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250 Jahre USA – Mythos und Wirklichkeit
In gemeinsamer Sache
Erfolgreicher Marxistischer Ratschlag
Rund 200 Interessierte kamen am 18. April zum ersten Marxistischen Ratschlag, den die vier linken und marxistischen Zeitschriften Luxemburg, Marxistische Blätter, Sozialismus und Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung gemeinsam durchgeführt haben. Die Beiträge unserer Mitherausgeber Timo Reuter (DKP Braunschweig), Thomas Hagenhofer (DKP Saarland) und Willy Sabautzki zu diesem Ratschlag haben wir in der Beilage dieser Ausgabe dokumentiert.
Wieder verfügbar
Unser Schwerpunktheft »Militärrepublik Deutschland? Ohne uns!« war wegen sehr hoher Nachfrage kurzfristig vergriffen. Es wurde nachgedruckt und ist nun weiter verfügbar.
Zum aktuellen Verhältnis des DKP-Parteivorstandes zur NIV GmbH
Die Herausgeber:innen der Marxistischen Blätter mussten sich in ihrer Sitzung vom 11. April mit einem Beschluss der 4. Tagung des Parteivorstandes der DKP (PV) befassen, der das »besondere Verhältnis« und die »politische Nähe zwischen der Neue Impulse Verlag GmbH, in dem die MB erscheinen, und der DKP« als »nicht mehr vorhanden« betrachtet. Ausgehend davon hat der PV konkrete Sanktionen beschlossen, u. a. die Streichung »der Möglichkeit zur Teilnahme an den PV-Tagungen für Vertreter der Marxistischen Blätter«, die Kündigung der »Vereinbarung über Zuwendungen … an die Marxistischen Blätter« und die Bitte an alle DKP-Gliederungen, »in Zukunft keine DKP-Gelder zugunsten der Marxistischen Blätter oder der Neue Impulse Verlag GmbH einzusetzen«. Außerdem erklärten der Parteivorsitzende und weitere Führungsmitglieder ihren Rücktritt aus dem Herausgeberkreis. Einen »personellen und organisatorischen Neuanfang« bindet der derzeitige PV an den Rücktritt der langjährigen NIV-Gesellschafter und DKP-Mitglieder Nina Hager, Raimund Ernst und des Geschäftsführers und verantwortlichen Redakteurs Lothar Geisler.
Der Herausgebersitzung lagen inhaltliche Erklärungen der Gesellschafter des Neue Impulse Verlages und Briefe zum PV-Beschluss vor, u. a. auch von Mitherausgebern, die nicht Mitglied der DKP sind (für Abonnent:innen nachzulesen im nicht öffentlich zugänglichen Teil unserer Webseite). Nach intensiver Diskussion unterstrichen alle Herausgeber:innen einmütig, dass sie nach wie vor das Statut und die Politische Erklärung aus dem Jahr 1991 als gemeinsame Arbeitsgrundlage ihrer politisch-redaktionellen Arbeit an den traditionsreichen, unentbehrlichen und ausstrahlenden Marxistischen Blättern betrachten, inclusive der Mitarbeit »am Erhalt, am Wirken und am perspektivischen Neu-Aufbau einer kommunistischen Komponente in der Politik« (siehe Faksimile auf Seite 4 und www.marxistische-blaetter.de/de/article/1711.politische-erkl%C3 %A4rung-und-statut-der-marxistischen-bl%C3 %A4tter.html). Herbert Lederer, Rechtsanwalt und langjähriger Mitherausgeber der Marxistischen Blätter wurde beauftragt, im Gespräch mit dem DKP-Vorsitzenden Patrik Köbele Möglichkeiten einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Parteiführung und Verlag/Marxistischen Blättern auszuloten. Abhängig von dem Ergebnis dieses Gesprächs wird der Herausgeberkreis im Juni (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) überlegen, welche weiteren Initiativen ergriffen werden können.
