Mordgarten

Ein Genossenschaftskrimi

Mordgarten
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Edgar Zingg ist eigentlich Hauswart. Unkonventionell und mit Leidenschaft geht er seiner Berufung nach und schaut in der Genossenschaftssiedlung Moorgarten nach dem Rechten. Doch eines Morgens ist die Idylle bedroht. Ein Toter liegt im Hof, und fortan hat Edi alle Hände voll zu tun, den Ruf der Siedlung und der Agglomerationsgemeinde zu retten und herauszufinden, wer den Mann erschlagen hat. Edgar Zingg ist Abwart der Genossenschaftssiedlung «Moorgarten». Der Job gefällt ihm, die Siedlungsbewohner sind nett, und selbst mit den Kids kommt er klar. Bis er einen To­ten findet: Rolf Holliger, einen Randständi­gen, der nicht in der Siedlung wohnt,... alles anzeigen expand_more

Edgar Zingg ist eigentlich Hauswart. Unkonventionell und mit Leidenschaft geht er seiner Berufung nach und schaut in der Genossenschaftssiedlung Moorgarten nach dem Rechten. Doch eines Morgens ist die Idylle bedroht. Ein Toter liegt im Hof, und fortan hat Edi alle Hände voll zu tun, den Ruf der Siedlung und der Agglomerationsgemeinde zu retten und herauszufinden, wer den Mann erschlagen hat.



Edgar Zingg ist Abwart der Genossenschaftssiedlung «Moorgarten». Der Job gefällt ihm, die Siedlungsbewohner sind nett, und selbst mit den Kids kommt er klar. Bis er einen To­ten findet: Rolf Holliger, einen Randständi­gen, der nicht in der Siedlung wohnt, dort aber bekannt ist als «einer von denen, die manchmal blöd taten». Holliger wurde mit einer Weinflasche erschlagen, und in Ver­dacht gerät ein leicht heruntergekommener Grafiker, der zu viel trinkt, aber ein netter Kerl ist. Unbill braut sich zusammen über Zinggs Agglo-Paradies, Sicherheit wird zum Diskussionspunkt, die Presse zündelt, und Zingg wird zum Don Quijote, der gegen alle und für die Siedlung kämpft.

Stephan Pörtner, 1965 in Zürich geboren, hat

mit gesellschaftskritischen Kriminalromanen auf sich aufmerksam gemacht. Und auch mit seinem neuen Roman legt er einen gut gesponnenen, spannenden, bisweilen anrührenden Krimi vor, mit realis­tischer Handlung, sympathischen Helden und einer Prise zurückhaltendem Witz. Ein ver­

gnügliches Buch. ****



Der Kriminalroman «Mordgarten» ist ein schönes Buch. Der Leser kann es in die Hände nehmen; er kann sich festhalten am dicken Hardcover, wenn es in der Geschichte rund geht und er Angst hat vor dem Mörder, der noch nicht gefangen ist. Er errät schon beim Titelbild von Laura Jurt, dass hier jemand wohl mit einer Weinflasche erschlagen worden ist. Und im Innern geht die Designsorgfalt weiter: Grosszügig ist der Textblock auf die Seiten platziert, der Zeilenfall zeichnet das Drama nach mit Einzügen und kleinen Abschnitten. Janine Stratmann und Philipp Graf von Bon Bon Büro in Berlin haben das Buch schön gestaltet, der Verlag Applaus in Zürich hat es verlegt und Stephan Pörtner ist der Autor.



Im schönen Buch steckt ein spannender und also lesenswerter Krimi über Architektur und Städtebau. Edgar

«Edi» Zingg ist Hauswart in der Genossenschaftssiedlung Moorgarten irgendwo in der Agglomeration von Zürich. Eines Morgens liegt ein abgewrackter Tunichtgut tot im Hof seiner Siedlung. Bald wird der Trinker und Genossenschafter Wirz als Täter verdächtigt und verhaftet. Der Kriminalbeamte Stahl hat vor, ihn mit leichtem Spiel zu überführen. Doch Edi, der gute Mensch und Hauswart, glaubt nicht, dass Wirz ein Mörder ist. In rassig aufgeführten Spielzügen findet er den Mörder und erledigt gleichzeitig noch einen Spekulanten, der mit dem Mörder unter einer Decke steckt. Er macht der Genossenschaft Land für einen Neubau streitig und ein Ermordeter in der Siedlung, die nun Mord- statt Moorgarten heisst, käme ihm zu pass. Doch alles wird gut, der richtige Mörder wird verhaftet, der falsch Verdächtigte kommt in eine Trinkerheilanstalt, die Genossenschaft verliert das Bauland nicht an den Spekulanten und Edi verschwindet für drei Tage – endlich – mit einer von seinem Heldenmut entflammten Liebe – der Dorfpolizistin, die ihm den Mord aufklären geholfen hat.



