Fröhlich aus der Einsamkeit
23 Geschichten mitten aus dem Leben
Die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst: Eine Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Liebe. Ein besonderer Wendepunkt stellt ein ganzes Leben auf den Kopf. Eine Frau überwindet die Einsamkeit, ein Mädchen begegnet dem Tod, Diäten lassen uns verzweifeln, aber die überflüssigen Pfunde werden trotzdem in den Allerwertesten getreten. Eine Autorin versucht, die Muse einzufangen, eine Frau geht auf „Männerfang“, um den Partner fürs Leben zu finden, aufs Bauchgefühl zu hören bewahrt vor Schaden... In diesen 23 Kurzgeschichten geht es mal lustig, mal kriminell, mal besinnlich, mal nachdenklich zu. – Kurzweiliges Lesevergnügen für kalte Winterabende, laue Sommernächte und sonstige Mußestunden.
Storys aus der „Schublade“
Den meisten Menschen ist die sprichwörtliche „Schriftstellerin-/ Schriftstellerschublade“ ein Begriff. Sie wissen: Dahinter verbirgt sich eine Schublade oder ein größeres Fach, manchmal auch eine alte Schuhschachtel oder ein anderes passendes boxenartiges Ding, in dem unveröffentlichte Manuskripte von Schreibenden über die Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte dem Vergessen entgegen dämmern. Heutzutage besteht diese „Schublade“ zwar in der Regel aus einem Dateiordner auf einem Computer, aber dessen Funktion ist dieselbe.
Was schade ist, denn jede Story, ob lang (Roman) oder kurz (Kurzgeschichte), hatte einen Grund, warum sie geschrieben wurde, eine Inspiration, die ihre Autorin/ihren Autor veranlasste, sie zu schreiben. Und besonders, aber nicht nur bei Kurzgeschichten (bei denen das als „Pflicht“ gilt): Sie hat eine Botschaft, die den Lesenden etwas mitteilen will.
Seit ich im Alter von zwölf Jahren mit dem Schreiben von selbsterfundenen Geschichten begann, habe ich immer, wenn auch nicht ausschließlich, Kurzgeschichten verfasst, manchmal bis zur Heftromanlänge, ehe später Gedichte und Romane dazukamen. Zunächst schrieb ich tatsächlich nur für die besagte Schublade, denn außer mir interessierte sich niemand für meine Storys. Im Nachhinein nicht verwunderlich, denn dass Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen sollte, damit sich auch andere Leute für die Texte interessieren, wusste ich damals nicht. Das tat aber meiner Schreibbegeisterung und vor allem den Ideen, die (immer noch!) nur so sprudeln, keinen Abbruch.
Im Laufe der Jahre erlernte ich das Handwerk und träumte von einer Karriere als Berufsschriftstellerin. Allerdings hatten die Verlage nicht auf meine Romane gewartet und zeigten erst recht kein Interesse an einer Anfängerin, die noch nichts veröffentlicht hatte. Bei jeder Bewerbung bei einem Verlag wird auch eine „Bibliografie“ angefordert, eine Liste der bereits veröffentlichten Werke. Meine Liste war leer. Aber ohne Bibliografie – keine Veröffentlichung; ohne Veröffentlichung – keine Bibliografie. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Ich brauchte also Veröffentlichungen, und seien es nur „kleine“ Texte wie Kurzgeschichten und Gedichte. Zu (nicht nur) meinem Glück werden jedes Jahr mehrere Literaturwettbewerbe ausgeschrieben, zu denen die Teilnehmenden Kurzgeschichten einreichen sollen, die in der Regel unter einem bestimmten Motto stehen. Zum Beispiel wurde ein Wettbewerb für Storys ausgeschrieben, in dem es um ein erotisches Erlebnis in Verbindung mit Mystik geht („Der Zauber des Satyrs“), ein anderer wünschte eine Kriminalstory, die in der Eifel spielt („Der Geist vom Grünen Pütz“).
Ich nahm an jedem Wettbewerb teil, dessen Vorgaben in mein „Beuteschema“ passten, und das waren recht viele. In vier Jahren kamen insgesamt 184 zusammen, wobei ich manche Storys zweit- und drittverwertete. Wenn eine Krimistory gewünscht wird und ich eine in der „Schublade“ habe, die inhaltlich (mit vielleicht leichten Änderungen bei zum Beispiel dem Handlungsort) passt, dann muss ich keine neue schreiben (zum Beispiel wurde „Der Geist vom Grünen Pütz“ unter verschiedenen Titeln und mit veränderten Handlungsorten zu insgesamt drei Wettbewerben eingereicht). Mit anderen Worten: Die meisten der Storys, die Sie gleich lesen werden, entstanden durch diese Wettbewerbe. Vierzigmal wurden meine eingereichten Geschichten veröffentlicht, meine Bibliografie wuchs. Mit dem Erfolg, dass sich aufgrund der wachsenden Liste endlich auch ein Verlag für einen meiner Romane interessierte, dann ein zweiter, danach weitere Verlage.