Hinweis
Entsprechend unserer Jahresplanung erscheint die nächste Ausgabe der Marxistischen Blätter (4_2026) mit dem Schwerpunktthema: »Lob des Kommunismus«
In gemeinsamer Sache
Kommentare
Kuba und das Recht des Stärkeren (Leon Varga)
Trotz Absage der US-Mittelstreckenraketen: keine Entwarnung (Jürgen Wagner)
»America First« gegen Multipolarität (Willy Sabautzki)
Eindrücke vom Parlament der Arbeit (Ulrike Eifler)
Sozialkahlschlag: Nach den Pfiffen nun in die Aktion! (Manfred Sohn)
Zu den ungarischen Parlamentswahlen (Ulrich Schneider)
Leserzuschriften
Monika Strauß (Bad Soden) zu Matin Baraki »Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone« (in MBl 1_2026)
Joachim Schubert (Mannheim) zu Willy Sabautzki »Vertrauenskrise« (MBl 1_2026)
Peter Maaßen (Frankfurt) zu Markus Bernd »Integration statt Alternative« (MBl 2_2026)
Michael Stiels-Glenn (ehemals Dülmen): E-Mail aus Kenyia
Berichte
Reflexion der Widersprüche – Hans-Heinz-Holz-Tagung 2026 (Hannes Fellner)
Sozialistisches Chinamaxxing (Willy Sabautzki)
Thema: »250 Jahre USA – Mythos und Wirklichkeit«
Editorial
Revolution im Kopf (Greg Godels)
250 Jahre USA – Verheißung und Illusion vom individuellen Glück (Raimund Ernst)
Imperialer Zyklus und Weltordnung (Peter Gärtner)
Die USA – eine Demokratie? (Andreas Wehr)
Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion – auch ein US-Stellvertreterkrieg (Werner Rügemer)
250 Jahre USA von unten (Ulrich Schneider)
Wie die US-Gewerkschaften Trumps Autoritarismus bekämpfen können (Alex Caputo-Pearl)
Jack Londons »Die Eiserne Ferse« – Erste Dystopie des Imperialismus (Jenny Farrell)
250 Jahre USA – Eine Chronologie
Marxismus nicht nur für Einsteiger
Was hat Künstliche Intelligenz mit Karl Marx zu tun? (Lothar Peter)
Kalenderblatt
Fidel Castro und das Schicksal der kubanischen Revolution (Peter Gärtner)
Fritz Giga und sein zweites Leben im Spanien-Krieg (Klaus Oberschewen)
Positionen
Das chinesische Demokratieverständnis: Ganzheitliche Volksdemokratie (Thomas Allwin)
Der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik (1922–1927) (Volkmar Schöneburg)
Kapitalistische Schizophrenie in der Migrationsfrage (Artur Pech)
Jürgen Habermas: Diskurs, Öffentlichkeit, Demokratie (Lothar Peter)
»Marxist through and through« – Hollitscher im Londoner Exil (Christian Kaserer)
Rezensionen
Jürgen Mackert/Ilan Pappe (Hrsg.): Siedlerkolonialismus. Grundlagentexte des Paradigmas und aktuelle Analysen (Peter Gärtner)
Victor Grossman: Rebel Girls – 34 amerikanische Frauen im Porträt (Jenny Farrell)
Der rote Faden – Aus dem Leben und Wirken des ehemaligen DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr (Nina Hager)
Thomas Riegler: Der Wiener Spionagezirkel. Kim Philby, österreichische Emigranten und der sowjetische Geheimdienst (Rainer Venzke)
Volkmar Schöneburg: Macht und Recht (Mesut Bayraktar)
Editorial
250 Jahre USA: Das ist kein Jubiläum der Freiheit, sondern Anlass, einen der wirkmächtigsten politischen Mythen unserer Zeit aus linker Perspektive zu kritisieren. Während der Spiegel in seiner Sonderausgabe »250 Jahre USA« das Land als Heldengeschichte von Demokratie, Aufstieg und nationaler Größe feiert, geht es in dieser Ausgabe der Marxistischen Blätter um die verdrängte Bilanz: Kolonialismus, Sklaverei, Landraub, Klassenkrieg und imperiale Expansion – also um das, was im Hochglanzformat höchstens als »Schattenseite« erscheint. Schon die Amerikanische Revolution war kein Freiheitsakt, sondern ein bürgerlicher Umbruch, getragen von Kaufleuten, Pflanzern und kolonialen Eliten, die sich von britischen Fesseln lösen wollten. Wo der Spiegel schweigt, sprechen unsere Beiträge von der Klassenspaltung dieser »Freiheit« und den damit verbundenen Kämpfen.
