Der Krieg im Argonnerwald

Der Argonnerwald – ein Ort, an dem der Erste Weltkrieg seine grausamste Form annahm. Bernhard Kellermann schildert in seiner 1916 erschienenen Schrift einen Krieg, der sich tief in den Waldboden frisst: ein endloses Ringen im Schlamm, Mann gegen Mann, in einem Gelände, das wie geschaffen scheint, um Menschen zu vernichten. Seine Beschreibungen sind drastisch, eindrücklich – und zugleich geprägt vom Geist seiner Zeit: patriotisch, getragen von Opfermythen und unerschütterlichem Glauben an den „Ruhm“ des Grabenkämpfers. Gerade dadurch ist der Text für heutige Leser so wertvoll. Er zeigt, wie zeitgenössische Kriegspropaganda... alles anzeigen expand_more

Der Argonnerwald – ein Ort, an dem der Erste Weltkrieg seine grausamste Form annahm.

Bernhard Kellermann schildert in seiner 1916 erschienenen Schrift einen Krieg, der sich tief in den Waldboden frisst: ein endloses Ringen im Schlamm, Mann gegen Mann, in einem Gelände, das wie geschaffen scheint, um Menschen zu vernichten. Seine Beschreibungen sind drastisch, eindrücklich – und zugleich geprägt vom Geist seiner Zeit: patriotisch, getragen von Opfermythen und unerschütterlichem Glauben an den „Ruhm“ des Grabenkämpfers.

Gerade dadurch ist der Text für heutige Leser so wertvoll. Er zeigt, wie zeitgenössische Kriegspropaganda funktionierte, wie der industrialisierte Krieg romantisiert wurde und welche Bilder man den Menschen an der Heimatfront vermittelte. „Der Krieg im Argonnerwald“ ist ein literarisches Dokument aus dem Inneren des Ersten Weltkriegs – fesselnd, beklemmend, erschütternd. Und ein Text, der uns zwingt zu fragen: Wie entstehen Legenden – und was verschweigen sie?



Vorwort zur Neuausgabe

Geleitwort des Kronprinzen

Der Argonnerwald

Nach dem Fall von Longwy

Zurück!

Der Wald

Der Waldkrieg

Der Kampf mit Gespenstern

Die Musik der Argonnen

Die Winterkämpfe

Geduld

Die feindlichen Höhenfestungen

Labordere, am 20. Juni 1915

Die Kämpfe vom 30. Juni und 2. Juli

Der „Grüne Graben“

Höhe 285 – La fille morte

Die Höhen sind unser

Der siegreiche Angriff auf „Marie Therese“



Trotzdem nahm die Armee den Kampf hier auf! Wald, Dickicht, Schluchten, Sümpfe, einerlei, und wenn der Wald angefüllt mit Teufeln gewesen wäre, die Armee hätte nicht gezögert.

Vorwärts!

Die Regimenter rasseln in Eisen!

Im Osten stoßen die Bataillone von Montblainville und Varennes aus vor, im Westen von Binarville.

Sie dringen in den Wald, über düstere, schlechte Holzpfade und Wege. Sie schieben sich vor bis zu einer gewundenen Querstraße, die die Patrouillen frei vom Feinde gemeldet haben. Hier hat der Wald noch nicht den schrecklichen Urwaldcharakter. In breiter Schützenlinie schieben sie sich zu beiden Sekten der Wege zum Angriff vor. Noch ist der Wald still, nichts regt sich, kein Tier, kein Vogel, aber schon peitscht da und dort ein Gewehr. Der Feind ist nahe! Plötzlich rasselt der Wald wie gehämmertes Eisen. Schützenfeuer, Salvenfeuer. Die Kugeln zischen in Schwärmen, das Echo lärmt. Der stille Wald ist plötzlich aufgewacht, er tobt und poltert. Der Feind ist da! Ran an den Feind! Angriff! Die Schützenlinien stürzen vor, der Wald hallt von hartem Lärm. Die Grauen, die den Feind vor sich hergetrieben hatten, von Longwy bis nahe an Bar le Duc, gehen wie Teufel vor.

Aber der erste Angriff missglückt.

Es zeigt sich, dass sich der Feind in befestigten Stellungen im Dickicht verschanzt hat. Seine Schanzen sind unsichtbar ins Unterholz eingebaut, unauffindbar.

