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Das große Abenteuer

Zwischen Sturm und Freiheit

Ein Junge verlässt heimlich sein Zuhause – und läuft direkt in die große, gefährliche Welt hinein. Der junge Klaus träumt von Freiheit, von fernen Ländern und von den Schiffen, die im Hafen zu unbekannten Küsten aufbrechen. Als er sich heimlich an Bord eines Segelschiffs schmuggelt, beginnt für ihn eine Reise, die ihn weit über seine Träume hinausführt: über die Weltmeere, durch Stürme und über Kontinente hinweg bis nach Südamerika. Unter rauen Seeleuten, politischen Aktivisten und Abenteurern entdeckt Klaus eine Wirklichkeit, die größer und härter ist als jede Vorstellung. Auf der... alles anzeigen expand_more

Ein Junge verlässt heimlich sein Zuhause – und läuft direkt in die große, gefährliche Welt hinein.

Der junge Klaus träumt von Freiheit, von fernen Ländern und von den Schiffen, die im Hafen zu unbekannten Küsten aufbrechen. Als er sich heimlich an Bord eines Segelschiffs schmuggelt, beginnt für ihn eine Reise, die ihn weit über seine Träume hinausführt: über die Weltmeere, durch Stürme und über Kontinente hinweg bis nach Südamerika.

Unter rauen Seeleuten, politischen Aktivisten und Abenteurern entdeckt Klaus eine Wirklichkeit, die größer und härter ist als jede Vorstellung. Auf der Fahrt lernt er nicht nur die Gefahren der See kennen, sondern auch die Konflikte einer Welt im Umbruch – Ausbeutung, Macht, Solidarität und den Kampf um Freiheit.

Mit großer erzählerischer Kraft schildert Theodor Plievier eine abenteuerliche Reise, die zugleich ein Roman des Erwachsenwerdens ist. Das große Abenteuer verbindet Seefahrerromantik, politische Spannung und historische Realität zu einer packenden Geschichte über Mut, Neugier und den Traum von einem anderen Leben.

Ein Klassiker der Abenteuerliteratur – rau, bewegend und überraschend aktuell.



Einige dringende Arbeiten gab es noch an Deck, auch einige Vorbereitungen für die Umseglung des Kap Hoorn waren zu treffen. Das wollte der Kapitän und noch mehr der erste Steuermann bei der Knappheit der an Deck arbeitenden Hände hinter sich haben, ehe mit Atschasso abgerechnet werden konnte. Das war so gedacht, dass die alten Lebensmittelrationen wieder ausgegeben würden, und ein Anlass zum Einschreiten würde sich dann schon finden, meinte der Kapitän.

Und eines Abends tauchte das Fleisch aus dem angebrochenen Salzfleischfass wieder auf dem Mannschaftstisch auf, nur war es inzwischen noch ungenießbarer geworden. Selbst Lindnäs ging der Gestank des Fleisches diesmal in die Nase.

Gegessen wurde an diesem Abend nichts.

Am nächsten Morgen und am folgenden Mittag wurde die Hälfte des Essens ins Meer geworfen. Aber auch die Rufe an Deck nach anderem Fleisch blieben aus; dazu war kaum Gelegenheit. Unter dem gleichmäßig wehenden Wind standen die Segel so fest, dass keine Hand sie anzurühren brauchte, und das konnte noch Wochen so weiter gehen.

Ein schwüler Nachmittag war es.

Lindnäs stand am Ruder. Atschasso saß auf dem Vordeck beim Segelflicken, und Klaus, der zur Freiwache gehörte, hatte sich zu ihm gesetzt. Martin und die beiden Schweden, die auch Freiwache hatten, hockten ein Stück weiter auf der Spier, dem Reservemast, der an der Verschanzung festgelegt war.

„Auf dem zehnten Breitengrad sind wir“, sagte Atschasso, „hast du die Karte im Kopf, Sonny, weißt du, wo das ist?“

„Am Amazonenstrom.“

„Nein, den haben wir hinter uns, auf der Höhe vom Amazonas waren wir in der Mallung.“

Jaap kam aus dem Logis heraus und setzte sich zu den anderen auf die Spier. Seine Ziehharmonika hatte er mitgebracht. Wenn unter diesen fest belegten Schooten schon nichts ,zu holen’ war und man nichts aussingen konnte, so gab es doch noch andere Möglichkeiten, dem Alten beizubringen, was man von ihm und von dem Fraß, den er der Mannschaft vorsetzte, dachte.

