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Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht
Mein Vater, Auschwitz und der 7. Oktober
Eine außergewöhnliche Familiengeschichte der Nachkriegszeit
Der Vater stammt aus einer jüdischen Berliner Familie, er hat Auschwitz überlebt. Die Mutter war ein BDM-Mädel aus Vorpommern. Eine deutsch-jüdische Verbindung des Nachkriegsdeutschlands – so ungewöhnlich wie ihre Kinder: eine seltene Mischung. Doch über die Geschichte herrschte Schweigen.
Hatte der Vater nicht doch recht, wenn er sagte »Lass niemanden über dich etwas wissen«?
Reflexionsstark, feinfühlig und mit subtilem Humor tastet Schoeneberg die Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein ab. Hatte der Vater nicht doch recht, wenn er sagte »Lass niemanden über dich etwas wissen«? Sind das die Lehren aus dem auf den Straßen Neuköllns erschallenden Jubel über das Massaker des 7. Oktober?
So hat noch kein Nachfahre über Auschwitz geschrieben.
»Ein Buch von atemberaubender Intensität, das mich völlig in seinen Bann gezogen hat. So hat noch kein Nachfahre über Auschwitz geschrieben. Die persönliche Erzählung vermittelt die geschichtlichen Tatsachen mit einer Tiefe und Unmittelbarkeit, die sie nachfühlbar macht.« Marianne Rosenberg
»So, wie es aussah, hatte mein Vater etwas zu verbergen.«
»Mein Vater war anders. Vielleicht war er schwul. Das hätte alles erklärt. Jedenfalls wurde um sein Anderssein ein riesiges Brimborium gemacht. Obwohl das Brimborium eben darin lag, kein Brimborium zu machen. Von der Mutter waren wir beizeiten eingeschworen, den Vater auf keinen Fall mit Fragen zu behelligen, denn jede Frage wäre eine Quälerei. Auch gab es eine nicht ausgesprochene, doch immer im Raum stehende Verschwiegenheitsverpflichtung, bloß nichts über den Vater nach außen zu tragen. Eine kleine familiäre Omertà, die alle im Schweigen verband. So, wie es aussah, hatte mein Vater etwas zu verbergen.«
Misha Schoeneberg wurde in Berlin-Lichterfelde geboren. Er studierte in Köln Theaterwissenschaften und Germanistik. 1981 stieß er zu der in Nordfriesland lebenden Musik-Kommune Ton Steine Scherben. In Zusammenarbeit mit Claudia Roth übernahm er das Tour-Management bis zur Auflösung der Band 1985. In dieser Zeit schrieb Schoeneberg Texte für die Band, wie später auch für Rio Reiser. Als Solo-Künstler veröffentlichte er das letzte Album der David Volksmund Produktion: Sternschnuppen, Rockpoesie in Deutsch, produziert von Rio Reiser, der sein Lebensgefährte wurde. Schoeneberg war am letzten Album von Ton Steine Scherben und an den ersten drei Rio Reiser-Alben beteiligt. Am 9.11.1989 verließ er den Kommunehof.
An der Humboldt-Universität zu Berlin nahm er seine Studien wieder auf. Er machte Magisterabschlüsse in Südostasienwissenschaften, Internationale Politik und Neuere Deutsche Literatur sowie einen Abschluss in Deutsch als Fremdsprache. Er bekam eine Assistenz als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem DFG-Projekt in Laos und Thailand und galt für Jahre als in Asien verschollen. 1999 gründete er in Kooperation mit Aod_Chumpon das ThaiTeachTeam. Aus dieser Zeit stammen diverse wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte und Politik Thailands sowie ein Lehrwerk zur Thai-Sprache.
1993 erhielt Schoeneberg Leonard Cohens persönliche Zustimmung, dessen Songs in singbare deutsche Versionen zu übertragen. Rio Reisers früher Tod 1996 (Reiser war als Sänger vorgesehen) ließ das Projekt ruhen. Doch Schoenebergs lyrische Übertragungen fanden Leonard Cohens Gefallen, er erteilte Song für Song die Genehmigungen. Zu Cohens 80. Geburtstag im September 2014 erschien das unter Beteiligung namhafter Interpreten (Nina Hagen, Peter Maffay u. v. a.) aufwendig produzierte Doppelalbum: Poem – Leonard Cohen in deutscher Sprache.
2007 veröffentlichte Schoeneberg seinen Debüt-Roman Geister der gelben Blätter, ein in Laos und Thailand spielender Reise- und Politroman, der zum Kultbuch unter Asienreisenden avancierte. Auf Lesetour ging er mit Aod_Chumpon, preisgekrönter Thai-Fotograf, und Mokkaphan Pongphit, dem Geiger der thailändischen Königin.
2013 erschien Schoenebergs Polit-Psycho-Krimi La Le Lu, welcher u. a. in Myanmar vor dem Hintergrund der Massaker an den Shan spielt. Der 2017 veröffentlichte subversiv-sozialkritische Pilgerroman Siddhartha Highway erlangte große Aufmerksamkeit der Medien: vom Neuen Deutschland bis hin zur FAZ gab es euphorische Kritiken. Schoeneberg war Gast diverser Talkshows (BR, SWR, RBB, ALEX, Deutschlandfunk). Auch zu diesem Buch entwickelte Schoeneberg, diesmal in Zusammenarbeit mit Kidd Viciouz, eine konzeptuelle Lese-Show, die immer noch sein Publikum findet.
Schoeneberg ist Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung und der Deutsch-Thailändischen Gesellschaft, überdies gründete er in Nepal die Initiative FirstTheMen – ThenTheMachine, die sich erfolgreich für die Verbannung des Autoverkehrs aus Thamel, der Innenstadt Kathmandus, einsetzte.
Für das Theaterstück Rio Reiser. König von Deutschland am Hans-Otto-Theater Potsdam wirkte Schoeneberg beratend und für diverse Szenen federführend. 2021 erschien Als Wir das Wunder waren. Ein deutsches Rock'n'Roll-Märchen, ein Roman über die Achtzigerjahre in West-Berlin.
S. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Misha_Schoeneberg
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Vorbestellerartikel: Dieser Artikel erscheint am 31. Juli 2026
- Artikel-Nr.: SW9783827081360425031
- Artikelnummer SW9783827081360425031
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Autor
Misha Schoeneberg
- Verlag eBook Berlin Verlag
- Seitenzahl 208
- Veröffentlichung 31.07.2026
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783827081360