Ein Krimi ist dann gut, wenn die Geschichte einfach und die Spurensuche überraschend und feinsinnig ausgelegt ist. Das kann gut, wer über angewandte Semiotik des Design verfügt: Welche Spuren, welche Bedeutungen an einem Gegenstand verraten mir was? Was sagt die Form, die Etikette, die Beschriftung des Mordwerkzeuges,

der Weinflasche, mit der nunmehr Tote erschlagen worden ist? Welche ihrer Zeichen führen den Hauswart Edi zum Mörder? Mit Lust und Phantasie ist Pörtner Zeichenleser, er nimmt uns mit in die Welt der Weinkenner, führt uns in die Bündner Herrschaft ins Dörflein Fläsch, wo der Weinbauer Fridolin Andrin nur ausgesuchtesten Kunden ein paar wenige seiner kostbaren und raren Flaschen gibt. Eine landete auf des Toten Kopf, ihr Käufer ist der Mörder.



Da geht es mir als Leser nun natürlich etwas speziell, denn ich wohne in Fläsch und bin der Bruder des Weinbauers, der diesen «weltweit gerühmten Blauburgunder» produziert. So werde ich zum Besserwisser und notiere alle Details, die nicht stimmen vom der Anfahrt ins Dorf bis zur Beschreibung des Weingutes. Natürlich muss Präzision dem Autor als dichterische Freiheit überlassen werden, zumal die Unstimmigkeiten nichts zur Geschichte tun. Sie sind vielmehr ein Beispiel für das gut geführte Pörtnersche Werkzeug – die farbige Anschaulichkeit. Er braucht dieses Werkzeug virtuos bis in die Sprachführung seiner Figuren: Er muss seinen Helden nicht beschreiben, so wie er ihn reden lässt, erscheint ein Bild vor unseren Augen. Man merkt auch den geübten Hörspielschreiber Pörtner – zu den anschaulichen Beschreibungen kommen die anschaulichen Dialoge.



Ein Krimi ist dann gut, wenn über der einfachen Geschichte ein Metabau steht. Pörtner konstruiert ihn als Bericht aus dem Milieu der Immobilienwelt, wo der Gute aus der gemeinnützigen Genossenschaft mit dem bösen Spekulanten um knappen Boden ringt. Dieser Überbau ist stabil und gut informiert; und da er über dem Krimi steht und nicht dem wissenschaftlichen Essay mögen wir die Zuspitzungen, Stereotypen und Holzschnitte. Sie würden langweilen, wenn sie platt sind, und sie unterhalten, wenn sie, wie Pörtner das kann, durchwegs ironisch sind. Vom Hauswart, der einst Historiker war, über die Journalistin von 20 Minuten, die mit dem Kriminalkommissär ins Bett geht bis zur Multikultifröhlichkeit in der Genossenschaft Moorgarten.



Stephan Pörtners Krimi ist eine Auftragsarbeit für den Verband der Wohnbaugenossenschaften. Sie liessen dem Autor freie Hand; er revanchiert sich mit einem sympathischen Bild. Sie haben sich und uns zum internationalen Jahr der Genossenschaften ein gutes Geschenk gemacht.