Jaap spielte die Ziehharmonika und sang dazu:



Was ist ein Seemann wert

Zweimal am Tage Madenbrot

Mittags verfaultes Pferd



Und alle wiederholten:



Salzpferd

Salzpferd

Das ist der Seemann wert.



Der Kapitän wanderte auf dem Hüttendeck auf und ab, von Steuerbord nach Backbord und wieder zurück. Dabei rauchte seine Tabakspfeife wie der Schlot eines kleinen Dampfers. Jaap variierte seine Strophe, doch immer ging es auf denselben Kehrreim aus.



Theodor Otto Richard Plievier wurde am 17. Februar 1892 in Berlin geboren. Er wuchs im Arbeiterbezirk Gesundbrunnen auf und kam früh mit Literatur, sozialem Elend und politischen Ideen in Berührung. Bereits als Jugendlicher veröffentlichte er Texte in anarchistischen Zeitschriften. Sein unruhiger Lebensweg führte ihn durch Europa und Südamerika, wo er unter anderem als Matrose, Minenarbeiter, Viehtreiber und Gelegenheitsarbeiter arbeitete – Erfahrungen, die sein späteres Schreiben nachhaltig prägten.

Während des Ersten Weltkriegs diente Plievier als Matrose in der kaiserlichen Marine. Die brutalen Zustände an Bord des Hilfskreuzers Wolf und das elende Leben der einfachen Soldaten wurden zum Ausgangspunkt seines literarischen Durchbruchs. Mit dem 1930 erschienenen Roman „Des Kaisers Kulis“ gelang ihm über Nacht internationale Bekanntheit. Das Buch ist eine schonungslose Anklage gegen Militarismus, Hierarchie und Krieg und machte Plievier zu einer wichtigen Stimme der antimilitaristischen Literatur der Weimarer Republik.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden seine Werke verboten und verbrannt. Plievier floh ins Exil, das ihn über mehrere europäische Länder schließlich in die Sowjetunion führte. Dort arbeitete er zeitweise als Rundfunkautor und Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland. Auf Grundlage intensiver Recherchen, Gespräche mit Kriegsgefangenen und der Auswertung von Feldpostbriefen entstand sein bekanntestes Werk: „Stalingrad“. Der Roman erschien 1945 und war das erste literarische Werk, das den Untergang der 6. deutschen Armee ungeschönt, aus der Perspektive der einfachen Soldaten schilderte. Er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit gelesen.

Mit „Moskau“ (1952) und „Berlin“ (1954) setzte Plievier diese Darstellung fort und schuf eine monumentale Romantrilogie über den Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Im Mittelpunkt steht dabei stets nicht die Strategie der Generäle, sondern das Leiden der Menschen im Mahlstrom der Geschichte. Plievier verband dokumentarische Genauigkeit mit erzählerischer Kraft – ein Stil, der seine Bücher bis heute eindringlich macht.

Nach 1945 arbeitete Plievier kurzzeitig in der Sowjetischen Besatzungszone, unter anderem als Verlagsleiter und Abgeordneter. Doch der zunehmende politische Dogmatismus veranlasste ihn, 1947 den Osten zu verlassen. In Westdeutschland und später in der Schweiz trat er entschieden für individuelle Freiheit, gegen jede Form von Totalitarismus und für ein vereintes Europa ein. Diese Haltung bestimmte sein Spätwerk ebenso wie seine öffentlichen Reden.

Theodor Plievier starb am 12. März 1955 im schweizerischen Avegno. Sein Werk wurde in den Jahrzehnten nach seinem Tod vielfach neu aufgelegt und gehört heute zu den wichtigsten literarischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts über Krieg, Exil und Gewissensfreiheit. Seine Romane sind keine Heldenepen, sondern eindringliche Mahnungen – geschrieben aus der Erfahrung eines Menschen, der Krieg, Armut und politische Verfolgung selbst erlebt hat.

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  • Autor find_in_page Theodor Plievier
  • Verlag find_in_page EDITION digital
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    • Enthält ausführliche Alternativtexte
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    • Kommentar vom Verlag: Dieses E-Book ist barrierefrei nach EPUB Accessibility 1.1. Es enthält strukturierte Navigation, maschinenlesbare Spracheinstellungen, Alternativtexte für alle Bilder und keine bekannten Zugangshindernisse. Geeignet für Screenreader und barrierefreie Lesesysteme.
  • ISBN 9783689126513

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