Der graue Mann

Kriminalroman

Es geschah in der Stille eines Sonnabends. Mittagsschwere liegt noch auf den Grundstücken; Angler sitzen in ihren Booten, weit draußen auf dem See; von ferne her tönt hin und wieder Motorengeräusch; Spaziergänger sind unterwegs rund um den See. Aber keiner sieht etwas oder hört einen Schrei. Am Sonntagmorgen erst wird die fünfzehnjährige Susanne Schirmer gefunden: tot und halbnackt … Hauptmann Kellermann und sein Team beginnen zu ermitteln. Sie arbeiten fieberhaft. Erste Fingerzeige enthält ein Tagebuch der Ermordeten. Aber wer verbirgt sich hinter den Buchstaben E., M., K. und H.? Und warum hat Vater Schirmer bei der ersten... alles anzeigen expand_more

Es geschah in der Stille eines Sonnabends. Mittagsschwere liegt noch auf den Grundstücken; Angler sitzen in ihren Booten, weit draußen auf dem See; von ferne her tönt hin und wieder Motorengeräusch; Spaziergänger sind unterwegs rund um den See.

Aber keiner sieht etwas oder hört einen Schrei. Am Sonntagmorgen erst wird die fünfzehnjährige Susanne Schirmer gefunden: tot und halbnackt …

Hauptmann Kellermann und sein Team beginnen zu ermitteln. Sie arbeiten fieberhaft. Erste Fingerzeige enthält ein Tagebuch der Ermordeten. Aber wer verbirgt sich hinter den Buchstaben E., M., K. und H.? Und warum hat Vater Schirmer bei der ersten Vernehmung das Tagebuch nicht erwähnt? War der Täter ein dem Opfer völlig Unbekannter? Geschah der Mord im Affekt, ein Verbrechen „ohne Motiv“?

Jan Flieger zieht den Leser in den Bann der Frage: „Wer ist der Täter?“ und lässt ihn die Ermittlungsarbeit einer Morduntersuchungskommission miterleben.



Die Tote unter dem Schneebeerenbusch

Der Vater

Die Jungen

Das Bild einer Toten

Das Tagebuch

Die Tatzeit

Mitternacht

Eine Begegnung mit dem Tod

Ein Puzzle hat viele Teilchen

Der Aufruf in der Zeitung

Keinem steht es auf der Stirn geschrieben

Eine nächtliche Hetzjagd

Patzner

Spuren

Mittag auf einem schwarzen Fluss

»M.«

Drehten sie sich im Kreis?

Seume

Ein Besuch im Ziegelwerk

Der Komplexeinsatz

Der »nackte Mann«

Ein Verdacht

Ein graues Sakko

Ein grauer Mann

Grübeln

Das Geständnis

Der Zweifel

Ein neuer Fall

Der Tote an der Landstraße

Der Scherenschenkel



Mit einem Mal tauchte der Mond die Landschaft vor ihm in ein fahles Licht.

Und Biskupek erschrak: Er sah einen Mann! Er stand vielleicht zehn Meter vor ihm, wohl gleichfalls erschrocken, wie erstarrt. Er war groß und schlank. Es war unfassbar, aber konnte es nicht so sein: der Mörder kehrte an den Tatort zurück! Wollte er etwas holen, was er vergessen hatte?

Biskupek starrte den Mann an.

Da wandte sich der Unbekannte blitzschnell um und rannte in den Wald hinein.

Biskupek folgte ihm, er lief mit schnellen Schritten, er war ein ausdauernder Läufer.

Der Abstand blieb der gleiche. Im Licht des Mondes sah er den Rücken des Mannes. Was für ein unvorstellbares Glück! Er, der Schutzpolizist Biskupek, stellte den Mörder!

Er keuchte, und er war erstaunt, auf so einen guten Läufer zu treffen, einen Läufer, dem er einfach nicht näher kam. Sie liefen noch immer durch den Wald, parallel zum See. Aber mit einem Mal verdeckten wieder Wolken den Mond, war die Dunkelheit da.

Biskupek verharrte, hielt den Atem an und nahm so wahr, in welche Richtung der Unbekannte lief.

Er hetzte weiter, und er wusste nicht, wie lange er schon gelaufen war. Er atmete stoßweise, verharrte wieder, hörte die Schritte des Fremden, folgte ihm erneut.

Dann vernahm er kein Geräusch mehr, minutenlang, erstarrte: Hatte er die Spur verloren?

Plötzlich war das Geräusch der Schritte wieder da. Biskupek hetzte weiter, prallte mit dem Kopf gegen einen Baum, sodass er benommen zurücktaumelte.

Während er weiter hastete, spürte er etwas Feuchtes auf seiner Stirn. Auch ohne Licht wusste er, dass es Blut war. Doch er spürte den Schmerz nicht.

Der Mann vor ihm lief nun durch Gesträuch. Deutlich hörte ihn Biskupek keuchen.

Der Abstand hatte sich verringert. Als der Mond für Sekunden von den Wolken freigegeben wurde, sah Biskupek den Unbekannten näher vor sich, als er es erwartet hatte.

Der Mann blickte sich um. Sein Gesicht schien angstverzerrt.

Weiter! dachte Biskupek.

Er stürzte über eine Baumwurzel, schlug schwer mit der Stirn auf einen Stein, schnellte jedoch sofort wieder hoch. Auch der Fremde musste gestolpert sein, denn er hatte den Vorsprung nicht vergrößern können.