Angriff! In breiten Schützenlinien schieben sich die Kompanien vor, zur Seite der Wege. Die Reserven folgen dichtauf, in dichten Reihen, soweit es das Unterholz zulässt. Bei einer Waldlichtung hält sich der Feind in einer vorgeschobenen, befestigten Stellung. Sturm! Wieder rasselt lärmend der Wald. Die Stellung aber ist genommen. Der Argonnerwald trinkt deutsches Blut.

Das geschah Ende September. Die Truppen, die vom Osten her eindrangen, von Varennes aus, trieben den Feind bis in die Mitte des Waldes zurück, bis zum Bach Biesme.

Dieser Bach entspringt auf den Südkuppen des Argonnerwaldes, teilt, sich nördlich windend, die Südhälfte des Waldgebirges in zwei Teile, um nahezu in der Mitte der Argonnen scharf nach Westen umzubiegen, nach Vienne le Chateau. Unterhalb dieses Dorfes fließt er in die Aisne.

Bis auf Four de Paris, etwa die Stelle, wo der Bach sich scharf nach Westen wendet, war der Feind zurückgeworfen worden.

Die Truppen, die von Binarville südöstlich und südlich vordrangen, hatten den Feind bis auf drei Kilometer nördlich der Biesme zurückgedrängt. Eine keilförmige feindliche Stellung schob sich noch in unsere Linie hinein, die befestigten Waldschanzen „Bagatelle-Pavillon“ und „St. Hubert-Pavillon“. Diese Waldschanzen mussten genommen werden, und sie wurden genommen. Mann gegen Mann, mit Bajonett und Kolben. Zu Haufen liegen die Toten. Ein paar Tage lang tobt der schreckliche Kampf. Bagatelle und St. Hubert sind unser.

So stand es nun, Ende September, Anfang Oktober.

Die Truppen, berauscht von ihren Siegen des Vormarsches, hatten den Wald an einem Tage, in zwei, drei Tagen spätestens überrennen wollen.

Sie hatten sich getäuscht.

Geduld!



Bernhard Friedrich Wilhelm Kellermann (*4. März 1879 in Fürth; †17. Oktober 1951 in Klein Glienicke bei Potsdam) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Abgeordneter. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Der Tunnel (1913), ein internationaler Bestseller, der millionenfach verkauft, in 25 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurde.

Kellermann studierte zunächst an der Technischen Hochschule München, später Germanistik und Malerei. Schon mit seinen frühen Romanen Yester und Li (1904) und Ingeborg (1906) gelang ihm der Durchbruch. Es folgten Reiseberichte aus den USA und Japan, die seine Beobachtungsgabe und literarische Vielfalt unter Beweis stellten.

Der Erste Weltkrieg prägte ihn tief: Als Kriegsberichterstatter veröffentlichte er Reportagen vom Frontgeschehen. Mit seinem gesellschaftskritischen Roman Der 9. November (1920), der den Umbruch am Ende des Krieges thematisiert, zog er sich den Hass der Nationalsozialisten zu – das Buch wurde 1933 verboten und verbrannt, Kellermann aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Nach 1945 engagierte er sich in der jungen DDR stark für kulturelle und politische Fragen. Gemeinsam mit Johannes R. Becher gründete er den Kulturbund, wurde Abgeordneter der Volkskammer und Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Für seinen Roman Totentanz erhielt er 1949 den Nationalpreis der DDR. In Westdeutschland hingegen geriet sein Name durch Boykottaktionen weitgehend in Vergessenheit.

Kellermann war zweimal verheiratet: 1915 mit der US-Amerikanerin Mabel Giberson (†1926) und ab 1939 mit Else „Ellen“ Michaelis, die nach seinem Tod seine Werke herausgab.

Bernhard Kellermann hinterließ ein vielseitiges Werk aus Romanen, Erzählungen, Reisebüchern und Reportagen. Er ruht auf dem Neuen Friedhof in Potsdam.

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  • Autor find_in_page Bernhard Kellermann
  • Verlag find_in_page EDITION digital
  • Veröffentlichung 02.12.2025
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    • Barrierefrei nach: EPUB Accessibility Spec 1.1
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    • Kommentar vom Verlag: Dieses E-Book ist barrierefrei nach EPUB Accessibility 1.1. Es enthält strukturierte Navigation, maschinenlesbare Spracheinstellungen, Alternativtexte für alle Bilder und keine bekannten Zugangshindernisse. Geeignet für Screenreader und barrierefreie Lesesysteme.
  • ISBN 9783689126155

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