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Moritz im Land der Monster

Moritz im Land der Monster
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Eigentlich ist Moritz ein ganz normaler Junge von sieben Jahren, wenn er doch nur nicht so ein Schisser wäre. Viele Dinge, die für andere ganz normal sind, bereiten ihm eine höllische Angst. Kennst Du das auch? Was tut sich da nachts im Dunkeln unter seinem Bett? Und was hat es mit dem bedrohlichen Rauschen und Gluckern des Badewannen-Abflusses auf sich? Diese Welt ist einfach nur ein gefährlicher Ort. Doch dann lernt Moritz die Bewohner der Monsterwelt kennen und erfährt, dass die doch gar nicht gefährlich sind. Vielmehr sind die meisten von ihnen sehr nett und freundlich. Lest hier in zwei Geschichten, wie Moritz seine Ängste... alles anzeigen expand_more

Eigentlich ist Moritz ein ganz normaler Junge von sieben Jahren, wenn er doch nur nicht so ein Schisser wäre. Viele Dinge, die für andere ganz normal sind, bereiten ihm eine höllische Angst.



Kennst Du das auch?



Was tut sich da nachts im Dunkeln unter seinem Bett? Und was hat es mit dem bedrohlichen Rauschen und Gluckern des Badewannen-Abflusses auf sich?



Diese Welt ist einfach nur ein gefährlicher Ort.



Doch dann lernt Moritz die Bewohner der Monsterwelt kennen und erfährt, dass die doch gar nicht gefährlich sind. Vielmehr sind die meisten von ihnen sehr nett und freundlich.



Lest hier in zwei Geschichten, wie Moritz seine Ängste überwindet.



Es war wieder eine dieser Nächte, in denen die Schatten an der Wand ein Eigenleben entwickelten. Moritz zog die Bettdecke so weit nach oben, dass nur noch seine wachen, dunkelbraunen Augen und ein paar Strähnen seines dichten, dunklen Haares hervorlugten. Er war ein schmaler, schlanker Junge von sieben Jahren, der eigentlich vor Energie nur so strotzte. Doch sobald das Licht ausging, schrumpfte sein Mut auf die Größe einer Erbse zusammen.

Dabei war Moritz kein ganz normaler Siebenjähriger. Wenn die Sonne schien, blitzte der pure Schalk und eine enorme Portion Intelligenz aus seinen Augen. Er war aufgeweckt, stellte Fragen, die selbst seine Eltern ins Schwitzen brachten, und verschlang bereits dicke Bücher über Dinosaurier und ferne Planeten. Auch das Rechnen war für ihn ein Kinderspiel; im Kopf addierte er die Preise im Supermarkt schneller, als die Kassiererin die Waren scannen konnte.



Nur eine Sache gab es, die so gar nicht zu seinem hellen Köpfchen passen wollte: seine Handschrift. Wenn Moritz versuchte, seine Gedanken auf Papier zu bringen, glich das Ergebnis einer geheimen Botschaft, die selbst Archäologen vor Rätsel gestellt hätte. Die Buchstaben tanzten aus der Reihe, purzelten übereinander und sahen aus wie das Werk einer betrunkenen Spinne.

„Das kannst doch nur du selbst entziffern, mein Schatz!“, seufzte seine Mutter oft schmunzelnd, wenn sie einen Blick in sein Hausaufgabenheft warf. Moritz grinste dann meistens nur. Er wusste ja schließlich, was dort stand.

Doch in der Dunkelheit half ihm weder sein logischer Verstand noch seine Rechenkunst. In der Dunkelheit lauerte das Problem. Seine absolute, unbezähmbare und fürchterliche Angst vor Monstern.

„Es gibt keine Monster, Moritz“, hatte sein Vater noch vor einer Stunde gesagt, als er ihn ins Bett brachte. „Du bist sicher.“

Von wegen, dachte Moritz jetzt und starrte auf seinen Kleiderschrank. Der Schrank, der tagsüber aus hellem Kiefernholz bestand und eine Macke vom Fußballspielen hatte, war in der Nacht ein riesiges, finsteres Portal. Moritz war sich absolut sicher: Genau dort, zwischen den Winterjacken und den Sporttaschen, saß das Schrank-Monster. Ein zotteliges, scharfzähniges Biest, das nur darauf wartete, dass Moritz die Füße unter der Decke hervorstreckte.

Ein leises Knacken ließ ihn zusammenzucken. War das der Schrank? Oder kam das Geräusch von unter dem Bett? Dort wohnte nämlich, wie Moritz vermutete, das Staub-Monster – ein flaches, schleimiges Wesen, das sich lautlos über den Teppichboden schieben konnte.