Inzwischen bin ich Berufsschriftstellerin und schreibe hauptsächlich Romane und Sachbücher. An Wettbewerben nehme ich nur noch selten teil, und so landeten insgesamt etwa hundert Storys aus verschiedenen Genres zunächst in der besagten Schublade. Vergessen sind sie nicht. Deshalb holte ich sie wieder hervor, um sie zu veröffentlichen. In überarbeiteter Form, denn ich habe in den seit ihrer Erstfassung vergangenen Jahren – teilweise inzwischen über zwanzig Jahre – handwerklich viel dazugelernt. Sie alle haben neben ihrem Unterhaltungswert auch eine Botschaft, die mir nach wie vor sehr wichtig ist. Und die ist bei manchen Geschichten aktueller denn je.
Der Langweiler
„Sag mal, wozu hast du den denn eingeladen?“ fragte Angela ihre Freundin Silvia und nickte unauffällig zu einem jungen Mann hin, der abseits von allen anderen stand. „Wer ist das überhaupt?“
Silvia feierte die Einweihung ihrer neuen Wohnung und hatte dazu Freundinnen, Freunde, fleißige Helfer und sonstige Bekannte zu einer großen Party eingeladen. Alle amüsierten sich prächtig mit Bier, Bowle und den neuesten Techno-Hits, saßen oder standen in Grüppchen zusammen, unterhielten sich, lachten, waren fröhlich – nur jener schmächtige, dunkelhaarige Mann mit Bart und Brille, den niemand kannte, bildete eine krasse Ausnahme. Er hielt sich krampfhaft an einem Glas Cola fest, war schon seit geraumer Zeit in die Betrachtung eines Kunstdruckes an der Wand vertieft, der ein Landschaftsgemälde zeigte, und schien sich auf der Party nicht recht wohl zu fühlen.
Silvia zuckte mit den Schultern: „Ach, der“, antwortete sie auf Angelas Frage. „Mein früherer Nachbar. Er hat mir meine Regale abgebaut. Da habe ich ihn halt auch eingeladen. Aber ich dachte nicht, dass er wirklich kommt, so unsozial und langweilig wie der ist.“
Angela nickte nachdrücklich. „Langweilig ist der in der Tat! Ich habe versucht, mich mit ihm zu unterhalten, aber der bringt ja kaum ein Wort heraus und stottert herum, als wäre ich die erste Frau, mit der er überhaupt redet. Außerdem hat der von nichts eine Ahnung. Kennt Brad Pitt nicht und hat noch nie was von DJ Bobo gehört. Und überhaupt, wie der aussieht! Als wenn er nicht wüsste, dass es Fitness-Studios gibt. Ein Mann sollte doch mal was für sein Aussehen tun! Und Vollbärte sind doch schon ewig mega-out! Ich wette der Langweiler ist noch Single.“
Silvia nickte. „Vielleicht geht er ja bald wieder“, hoffte sie und widmete sich einem durchtrainierten, sonnenbankgebräunten Bekannten, dessen Hauptgesprächsthema seine geplante Teilnahme am nächsten Ironman-Wettbewerb war.
Doch der als Langweiler klassifizierte Mann war nicht der Einzige, der sich auf Silvias Party mit der entsetzlich lauten Musik nicht besonders wohl und außerdem fehl am Platz fühlte. Silvias Freundin Manuela erging es ebenso. Sie war eine bodenständige und unkonventionelle Frau mit streichholzkurzem blonden Bürstenhaar, blauen Augen und einer kräftigen Figur, sportlich, aber nicht übermäßig schlank, und bevorzugte Jeans und Sweatshirt als bequeme Kleidung, mit denen sie einen auffälligen Kontrast zu den übrigen Anwesenden bildete.
Sie langweilte sich zu Tode unter all den perfekt geschminkten und gestylten Frauen hier, deren einzige Gesprächsthemen die neuesten Modetrends, die aktuellen Kinofilme und die Top Ten in den Charts waren. Und die männlichen Gäste waren keinen Deut besser. Deren Interessen beschränkten sich auf Fußball, Tennis und sonstige Sportarten sowie ihr Bestreben, die anwesenden Damen zu beeindrucken mit dem, was sie für intelligente Konversation hielten, die in der Regel aber bald in mehr oder weniger plumpe Anmache ausartete – proportional zu ihrem Alkoholkonsum.
