Das weiße Pony

Märchen und Geschichten von nah und fern

Sechs Märchen und Geschichten aus der Mongolei, fünf Geschichten aus der Nachbarschaft und ein Theaterstück über die Nöte eines Zwölfjährigen, geschrieben für Kinder ab neun Jahren, ihre Eltern und Großeltern. Märchen und Geschichten aus der Mongolei Die Schwalbe und die Wespe Das weiße Pony Der Khan mit den Eselsohren Gambu, der Pferdefänger Wie Ultschimund seine drei Schafe dreimal verkaufte Der Jäger und sein Adler Geschichten aus der Nachbarschaft Meine Nachbarn Mildernde Umstände Regenwalther Der Mann am Fenster Eine merkwürdige Bescherung Kleiner Mann, was tun? Erste Runde Zweite... alles anzeigen expand_more

Sechs Märchen und Geschichten aus der Mongolei, fünf Geschichten aus der Nachbarschaft und ein Theaterstück über die Nöte eines Zwölfjährigen, geschrieben für Kinder ab neun Jahren, ihre Eltern und Großeltern.



Märchen und Geschichten aus der Mongolei

Die Schwalbe und die Wespe

Das weiße Pony

Der Khan mit den Eselsohren

Gambu, der Pferdefänger

Wie Ultschimund seine drei Schafe dreimal verkaufte

Der Jäger und sein Adler

Geschichten aus der Nachbarschaft

Meine Nachbarn

Mildernde Umstände

Regenwalther

Der Mann am Fenster

Eine merkwürdige Bescherung

Kleiner Mann, was tun?

Erste Runde

Zweite Runde

Dritte Runde



„Also“, wiederholte ich, „dein Ultschimund hatte eine Frau, vierzehn Kinder, ein Kamel und eine armselige Filzjurte. War es so?“

„Du hast die drei Schafe vergessen!“

Ach ja, die drei Schafe. Wer hungrig, durstig und müde ist, wie ich es war, denkt eher an drei tote Hammel als an die Schafe solch einer Geschichte.

„Diese drei Schafe sind aber sehr wichtig“, ermahnte mich Damba. „Ultschimund hat nämlich diese drei Schafe dreimal an drei verschiedene Händler verkauft.“

„Dann war dein Ultschimund ja ein Betrüger?“

„Gerade das war er nicht“, erwiderte Damba und bat mich, den Vorgang erst zu beurteilen, wenn ich ihn bis zu Ende gehört hatte. Und so erzählte er, Ultschimund hätte seinerzeit die Filzjurte an der Karawanenstraße aufgestellt, neben einer Karawanserei, in der Kaufleute, Händler und andere Reisende tranken, aßen und schliefen, bevor sie am Morgen zu den Bergen aufbrachen und die Pässe überquerten, um nach Norden zu gelangen. Einmal in der Frühe nun wäre ein Händler erschienen und wünschte, Ultschimunds drei Schafe zu kaufen. Mittags kam der zweite mit dem gleichen Ansinnen, abends der dritte. Jeder zahlte sofort, aber nur soviel für drei Schafe, wie eins allein wert gewesen wäre, und jeder versicherte, in vier Tagen bei der Rückkehr wieder vorbeizukommen und dann die drei Schafe mitzunehmen.

Ultschimund hingegen vermochte in der ersten Nacht nicht gut zu schlafen. Zwar war er überzeugt, richtig gehandelt zu haben, aber wie sollte er mit den Händlern fertig werden, wenn sie nach vier Tagen zurückkamen, die Schafe forderten? Da hätte er neun besitzen müssen. Seine Angst trieb ihn anderntags zum Besitzer der Karawanserei. Der war nicht nur reich, sondern auch für seine Schlauheit bekannt. Ihm vertraute er an, seine drei Schafe lediglich deshalb dreimal verkauft zu haben, um ihren tatsächlichen Wert bezahlt zu bekommen. „Ist das etwa Betrug?“, fragte er den Mann.

„Kein Betrug“, lautete die Antwort.

„Und was mach ich, wenn sie zurückkehren, mich verklagen, bei Euch, der Ihr gleichzeitig der Richter dieser Gegend seid?“

Der Richter blies sich gewaltig auf, stemmte die Hände in die Hüften. Groß und dick stand der reiche, schlaue Mann in seinem langen, gelben Seidengewand vor dem armen Ultschimund. „Ich muss nachdenken, um herauszufinden, wie ich dir helfen kann.“



Am 13. Juli 1924 in Reichenau in Sachsen geboren. Kurt David absolvierte nach dem Besuch der Handelsschule eine kaufmännische Ausbildung. Von 1942 bis 1945 nahm er als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Von 1945 bis 1946 war er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Den Plan einer Ausbildung zum Musiker musste er wegen einer Kriegsverwundung aufgeben. David gehörte vier Jahre der Volkspolizei der DDR an und war anschließend zwei Jahre lang Kreissekretär beim Kulturbund der DDR. Seit 1954 lebte er als freier Schriftsteller zuerst in Oberseifersdorf/Zittau, danach bis zu seinem Tod in Oybin. In den 1960er Jahren unternahm er mehrfach Reisen in die Mongolei und durch Polen. 1970 erhielt er den Alex-Wedding-Preis, 1973 den Nationalpreis, 1980 den Vaterländischen Verdienstorden und 1984 den Lion-Feuchtwanger-Preis. Er starb am 2. Februar 1994 in Görlitz.

Davids frühe Werke haben die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit unter dem Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg zum Thema. Es folgten Bände mit Reiseberichten. Den größten Teil in Davids Werk bilden die Kinder- und Jugendbücher, von denen vor allem der humoristische Band „Freitags wird gebadet“ in der DDR ein großer Publikumserfolg, auch in der Fassung als Fernsehserie, war. Eine weitere Facette in Davids Schaffen bilden historische Romane, die Themen aus der Geschichte der Mongolen behandeln. Außerdem schrieb David Biografien über die Komponisten Beethoven und Schubert.

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