Zur Geschichte des Videorecorders – Neuausgabe des medienwissenschaftlichen Klassikers

Weltwunder der Kinematographie - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Film- und Medientechnik

Vor gut einem halben Jahrhundert ermöglichte die beginnende Markteinführung des Videorecorders, durch Aufzeichnung auf Magnetband mit tönenden Bewegtbildern in großer Unmittelbarkeit umgehen zu können. —— In den Händen der Nutzer konnten die audiovisuellen Informationen verlangsamt, beschleunigt, zerlegt, neu zusammengesetzt und überall dort vorgeführt werden, wo ein Monitor, Fernsehgerät oder elektronisches Projektionsgerät existierte. Ein externes Filmlabor mit langer Bearbeitungszeit war nicht mehr notwendig. —— Im Umgang mit filmischem Material jedweder Art entwickelte sich so eine neue Kulturtechnik. Sie ist der Lektüre von Texten, dem Blättern in Büchern und Zeitschriften mehr... alles anzeigen expand_more
Vor gut einem halben Jahrhundert ermöglichte die beginnende Markteinführung des Videorecorders, durch Aufzeichnung auf Magnetband mit tönenden Bewegtbildern in großer Unmittelbarkeit umgehen zu können. ——

In den Händen der Nutzer konnten die audiovisuellen Informationen verlangsamt, beschleunigt, zerlegt, neu zusammengesetzt und überall dort vorgeführt werden, wo ein Monitor, Fernsehgerät oder elektronisches Projektionsgerät existierte. Ein externes Filmlabor mit langer Bearbeitungszeit war nicht mehr notwendig. ——

Im Umgang mit filmischem Material jedweder Art entwickelte sich so eine neue Kulturtechnik. Sie ist der Lektüre von Texten, dem Blättern in Büchern und Zeitschriften mehr verwandt als dem klassischen Kino-Besuch. Künstler eigneten sich diese neue Kulturtechnik für ihre Zwecke ebenso an wie die Werbung, die Psychiatrie oder die Polizei und das Militär. In den privaten Haushalten entstanden riesige Sammlungen von Spielfilmen, die individuell oder in kleinen Gruppen in einer neuen intimen Form von Öffentlichkeit betrachtet werden konnten. Der Zeitversatz durch Videoaufnahme ermöglichte zudem ein neues Verhältnis zum Fernsehkonsum: eine audiovisuelle Zeitmaschine wurde Wirklichkeit. ——

Zielinskis Geschichte des Videorecorders ist die erste große Monographie, die in Deutschland zu diesem Phänomen veröffentlicht wurde. Sie untersuchte das neue Medium, als es gerade erst im kulturellen Alltag der Leute angekommen war. In einer akribischen Analyse wird die Entwicklung eines Apparats, der ein neues Medium wurde, von den frühesten technischen Entwürfen und wenig praktikablen Monstern bis hin zu den preiswerten und leicht zu bedienenden Geräten in jedermanns Hand rekonstruiert. Methodisch legt der Medienwissenschaftler besonderen Wert auf die Wechselbeziehungen zwischen technischen und kulturellen Faktoren in der Entwicklung des neuen Kommunikationsmittels. ——

Das Buch ist somit auch eine Pionierstudie für einen neuen Ansatz in der Medienforschung geworden. Bald nach seinem Erscheinen vor knapp 25 Jahren war das Buch vergriffen. Mit der Neuausgabe dieses medienwissenschaftlichen Klassikers ermöglicht die zehnte Ausgabe der „Weltwunder der Kinematographie“ nun eine kritische (Wieder-)Lektüre – zu einem Zeitpunkt, an dem der klassische Videorecorder die Bildfläche zwar bereits wieder verlassen hat, doch der eingeübte Umgang mit den audiovisuellen Bildern nunmehr auf andere Weise weitergeführt wird.

—— Der Autor hat das ursprüngliche Manuskript noch einmal durchkorrigiert und den Bildteil mit einigen zeitgenössischen Dokumenten erweitert. „Zur Geschichte des Videorecorders” wurde 2010 veröffentlicht als zehnte Ausgabe der Publikationsreihe „Weltwunder der Kinematographie – Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Film- und Medientechnik”, die seit 1994 von Joachim Polzer herausgegeben wird. weniger anzeigen expand_less
Weiterführende Links zu "Zur Geschichte des Videorecorders – Neuausgabe des medienwissenschaftlichen Klassikers"

Versandkostenfreie Lieferung! (eBook-Download)

Als Sofort-Download verfügbar

eBook
9,80 €

  • SW325714

Kunden kauften auch

Kunden sahen sich auch an

info