Die einzige Ausnahme bildete ein auf den ersten Blick unscheinbarer Mann, der allein und verloren vor dem Kunstdruck eines englischen Malers stand und ihn ganz versunken betrachtete. Manuela fand, dass er unter dem ersten Eindruck von Unscheinbarkeit doch eine recht anziehende Ausstrahlung hatte. Vielleicht würde ein Gespräch mit ihm ganz interessant sein. Sie gesellte sich zu ihm.
„Sie haben Recht“, sagte sie zu ihm. „Das ist wirklich das einzige Bild hier, das anzusehen sich lohnt.“
Er sah sie überrascht an. Hinter den dicken Gläsern seiner Brille befanden sich zwei ausdrucksvolle graublaue Augen, die Interesse und Intelligenz verrieten. Allerdings schien er reichlich schüchtern zu sein. Auch in diesem Punkt unterschied er sich von den übrigen, vor dick aufgetragenem Selbstbewusstsein strotzenden Männern auf der Party. Manuela empfand das als überaus angenehm.
Ihm wurde wohl bewusst, dass er sie ungebührlich anstarrte und dass es an ihm war, etwas auf ihre Bemerkung zu erwidern. Er konzentrierte sich wieder auf den Kunstdruck an der Wand.
„Ah, ja.“ Er räusperte sich. „Ein Nachdruck eines Gemäldes von John Constable.“
„Constable?“ Sie schüttelte erstaunt den Kopf. „Ich hatte Turner in Verdacht.“
„Nein, nein“, versicherte er ihr eifrig und blühte sichtbar auf. „Es ist eindeutig ein Constable. Sie sehen das hier an diesen Details, die typisch für Constable sind.“
Ehe sie sich versah, bekam sie eine sehr fundierte und hoch interessante kunsthistorische und maltechnische Erklärung des Gemäldes. Sie hörte fasziniert zu.
Nach etwa fünf Minuten unterbrach er seinen begeisterten Monolog und errötete. „Aber das interessiert Sie sicher nicht besonders“, vermutete er mit einem entschuldigenden und leicht resignierten Unterton.
Manuela schüttelte den Kopf. „Ganz im Gegenteil! Ich finde das sogar sehr interessant. Und Sie können wunderbar erklären.“ Sie lächelte und verzog im nächsten Moment schmerzlich das Gesicht, als die Musik zu einem kreischenden Stakkato anschwoll. „Also, mir es hier entschieden zu laut“, stellte sie nachdrücklich fest. „Was halten Sie davon, wenn wir woanders hingehen, wo es ruhiger ist?“
„Gern!“, war er mit deutlicher Erleichterung einverstanden. „Wohin möchten Sie gehen?“
Sie lächelte. „Wir haben die Wahl zwischen verschiedenen Kneipen und ähnlichen Lokalen hier in der Nähe, aber ich gehe nicht gern in Kneipen. Dort ist die Atmosphäre keinen Deut besser als hier. Die andere Alternative wäre, dass wir zu Ihnen oder zu mir nach Hause gehen.“
„Das wäre mir recht“, stimmte er sofort und freudig überrascht zu. „Ich wohne in der Herzogstraße. Und Sie?“
„Goethestraße. Zu Ihnen wäre es also näher. Wenn es Ihnen recht ist, können wir zu Ihnen gehen.“
„Ich habe nichts dagegen.“
„Übrigens: Ich heiße Manuela. Sagen wir Du?“
„Einverstanden. Mein Name ist Joris.“
Eine halbe Stunde später führte Joris sie in sein sehr geschmackvoll eingerichtetes Heim. Manuela stürzte sich mit einem Ausruf der Begeisterung auf seine reich bestückten Bücherregale und inspizierte die Titel, die sie regelrecht in Entzücken versetzten.
„Balzac, Camus, Dürrenmatt, Goethe, Homer ... – Mensch, du hast ja die ganzen Klassiker! Toll!“ Dann entdeckte sie seine CD-Sammlung, die sie ebenso begeisterte. „Bach, Brahms, Haydn, Mussorgsky ... und mein Liebling Vivaldi! Klasse!“ Sie warf ihm einen mitfühlenden Blick zu. „Was musst du bei Silvias schrecklicher Techno-Musik gelitten haben.“
Joris nickte mit leidvoll verzogenem Gesicht. „Und wie! Normalerweise gehe ich nicht auf solche Partys. Aber ich wollte nicht unhöflich sein und einfach ablehnen. – Du magst Klassik?“, vergewisserte er sich.