Moritz hielt den Atem an. Sein Herz klopfte so laut gegen seine Rippen, dass er Angst hatte, die Monster könnten es hören. Er versuchte, sich logisch zu beruhigen, so wie er es in seinen Büchern gelernt hatte: Ein Raum ist nur ein Raum. Schatten entstehen durch das Licht der Straßenlaterne, das durch das Rollo fällt.

Er rechnete im Kopf: 12+12=24. 24+24=48. 48+48=96.

Das lenkte ab. Ein bisschen. Aber als der Wind draußen einen Ast gegen sein Fenster schlug, half kein Rechnen mehr. Das war das Zeichen! Sie kamen!

Mit einem tiefen Luftholen fasste Moritz einen Entschluss. Er musste die Monster stoppen, und zwar mit ihren eigenen Waffen. Er schlüpfte blitzschnell aus dem Bett, ignorierte die vermeintlichen Greifarme unter der Matratze und hechtete zu seinem Schreibtisch. Im fahlen Mondlicht schnappte er sich einen dicken, schwarzen Filzstift und einen Block.

Wenn er den Monstern eine Botschaft hinterließ – ein Verbotsschild, unmissverständlich und drohend –, dann würden sie ihn vielleicht in Ruhe lassen. Er drückte den Stift aufs Papier und schrieb mit aller Kraft und in Windeseile:



MONSTER EINTRITT VERBOTEN! HIER WOHNT EIN GEFÄHRLICHER JUNGE!



Er riss das Blatt ab und betrachtete sein Werk. Nun ja. Für das ungeschulte Auge sah es eher aus wie eine Aneinanderreihung von krummen Stöcken, wilden Zacken und tintigen Kleksen. Es war die typische Moritz-Schrift. Unleserlich für die ganze Welt, aber für ihn glasklar.

„Das wird sie abschrecken“, flüsterte er tapfer. Er schlich zum Kleiderschrank, klebte den Zettel mit einem Streifen Tesafilm mitten auf die Tür und sprang mit einem weiten Satz zurück in sein Bett, direkt unter die schützende Decke.

Er wartete. Die Minuten vergingen. Das Klopfen seines Herzens beruhigte sich langsam. Die Botschaft schien zu wirken. Erleichtert schloss Moritz die Augen und spürte, wie die Müdigkeit die Oberhand gewann.

Er ahnte nicht, dass die wilden, unleserlichen Zacken auf seinem Zettel in der Sprache der Monster etwas völlig anderes bedeuteten. Seine unentzifferbare Schrift war keine Warnung. Sie las sich wie eine magische Einladung, eine Beschwörungsformel, die genau in diesem Moment ein Portal tief im Inneren des Schrankes öffnete.

Ein sanftes, bläuliches Leuchten begann durch die Ritzen der Schranktür zu dringen, und der Teppichboden unter Moritz' Bett fing ganz leise an zu vibrieren…

Das bläuliche Leuchten zwischen den Schranktüren wurde im Sekundentakt intensiver. Es war kein grelles Licht, sondern ein weiches, pulsierendes Schimmern, das aussah, als hätte jemand eine Handvoll Glühwürmchen in flüssigen Saphir getaucht.

Gleichzeitig schwoll das Vibrieren unter dem Bett an. Es war kein bedrohliches Erdbeben, sondern eher ein tiefes, rhythmisches Schnurren – so, als ob eine riesige, unsichtbare Katze direkt unter Moritz’ Matratze ein Nickerchen hielt und im Schlaf tief durchatmete. Der Teppichboden schien regelrecht Wellen zu schlagen, ganz sanft, wie die Oberfläche eines Sees.

Moritz starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Schranktür. Seine Angst war zwar noch da, aber seine enorme Neugierde – diese typische Aufgewecktheit, die ihn tagsüber alles hinterfragen ließ – regte sich ebenfalls. Er war schließlich ein kluger Junge. Und sein Gehirn fing sofort an zu arbeiten: Licht braucht eine Energiequelle. Vibrationen brauchen eine Frequenz. Aber das hier passte in kein Physikbuch.

Mit einem leisen Klong sprang die Schranktür einen Spaltbreit auf. Ein Schwall von warmer Luft strömte in sein Zimmer. Sie roch seltsam, aber überhaupt nicht eklig: nach verbranntem Karamell, feuchtem Waldboden und ein bisschen nach alten Büchern.

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