»Stehen bleiben!«, keuchte Biskupek.

Doch der Mann wandte sich nicht um.

Biskupek spürte leichte Stiche in der Hüfte. Er durfte nicht auf sie achten. Der Fremde vor ihm war wie ein Magnet, der ihn mit unwiderstehlicher Kraft anzog.

Und wieder Dunkelheit.

Und wieder das Licht des Mondes.

Das Keuchen der beiden Männer.

Ein Häher flog kreischend vor ihnen auf, und es schien Biskupek, als habe er den ganzen Baumgürtel des Sees mit Vogelstimmen gefüllt. Der Fremde vor ihm war nicht langsamer geworden, jedoch auch nicht schneller, obwohl ihn nur noch fünf Meter von seinem Verfolger trennten. Für diesen Mann, dachte Biskupek, steht viel auf dem Spiel, wenn man an die Verurteilung denkt und den Richterspruch, sogar sein Leben. Wenn er gefasst wurde, drohte ihm ein Leben bis zum Tode hinter Gefängnismauern.

Zweige schlugen Biskupek ins Gesicht, rissen blutige Schrammen, schlossen sein linkes Auge.



Geboren 1941 in Berlin. Diplom-Wirtschaftsingenieur. War einer der erfolgreichsten Krimiautoren der DDR.

Theodor-Körner-Preis.

Lebt in Leipzig. Schreibt Krimis, Thriller, Kinderbücher. Übersetzung ins Chinesische, Niederländische, Russische, Tschechische und Dänische.

Zwei Krimis erschienen vor der Wende bei S. Fischer. Sein Krimi „Tatort Teufelsauge“ war ab 2006 nach der Übersetzung ins Englische durch Professor Mark Webber Lehrstoff an der Universität Toronto im Kurs „Deutsche Kriminalliteratur“.

Sein Krimi „Der Sog“ wurde 1988 verfilmt und als „Alles umsonst“ nach der Wende mehrfach im Fernsehen ausgestrahlt, zuletzt 2009.

Im Jahr 2010 erschienen seine besten schwarzhumorigen Kriminalgeschichten „Dunkel ist der Weg der Rache“.

Ab Mai 2012 ist sein fesselnder Norwegen-Krimi „Auf den Schwingen der Hölle“ im Buchhandel, der für Kontroversen sorgt, drastisch, düster, aber auch voller Poesie. Ein Buch mit einem gänzlich unerwarteten und schockierenden Finale.

Nach aufwendigen Recherchen in Tokyo entstand sein Thriller „Man stirbt nicht lautlos in Tokyo“, der zur Buchmesse 2013 in Leipzig als ein Vorzeige-Krimi des fhl Verlages Leipzig erschien.

Teilnahme am 2. Berliner Krimimarathon 2011.

Bibliografie:

Kinderbücher

Flucht über die Anden

Das Glücksschwein und andere Taschengeldgeschichten

Der Kommissar in der Regentonne und andere Detektivgeschichten

Ein Fall für die Feriendetektive

Ein Fall für die Superspürnasen

Elf Kicker im Fußballfieber

Mutgeschichten

Der vertauschte Mittelstürmer und andere Fußballgeschichten

Das Labyrinth in den Klippen

Die Ruine der Raben

Flucht aus Montecastello

Das Labyrinth in den Klippen

Gefährlicher Vollmond

Abenteuerland

Verfolgung durch die grüne Hölle

Schatzsuche auf der Totenkopfinsel

Das Grab des Pharaos

Duell mit dem Tyrannosaurus

Krimis

Der Sog (BRD-Titel: "Ein tödliches Ultimatum")

Tatort Teufelsauge

Die Hölle hat keine Hintertür

Neuntöter

Eine Stadt sucht einen Mörder

Der graue Mann

Der Tod kam in der Mittsommernacht

Satans tötende Faust

Im Höllenfeuer stirbt man langsam

Dunkel ist der Weg der Rache

Auf den Schwingen der Hölle

Sonstiges

Polterabend

Die ungewöhnliche Brautfahrt und andere Geschichten

Das Tal der Hornissen

Die Stunde des Kondors

Die Nacht der Schnee-Eule

Sternschnuppen fängt man nicht

Wo blüht denn blauer Mohn

Geschichten in Schulbüchern verschiedener Länder (Frankreich, Schweden, Norwegen)

Geschichten in christlichen Anthologien (Marienkalender)

Fernsehfilm: Alles umsonst

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  • SW9783863946555

Ein Blick ins Buch

Book2Look-Leseprobe
  • Artikelnummer SW9783863946555
  • Autor find_in_page Jan Flieger
  • Mit find_in_page Ernst Franta
  • Wasserzeichen ja
  • Verlag find_in_page EDITION digital
  • Seitenzahl 213
  • Veröffentlichung 08.05.2014
  • Barrierefreiheit
    • Kommentar vom Verlag: Dieses E-Book ist barrierefrei nach EPUB Accessibility 1.1. Es enthält strukturierte Navigation, maschinenlesbare Spracheinstellungen, Alternativtexte für alle Bilder und keine bekannten Zugangshindernisse. Geeignet für Screenreader und barrierefreie Lesesysteme.
    • Aussehen von Textinhalten kann angepasst werden
    • Enthält ausführliche Alternativtexte
    • Navigation über Inhaltsverzeichnis
    • Für TTS-Nutzung optimiert
  • ISBN 9783863946555

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