Prolog



Auf so etwas ist ja niemand vorbereitet. Wer hält es schon für möglich, irgendwann in einen Mordfall verwickelt zu werden? Ich sicher nicht. Trotzdem ist mir genau das passiert. Mein Name ist Edgar Zingg. Ich bin der Abwart der Genossenschaftssiedlung «Im Moorgarten». Wenn ich Abwart sage, dann stellen Sie sich wahrscheinlich einen Typen im blauen Übergwändli vor, der eine braune Manchesterdächlikappe oder einen schwarzen Lederhut trägt, Stumpen raucht und den ganzen Tag hässig ist. Habe ich recht? Denn so stellen sich doch die Leute in der Schweiz einen Abwart vor. Und so stellen die Kabarettisten in der Schweiz den Abwart auch dar. Seit Jahrzehnten. Ganz so, als sei die Zeit in den 1970er Jahren stehen geblieben. Wenn einer als Abwart verkleidet auf die Bühne kommt, dann weiß das Publikum gleich: Jetzt wird es lustig, jetzt kommt ein leicht beschränkter Oberspießer, über den man lachen kann. Denn dieser Typ sieht nicht nur bireweich aus, er ist natürlich total kleinlich, engstirnig und regt sich über alles auf. Da lacht das Publikum, und jeder freut sich, weil man sich einbildet, selbst nicht so spießig zu sein.

In Wirklichkeit ist dieses Klischee das Einzige, worüber ich mich als Abwart aufrege. Ich entspreche ihm nämlich überhaupt nicht. Tut mir leid. Nur das mit der Dächlikappe stimmt. So eine trage ich ständig, wenn auch selten eine aus Manchesterstoff. Ich habe etwa fünfundzwanzig verschiedene Modelle im Schrank. Solche Mützen haben einfach Stil. Die trug ich schon, bevor ich Abwart wurde, und das ist mehr als dreiundzwanzig Jahre her. Davor habe ich studiert. Ich habe sogar einen Abschluss. Ich bin Historiker, lic. phil I. Abwart bin ich aus purem Zufall geworden, und hässig bin ich ganz selten, aber an jenem kühlen Morgen im Frühsommer, an dem diese schlimme Geschichte ihren Anfang nahm, war ich nah dran, es zu werden. Denn als ich von meiner Wohnung in der Nummer 20 über den Hof ging, um in mein Magazin zu gehen, das sich an der Stirnseite des Hofs befindet, sah ich, dass bei dem Festtisch vor der Nummer 28 eine zerbrochene Flasche lag. Da hört bei mir der Spaß auf. Scherben im Hof, vor allem am Morgen, wenn die Kinder in die Schule und in den Chindsgi aufbrechen, das geht gar nicht. Deshalb machte ich von der zerbrochenen Weinflasche mit meinem Handy ein Foto. Damit ich einen Beweis hatte, um dem Schuldigen später ins Gewissen reden zu können. Es gibt klare Grenzen. Wir in unserer Siedlung sind tolerant. Es wohnen die verschiedensten Leute zusammen, da kommt man nicht weit, wenn man allen alles verbieten will. Aber es gibt immer wieder Leute, die meinen, wo nicht alles verboten ist, da sei alles erlaubt. Und in der letzten Zeit hatte es hin und wieder mal Vorfälle gegeben. Und so hatte ich mir vorgenommen, mit ein paar Leuten wieder einmal ein ernstes Wort zu reden.

Ich machte also das Foto und wollte ins Magazin hinübergehen, um Handschuhe, Kübel und Besen zu holen, als ich sah, dass da einer neben dem Tisch auf dem Bauch lag. Ich hatte ihn vorher nicht bemerkt, weil er zwischen Hauswand und der Festbank lag, und nun freute ich mich, den Schuldigen gefunden zu haben.

«Heda, aufstehen, Gopfertami», rief ich und trat zu ihm. Er machte keinen Wank. Ich stieß ihn mit dem Fuß an.

«Hallo, aufstehen, das ist hier kein Campingplatz und keine Notschlafstelle.» Keine Reaktion. Ich beugte mich zu ihm hinunter. Am Hinterkopf war das schüttere graue Haar braun verklebt. Blut wahrscheinlich, dachte ich und berührte vorsichtig seinen Arm. Der Körper fühlte sich steif und kalt an. Kein Wunder. Der Mann war tot.



Stephan Pörtner ist einer der beliebtesten Krimiautoren der Schweiz und bekannt dafür, dass er seine Ermittler in ungemein spannende Mordfälle verwickelt und dabei mit lakonisch präziser Gesellschaftskritik den Zuständen in der Schweiz nachspürt. in MORDGARTEN stellt er die Bewohner einer typischen Genossenschaftsseidlung vor und beschreibt die Veränderungen, die dort durch die Wohnungsnot in der nahegelegenen Grossstadt vonstatten gehen.

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