Alemania es diferente? Analyse der zentralen deutschen Kulturstandards aus Sicht spanischer Studiere

Alemania es diferente? Analyse der zentralen deutschen Kulturstandards aus Sicht spanischer Studiere
Angebot
„Spain is different!“ - so lautet der berühmte Werbeslogan, welcher die Singularität der spanischen Kultur zum Ausdruck bringen soll. In Zeiten der Euro-Krise gewinnt der Ausdruck indessen an völlig neuer Bedeutung: Mit über 50% weist Spanien nach Griechenland derzeit Europas zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit auf. Vor diesem Hintergrund sehen sich viele junge spanische Akademiker gezwungen, über Spaniens Grenzen hinweg nach Arbeitsplätzen zu suchen. Angesichts der volkswirtschaftlichen Leistungskraft bei gleichzeitigem Fachkräftemangel gewinnt Deutschland als Studien- und Arbeitsstandort dabei zunehmend an Attraktivität: Die... alles anzeigen expand_more

„Spain is different!“ - so lautet der berühmte Werbeslogan, welcher die Singularität der spanischen Kultur zum Ausdruck bringen soll. In Zeiten der Euro-Krise gewinnt der Ausdruck indessen an völlig neuer Bedeutung: Mit über 50% weist Spanien nach Griechenland derzeit Europas zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit auf. Vor diesem Hintergrund sehen sich viele junge spanische Akademiker gezwungen, über Spaniens Grenzen hinweg nach Arbeitsplätzen zu suchen. Angesichts der volkswirtschaftlichen Leistungskraft bei gleichzeitigem Fachkräftemangel gewinnt Deutschland als Studien- und Arbeitsstandort dabei zunehmend an Attraktivität: Die Anzahl der in Deutschland lebenden Spanier hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Interkulturelle Begegnungen mit Spaniern, ob an der Universität oder am Arbeitsplatz, beschränken sich damit längst nicht mehr nur auf touristische Erfahrungen. Sie gehören zum Alltag vieler Deutscher. Doch wie nehmen uns die Spanier eigentlich wahr? Hat sich das Fremdbild Deutschlands in den vergangenen Jahren verändert? Und was bedeutet es eigentlich „deutsch“ zu sein? Dieses Buch ist für alle geeignet, die mehr über ihre eigene Kultur erfahren und ihre interkulturelle Handlungskompetenz ausbauen möchten. Nicht umsonst lautet eine 3000 Jahre alte chinesische Weisheit: „Nur wer den anderen und sich gut kennt, dem ist in tausend Begegnungen Erfolg beschieden“.



„Spain is different!“ - so lautet der berühmte Werbeslogan, welcher die Singularität der spanischen Kultur zum Ausdruck bringen soll. In Zeiten der Euro-Krise gewinnt der Ausdruck indessen an völlig neuer Bedeutung: Mit über 50% weist Spanien nach Griechenland derzeit Europas zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit auf. Vor diesem Hintergrund sehen ...



Textprobe:

Kapitel 2.2.3, Historische Entstehung:

Die Herausbildung von KSs in einer Gesellschaft vollzieht sich nicht arbiträr. Vielmehr sind KSs als Resultat historischer Entwicklung und Auseinandersetzungen mit der Umwelt zu verstehen. So sahen sich verschiedene Kulturkreise im Laufe der Geschichte immer wieder gezwungen, ihre Lebensweisen an die veränderten vorherrschenden Umweltzustände anzupassen. Dazu gehörten beispielsweise Veränderungen in der ‘Ernährungslage, Bevölkerungsdichte, dem Klima, der Religion, Technik, Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik’. Demzufolge sind KSs keineswegs als statische oder zeitlose Attribute aufzufassen. Vielmehr sind sie umweltbedingten Anpassungsreaktionen unterworfen, das heißt variabel, wenngleich dieser Prozess in der Regel einen relativ langen Zeitraum in Anspruch nimmt und sich sukzessive über mehrere Generationen vollzieht. Vor diesem Hintergrund scheint es evident, dass sich in unterschiedlichen Kulturen zum Teil sehr heterogene Orientierungssysteme herausgebildet haben.

2.2.4, Generierung von Kulturstandards:

KSs unterscheiden sich von Stereotypen und Vorurteilen aufgrund der Tatsache, dass sie aus real und alltäglich erlebten Handlungssituationen empirisch gewonnen werden. Stereotypisierungen hingegen beruhen auf der allgemeinen Basis kulturdivergenter Meinungen, Eindrücke und Bemerkungen, die in den meisten Fällen einem hohen Grad an Wahrnehmungsverzerrung unterliegen.

