Seriensationell: Klimaquartett von Maja Lunde

In der Rubrik "Seriensationell" möchten wir Ihnen einige interessante Buchreihen und -serien vorstellen, die uns in ihren Bann gezogen haben.

Maja Lunde gehört zu den erfolgreichsten norwegischen Autorinnen der Neuzeit. Nicht nur in Deutschland sind Ihre Bücher sehr gefragt: "Die Geschichte der Bienen" landete in mehrern Ländern auf der Bestsellerliste und wurde in 35 Sprachen übersetzt. 2017 war der erste Teil des Klimaquartetetts sogar das meistverkaufte Buch in Deutschland und gewann weltweit verschiedene Preise.

Die Idee zu den Büchern hatte Lunde, nachdem sie 2013 im Fernsehen eine Dokumentation über das Bienensterben gesehen hatte. Eigentlich arbeitet sie als Drehbuchautorin für das norwegische Fernsehen und schreibt hauptsächlich für Kindersendungen. Dies dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass sie selbst komplexe Umweltthemen so darstellen kann, dass man sie gut versteht. Ihre vierteilige Klima-Reihe ist deshalb sogar kinderfreundlich und nicht nur für erwachsene Leser geeignet, auch wenn die Cover nicht unbedingt in die Kinder- und Jugendbuchabteilung passen.

In den Romanen nimmt sich Maja Lunde ein Thema vor und beleuchtet dies von verschiedenen Orten und Zeiten aus. Ein roter Faden führt durch die Geschichte, komplexe Charaktere machen es möglich, sich in die Geschichte hineinzuversetzen und richtig zu erleben.

 

Die Handlung

Zwischen den einzelnen Romanen gibt es keinen Zusammenhang und sie können grundsätzlich unabhängig voneinander gelesen werden. Band 3 nimmt Bezug auf die beiden Vorgänger und macht am meisten Spaß, wenn man Band 1 und 2 bereits gelesen hat.

In England hat ein Biologe im Jahr 1852 eine Idee, die seinem brachliegenden Geschäft helfen kann: Ein neuer Bienenstock. 155 Jahre später soll Tom die Imkerei seines Vaters übernehmen, als plötzlich die Bienen verschwinden. Im Jahr 2098 erinnert sich eine Frau in Japan an eine Zeit, in der es noch Bienen gab, während sie von Hand die Blüten eines Apfelbaums bestäubt. Ein schlimmer Unfall zwingt sie dazu, sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit zu machen. Drei Geschichten, die eng verwoben sind und sich mit dem allgegegenwärtigen Thema "Bienensterben" auseinandersetzen: In diesem Roman geht es aber nicht nur um das Überleben der Bienen, sondern auch um den Überlebenskampf der Menschen, deren Lebensunterhalt von den fleißigen Tieren abhängt. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie nach der Lektüre von Die Geschichte der Bienen die Insekten um Sie herum mit ganz anderen Augen sehen.

Im zweiten Band der Reihe, Die Geschichte des Wassers, reist eine 70-jährige Klimaaktivistin im Jahr 2017 mit einem Segelboot von Norwegen nach Frankreich und transportiert dabei eine wertvolle Fracht, die das Schicksal der Erde für immer verändern könnte. Im Jahr 2041 herrscht in Frankreich eine fürchterliche Dürreperiode, wie auch in vielen anderen Teilen der Welt. Millionen Menschen flüchten in den kühleren Norden, allerdings ist Trinkwasser mehr als knapp. Es sieht düster aus, als ein Mann mit seiner Tochter ein altes Segelboot entdeckt. Wer das Buch heute liest, wird unweigerlich an die verheerenden Buschbrände in Australien zu Beginn des Jahres denken. Lunde schildert hier die Folgen der Erderwärmung und unter anderem auch die Flucht der Menschen in weniger beeinträchtigte Gebiete, die dann mit den Schwierigkeiten in der Versorgung der  "Klimaflüchtlinge" zu kämpfen haben. Nur sind in der Zukunftsversion der Autorin auch diejenigen unter uns betroffen, die im Jahr 2020 nur schockiert die Nachrichten über Dürre und Waldbrände im Fernsehen sahen. Wie schon im ersten Band schafft es Maja Lunde wieder, mittels Einzelschicksalen ein abstraktes Thema so dazustellen, dass man am liebsten sofort eigenhändig das Schicksal der Erde anpacken und ändern möchte. 

Im dritten Band mit dem Titel Die letzten ihrer Art widmet sich Lunde wieder dem Artensterben zu und greift sich hierfür eine Pferderasse heraus: Przewalski-Wildpferde. Beinahe ausgestorben, vom Menschen gerettet: Wie sieht die Zukunft dieser Tiere aus, wenn die des Menschen ungewiss ist? Im Jahr 2064 sind die Menschen in Europa beinahe selbst ausgestorben, nachdem die Bienen verschwunden sind und Naturkatastrophen die Erde verwüsteten. Dauerregen wechselt sich mit Dürre ab, die verbleibenden Menschen sind wieder zu Nomaden geworden und einzelne Gruppen plündern und rauben, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Eva und ihre Tochter wissen nicht, was sie tun sollen. Wenn sie gehen, wohin? Wenn sie bleiben, wie sollen sie überleben? Eva will ihre Pferde nicht zurücklassen, da sie zu den letzten ihrer Art gehören. In einem anderen Handlungsstrang springen wir 200 Jahre in die Vergangenheit, als in Russland ein Sensationsfund gemacht wird: Der Schädel eines Pferdes, das als ausgestorben galt. Ein Wissenschaftler fasst einen Plan, nach Zentralasien zu reisen und dort nach den Pferden zu suchen, um sie in seinen Zoo zu holen. Die dritte Geschichte in diesem Buch dreht sich um eine Tierärztin, die ihr leben den Przewalski-Pferden gewidmet hat und im Jahr 1992 einen Teil ihrer Herde in der Mongolei auswildern möchte, damit die Tiere nicht mehr nur in Gefangenschaft, sondern auch in ihrer ursprünglichen Heimat leben können.

In Band 4 soll die Reise an den Nordpol im Jahr 2110 führen: Es geht um Pflanzen und Samen und alle bisherigen Teile werden im Finale der Klimaquartett-Reihe zusammengeführt. 

Fröhlich sind die Romane von Maja Lunde nicht. Wer eine schlichte Urlaubslektüre sucht, die leichte Unterhaltung mit sich bringt und nach dem Lesen nicht mehr großartig beschäftigt, sollte lieber zu anderen Büchern greifen. Aber auch wenn die Geschichten viele dystopische Elemente enthalten und dem Menschen die Konsequenzen seines Handels aufzeigt, gibt es doch Hoffnung. Ein Silberstreif am Horizont: Auch Einzelne können durch ihr Handeln Großes bewirken. 

 


Reihenfolge der Klimaquartett-Reihe von Maja Lunde

  1. Die Geschichte der Bienen
  2. Die Geschichte des Wassers
  3. Die letzten ihrer Art
  4. noch nicht angekündigt

 


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