Manuela nickte. „Nicht nur, aber auch.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Deswegen halten mich die meisten Leute für ein bisschen seltsam.“
„Das kenne ich“, beeilte er sich zu versichern. „Mich halten die Leute immer für... langweilig.“ Das Geständnis tat ihm offensichtlich weh, und in seiner Stimme schwang der Schmerz über alle in der Vergangenheit wohl deswegen erlittenen Zurückweisungen mit.
Manuela lächelte verständnisvoll und spürte eine angenehme Wärme in der Herzgegend aufsteigen für diesen Mann, in dem sie eine verwandte Seele erkannte. „Tja, wer wie wir Interessen und Vorlieben hat, die zurzeit nicht ‚in‘ sind, wird von den lieben Mitmenschen schnell für langweilig gehalten. Dabei ist es viel wichtiger, sich selbst treu zu bleiben, statt jeden Modetrend mitzumachen. Leider hat dieses Sich-treu-bleiben in der Regel zur Folge, dass man oft einsam ist.“
Joris nickte und bot Manuela Platz an, servierte ihr Mineralwasser und sich selbst noch eine Cola, setzte sich danach zu ihr und überlegte, wie er am besten ein Gespräch in Gang bringen konnte.
Doch Manuela machte es ihm leicht. Sie fragte nach seinem Beruf und knüpfte, als sie erfuhr, dass er als Kunsthistoriker und Restaurator im Städtischen Museum tätig war, an ihr Gespräch über John Constable an, das sie auf der Party begonnen hatten.
Joris entpuppte sich als ein überaus angenehmer Gesellschafter. Er konnte spannend erzählen, war ein ausgesprochen guter Zuhörer und hatte ein überaus sympathisches Wesen. Vor allem, und das empfand Manuela als besonders wohltuend, unterließ er jeden plumpen Annäherungsversuch und verbale Anzüglichkeiten, die sie von anderen Männern gewohnt war. Im Verlauf des Abends stellte Manuela fest, dass er ihre Leidenschaft für Klassik in Kunst, Musik und Literatur teilte, Natur liebte, ruhige Spaziergänge im Wald, im Fernsehen Naturreportagen gegenüber Krimis bevorzugte, und er spielte zu ihrer großen Freude mit Begeisterung Schach.
Sie plauderten die halbe Nacht hindurch über Gott und die Welt, und als Manuela sich weit nach Mitternacht endlich auf den Heimweg machte, fühlte sie zu ihrem eigenen Erstaunen, dass sie sich Hals über Kopf rettungslos in diesen ungewöhnlichen Mann verliebt hatte.
Auch auf die Gefahr hin, von ihm eine Absage zu erhalten – denn sie wusste genau, dass sie absolut nicht der Typ Frau war, den die Männer als Partnerin bevorzugten–, rief sie ihn am nächsten Tag an, bedankte sich bei ihm für den interessanten Abend und fragte ihn, ob er Lust habe, mit ihr zusammen in ein Brahms-Konzert zu gehen, das sie sonst allein besucht hätte. Er sagte mit Freuden zu, und sie verbrachten einen weiteren wunderschönen Tag zusammen, an dessen Ende Manuela entdeckte, dass Joris Geige spielte. Sie selbst spielte Querflöte, und als sie sich das nächste Mal trafen, veranstalteten sie eine kleines Hauskonzert.
Zu ihrer beider großen Freude verbrachten sie von da an mehrere Abende in der Woche und fast jedes Wochenende zusammen. Sie gingen in Museen, trafen sich zum Schachspielen, machten gemeinsame Waldspaziergänge, diskutierten über Gott und die Welt oder saßen einfach nur Arm in Arm beieinander, genossen schweigend wunderbare Nähe und waren glücklich.
Nach zwei Wochen wagte Joris den ersten Kuss, nachdem er vorher höflich um Erlaubnis gefragt hatte, ob das Manuela recht sei. Sie war gerührt und beeindruckt. Noch nie zuvor hatte ein Mann sie derart respektvoll um Erlaubnis gefragt. Gemäß den gesammelten Erfahrungen ihres Lebens nahmen sich die Männer einfach das Recht zum Kuss heraus und setzten einfach voraus, dass das der Dame an ihrer Seite recht sein würde. Manche konnten nicht einmal einen einzigen Tag abwarten, sondern wollten sofort mit ihr ins Bett und beschimpften sie wahlweise als spießig oder frigide, wenn sie ihnen klar machte, dass sie grundsätzlich nicht mit einem Mann ins Bett ging, den sie gerade mal ein paar Stunden zuvor kennen gelernt hatte.
