Wir waren gezwungen, uns immer mehr zu technisieren, damit unserer Produkte konkurrenzfähig bleiben. Natürlich gibt es heute wieder Unkenrufer, die eine Umkehr zum Ursprung fordern, doch diese Menschen wissen nicht, wovon sie reden. Ein Leben ohne Technologie ist keinesfalls so wünschenswert, wie sie es darstellen, was ein kurzer Blick auf benachbarte Planeten deutlich offenbart.«

Es folgte unter trauriger Musik eine Kamerafahrt über zerfallende Städte, vermüllte Straßen, üppig wuchernde Flora und wilde Tierherden, die sich auf Grünflächen ausgebreitet hatten und viel Platz zum Spielen und Herumtollen hatten.

»Ichell-9 braucht die Roboter, um zu überleben, aber die Roboter brauchen auch uns. Ohne fachgerechte Wartung wäre nach ein paar Wochen, spätestens nach einem Monat Schluss. Nicht umsonst bezahlt Ichell-9 die höchsten Löhne an ausschließlich hochqualifiziertes Fachpersonal. Alle wirtschaftlichen Komponenten beisammen- und unser System am Laufen zu halten erfordert einen Visionär mit Weitblick, und wir können froh und dankbar sein, dass wir Julian F. Rouget haben, der die genauso undankbare wie verantwortungsvolle Aufgabe übernommen hat, Ichell-9 zu regieren.«

Catriona blickte zur Seite und sagte:

»Ted, haben wir ein Statement von Präsiden Rouget zum vorliegenden Prozessurteil?«

»Das haben wir in der Tat, Catriona«, sagte Theodore Priestly, der neben seiner Kollegin ins Bild trat und dessen Name gleichzeitig in der Bildunterschrift auftauchte. »JF Rouget trat kurz nach der Verkündung des Urteils vor die Presse und hat verlauten lassen, dass er sehr zufrieden ist, wie die Sache gelaufen ist. Der Prozess war seines Erachtens fair, und der Maschinenmensch hatte einen fähigen Rechtsvertreter. Dass er ein Todesurteil empfangen hat, war demnach der Untat zuzuschreiben, die er begangen hat.«

»Dann unterstützt Präsiden Rouget das Einschmelzen Gi-Ormans?«

»Aus ganzem Herzen, wie er den Pressevertretern versichert hat.«

Ted Priestly lächelte ins Bild wie ein Glückskind. Sein Glück hatte darin bestanden, vor wenigen Minuten die Pressekonferenz des Präsidenten per Audiostreaming mitverfolgt zu haben.

»Also alles in allem eine faire wie auch notwendige Sache, Ted.« weniger anzeigen expand_less
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