Für die Generierung von KSs wurde in der interkulturellen Psychologie eine Methode zur Erhebung und Analyse von sogenannten ‘Critical Incidents’ (CIs) entwickelt. KIs und CIs sind im Folgenden als Synonyme zu betrachten. Bei dieser Methode wird im Rahmen von teilstrukturierten Interviews nach denjenigen Verhaltensweisen gefragt, die aus der einen kulturellen Perspektive mit Mitgliedern der anderen Kultur nicht zu erwarten gewesen wären, beziehungsweise von den gewohnten Verhaltensstrukturen abweichend wahrgenommen worden sind. Denn ‘erwartungswidriges Handeln des fremdkulturellen Partners ist [...] ein entscheidendes Kriterium für den Kontrast von [KSs]’.

Nach der Durchführung der audiographisch aufgezeichneten Interviews werden diese anschließend transkribiert und mit Blick auf KSs inhaltsanalytisch ausgewertet. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, nicht allgemein beobachtete Verhaltensweisen, sondern konkrete KIs im Detail zu erschließen. Im Rahmen der erstmaligen Erfassung von KSs werden zudem die redaktionell überarbeiteten KIs in einem zweiten Schritt ‘Experten’ aus der Ausgangs- und Zielkultur vorgelegt, welche die jeweiligen Schilderungen nochmals analysieren und interpretieren. Da sich diese Arbeit jedoch als Ziel setzt, die bereits erhobenen KSs aus der konkreten Sicht spanischer Studierender in Deutschland zu analysieren, wird in der vorliegenden Arbeit von Expertenmeinungen abgesehen.

In der Regel lassen sich, nach dem Wegfall der Situationswiederholungen, am Ende sechs bis zehn ‘kulturspezifische KSs’ formulieren, wobei diese ferner mit zielkulturspezifischen Darlegungen versehen werden. Die ‘zentralen KSs’ für ein bestimmtes Zielland werden wiederum anhand einer weiteren komparatistischen Analyse erhoben. Dabei werden diejenigen KSs, welche von unterschiedlichen Nationen in Bezug auf ein bestimmtes Zielland repetitiv aufgeführt werden, als ‘zentrale KSs’ herausgestellt.

2.2.5, Kritik:

Der 2003 von Alexander Thomas publizierte Beitrag ‘Interkulturelle Kompetenz. Grundlagen, Probleme und Konzepte’ hat eine der bislang umfangreichsten Debatten innerhalb der interkulturellen Forschung evoziert. Einer der Kritikpunkte, auf welchen Thomas selbst hinweist, ist die oft ‘einseitig[e], vom euroamerikanischen ‚westlichen‘ Kulturverständnis [determinierte]’ Darstellung von IHAKO.



Lars Oehler wurde 1988 in Achern geboren. Sein Studium an der Universität Regensburg und Universidad Complutense de Madrid schloss der Autor im Jahre 2012 mit dem Doppeldiplom (B.A./Grado) in Deutsch-Spanischen Studien erfolgreich ab. Derzeit studiert er einen dualen Master in International Business and Politics (M.Sc.) in Kopenhagen und International Management (CEMS MIM) in London. Bereits während seines Bachelorstudiums setzte sich der Autor intensiv mit den deutsch-spanischen Beziehungen auseinander. Fasziniert von der hispanischen Kultur und Sprache, verbrachte der Autor knapp drei Jahre in unterschiedlichen spanischsprachigen Ländern (u.a. Peru, Spanien, Mexiko, Honduras und Kolumbien). Dabei konnte er tiefe Einblicke sowohl in Wirtschaft, Politik und Kultur der jeweiligen Länder gewinnen.



weniger anzeigen expand_less
Weiterführende Links zu "Alemania es diferente? Analyse der zentralen deutschen Kulturstandards aus Sicht spanischer Studiere"

Versandkostenfreie Lieferung! (eBook-Download)

Als Sofort-Download verfügbar

eBook
16,80 € 19,99 € -15,96%

  • SW9783956845567

Ein Blick ins Buch

Book2Look-Leseprobe
  • Artikelnummer SW9783956845567
  • Autor find_in_page Lars Oehler
  • Autoreninformationen Lars Oehler wurde 1988 in Achern geboren. Sein Studium an der… open_in_new Mehr erfahren
  • Wasserzeichen ja
  • Verlag find_in_page Bachelor + Master Publishing
  • Seitenzahl 78
  • Veröffentlichung 01.02.2015
  • ISBN 9783956845567

Andere kauften auch

Andere sahen sich auch an

info