Die Geschichte bestätigt dieses Muster. Auf koloniale Landnahme folgten Verfassung, Westexpansion und Industrialisierung; aus der Republik der Sklavenhalter und Kaufleute wurde die führende kapitalistische und später imperialistische Macht. Die Monroe-Doktrin trat früh im Gewand antikolonialer Rhetorik auf, formulierte aber den hegemonialen Anspruch Washingtons auf die westliche Hemisphäre – ein roter Faden, den das Spiegel-Narrativ zur »Ordnungsmacht« verklärt, obwohl er militärische Drohung und ökonomische Unterwerfung bezeichnet.
Aus Sicht der Arbeiterbewegung ist US-Geschichte die Geschichte sozialer Kämpfe. Die großen Arbeitskämpfe des 19. Jahrhunderts, der Achtstundentag von 1886, Haymarket, die durch Betriebsbesetzungen und Massenstreiks gewonnenen Errungenschaften, die sich institutionalisiert niederschlugen im New Deal, standen gegen eine Bourgeoisie, die die Lohnabhängigen mit Gewalt organisierten, mit Gerichten und Hetze antwortete. Wenn der Spiegel dies als »Modernisierung« erzählt, verschleiert er, dass Klassenmacht gebrochen wurde.
Die aktuelle, begrenzte Revitalisierung gewerkschaftlicher Kämpfe zeigt, dass selbst im Herzen des Kapitals neue Formen betrieblicher Selbstorganisation, Basisarbeit und multiethnischer Klassenpolitik entstehen. In den Beiträgen wird herausgearbeitet, dass die US-Ordnung zunehmend autoritäre Züge trägt. Die USA erscheinen als Beispiel eines »soften Bonapartismus«: eine präsidiale Macht, plebiszitär legitimiert und zugleich mit weitreichenden Exekutiv- und Kriegsbefugnissen ausgestattet, um innere Konflikte repressiv zu bearbeiten und nach außen imperial zu überdecken; die Ausweitung präsidentieller Immunität durch den Supreme Court passt in dieses Muster – im Spiegel allenfalls als »Krise der Institutionen« vermerkt.
Besonders außenpolitisch ist die Kluft zwischen Mythos und Realität offensichtlich. Im 20. Jahrhundert bis heute verbanden die USA ihren globalen Führungsanspruch mit Interventionen, Kriegen und antikommunistischen Ordnungsprojekten, einschließlich der Förderung faschistischer Kräfte überall in der Welt. Das Erstarken multipolarer Kraftzentren zeigt den relativen Niedergang einer Macht, die ihren Anspruch umso aggressiver behauptet, je brüchiger ihre Basis wird. Gegen die spiegelgerechte Feier des »amerikanischen Jahrhunderts« setzt diese Ausgabe ausgewählte Beiträge zur wirklichen Geschichte: Ausbeutung und Widerstand, Gegenrevolution und Emanzipation. Die Beiträge dieser Ausgabe führen aus, dass die Zukunft nicht im Mythos USA liegt, sondern in den sozialen Bewegungen jener, die dort wie überall für eine menschenwürdige Gesellschaft kämpfen.
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- Artikel-Nr.: SW9783961703975458270
- Artikelnummer SW9783961703975458270
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Mit
Lothar Geisler
- Verlag Neue Impulse Verlag
- Barrierefreiheit
- Navigation über Inhaltsverzeichnis
- Seitenzahlen entsprechen Printausgabe
- Keine Vermittlung von kritischen Informationen durch Farben
- Hoher Kontrast zwischen Text und Hintergrund
- Enthält ARIA Rollen
- Extrahoher Kontrast zwischen Text und Hintergrund
- Kommentar vom Verlag: Es sind keine problematischen Elemente vorhanden.
- ISBN 9783961703975
- Verlag Neue Impulse Verlag