Joris war wohltuend anders, angenehm zurückhaltend, respektvoll und, wie schon der erste Kuss bewies, sehr zärtlich. Rückblickend war Manuela überzeugt, dass es dieser erste sanfte Kuss war, der die Verheißung auf endlose Zärtlichkeit in sich barg, welcher die schlafenden Schmetterlinge in ihrem Bauch geweckt hatte, dass sie zu tanzen begannen und in aufgeregter Vorfreude flatterten.
Joris ließ sich und ihr Zeit und überstürzte nichts. Doch Manuela spürte deutlich an seinen unzähligen zärtlichen und innigen Gesten, mit denen er sie bedachte, dass er ein tiefes Gefühl für sie empfand, das eindeutig über bloße Sympathie und Freundschaft hinausging. Sie fühlte sich in seiner Nähe wunderbar wohl und geborgen.
Eines Abends – sie kannten sich fast fünf Wochen und ihre Beziehung war bis jetzt nicht über intensives zärtliches Schmusen und Küssen hinaus gegangen – hatte er eine Überraschung für sie. Manuela hatte sich schon überlegt, ob er sie vielleicht doch nicht allzu begehrenswert fand wegen ihrer extrem kurzen Haare und ihres burschikosen Wesens, was in der Vergangenheit stets die Dinge gewesen waren, an denen potentielle Partner Anstoß genommen hatten und weswegen die beginnenden Beziehungen wieder beendet worden waren.
Als sie Joris an diesem Abend besuchte, fand sie seine ganze Wohnung in sanftes Kerzenlicht getaucht. Auf dem Tisch im Wohnzimmer wartete ein köstliches Essen, und im Hintergrund bildete ein verträumt klingendes Violinkonzert die passende musikalische Untermalung. Er hatte eine wundervolle romantische Atmosphäre geschaffen, die mit dem leckeren Abendessen keineswegs ein Ende fand.
Zum Nachtisch präsentierte er ihr die zweite Überraschung. Er führte sie in sein Schlafzimmer, das er mit viel Fantasie in einen Tempel der Romantik verwandelt hatte. Überall waren Kerzen verteilt, die ein sanftes Licht verbreiteten. Das Bett hatte er mit einer dunkelgrünen, schimmernden Seidendecke verhüllt und darauf unzählige Rosenblätter verstreut, die ihren verführerischen Duft im ganzen Zimmer verbreiteten. Auf dem Nachttisch standen zwei Gläser mit Traubensaft und eine Schale mit kandierten Früchten und im Hintergrund erklang die einschmeichelnde Musik einer Panflöte. Manuela war begeistert – und noch begeisterter von Joris´ respektvoller Frage, ob sie denn Lust hätte, die Nacht mit ihm zu verbringen. Falls nicht, so könne man das gern auf jeden anderen Abend verschieben, der ihr recht sei. Oder es auch ganz lassen, falls sie nicht ...
Manuelas Antwort bestand aus dem innigsten Kuss, den Joris jemals erhalten hatte.
Joris verwöhnte Manuela mit schier endloser Zärtlichkeit. Er nahm sich eine ganze Stunde Zeit, ihr jeden Zentimeter des Körpers vom Haaransatz bis zu den Zehenspitzen mit einem warmen Rosenöl zu massieren. Er streichelte sie an ihren empfindlichen Stellen so zart, dass ihr das vor Wonne die Tränen in die Augen trieb und ließ ihr alle Zeit, die sie wollte. Er war in den richtigen Momenten abwechselnd sanft und leidenschaftlich und stets darauf bedacht, ihr die größtmögliche Freude und Entspannung zu verschaffen und ließ, als der wundervolle Höhepunkt vorüber war, das Spiel mit ausgiebigen streichelnden Liebkosungen ausklingen.
Manuela hatte noch nie zuvor von einem Mann so viel Zärtlichkeit und liebevolle Nähe erfahren. Und als sie sehr viel später erfüllt von einem tiefen Gefühl der Liebe zueinander zusammengekuschelt Arm in Arm einschliefen, da wussten sie, dass sie sich wahrhaft gefunden hatten, dass sie zusammen gehörten und auch auf Dauer zusammenbleiben würden.
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- Artikel-Nr.: SW9783961274666458270
- Artikelnummer SW9783961274666458270
-
Autor
Mara Laue
- Verlag vss-verlag
- Seitenzahl 211
- Veröffentlichung 21.03.2026
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783961274666
- Verlag vss-verlag