Beam Shop
Love Me. Like Me!
Als Kassiererin in einem Supermarkt beginnt für Lisa zwischen Pfandbons und Pieptönen jeden Montag derselbe Countdown: Noch fünf Tage bis zum Wochenende. Erschöpft fällt sie dann aufs Sofa – Spannung Fehlanzeige und von der Liebe keine Spur.
Doch dann katapultiert ihr neuer und vor allem heißer Chef sie unfreiwillig ins Rampenlicht. Die kurvige Schönheit soll das Gesicht der neuen Online-Kampagne werden und die Social-Media-Kanäle der Supermarktkette viral gehen lassen.
Gehaltserhöhung, Dienstwagen und ein gemeinsames Büro mit ihrem Chef locken.
Ungeschickt stolpert sie von einem zum nächsten Missgeschick und geht genau damit viral. Die negativen Auswirkungen folgen sofort - Stress und Druck im Büro, Kritik und Bodyshaming im Netz, von der mega Blamage ganz zu schweigen.
Schafft Lisa es, sich in ihrem Job zu bewähren?
Kann Geld über Cybermobbing hinwegtrösten?
Ist eine lockere Affäre besser als die wahre Liebe?
„Love me. Like me!“ ist ein humorvoller Roman über Frauenpower, Bodypositivity und den Mut, auf die Meinung der anderen zu pfeifen.
From Dubai to Fiji
It´s so crazy
Catche sie mit der Hook
Please don´t hate me!
ASMR for Newbies
American Football
The apple doesn´t fall far from the tree
When life ist shit, put sprinkle on it
Draw a line under it
Cruising
Hot like Weber
Insight up
Little but … oho
Labu La bu Labubu
Dinner for two
Dessert
Living the high life
Nightmare ohne Schlaf
Lets talk about …
Welcome to reality
Un-Fuc*ing-liveable
Rock it
Rollin´
Price charming
Hello Ronald
Like a prayer
Sorry, sorrow … so what?
Love me
Like me!
Caught in the act
4ever and ever
Danksagung
Kapitel 1 - From Dubai to Fiji
»Lisa!«
Suchend blickte ich mich um.
»Mit deiner Kasse stimmt was nicht. Du sollst zum Chef«, flüsterte mir Caro zu, als ich gerade einige Päckchen Lambertz Compliments in ein Regal räumte.
»Mist!«, entfuhr es mir lauter, als ich wollte.
Caro blickte mich besorgt an.
»Ich hatte gestern ein Minus von dreizehn Euro achtundvierzig. Keine Ahnung, wie die schon wieder zustande gekommen sind«, gestand ich ihr nun so leise, dass sie einen Schritt näherkommen musste, um mich zu verstehen. »Ich dachte aber, es fällt ihm nicht auf«, fügte ich hinzu und legte die restlichen Packungen Kekse zurück auf den Rollwagen, den ich schon seit über einer halben Stunde hinter mir herzog, während ich Regale, Aktionsflächen und Theken auffüllte.
»Wie sollte das nicht auffallen?«, wunderte sich meine Lieblingskollegin.
»Ich habe die Differenz einfach ausgeglichen«, antwortete ich achselzuckend.
»Von deinem eigenen Geld?«
Ich nickte, wohl wissend, dass ich mit dieser Tat meine Situation deutlich verschlechtert hatte.
Caro legte vor Entsetzen die Hand auf ihren Mund und nuschelte: »Das gibt erst recht Ärger!«
Ich nickte und schnaubte mit einer Mischung aus Angst und Sorge. Ganz gewiss war ich aufgeflogen.
»Kannst du dich darum kümmern?«, fragte ich sie und deutete auf die restliche Ware, die schnellstmöglich einsortiert werden sollte.
Ohne eine Antwort abzuwarten, richtete ich mich auf und strich meinen ehemals weißen Kittel glatt. Seine Farbe hatte sich in den vergangenen Tagen in ein kachierendes Grau gewandelt. Noch vor knapp einer Woche, nämlich an dem Tag, als die neue Dienstkleidung eingetroffen war, strahlte er wie in einer Waschmittelwerbung. Dieses Privileg wurde ihm jedoch nur bis zur ersten Wäsche zuteil. Mein Mangel an hausfraulichen Qualitäten hatte, wie zu erwarten, dazu geführt, dass sich versehentlich eine schwarze Socke unter die Weißwäsche gemogelt hatte. Damit nahm das Schicksal oder vielmehr der Färbeprozess seinen Lauf. Die komplette Ladung hatte einen matten, schmuddeligen Ton angenommen.
Unweigerlich musste ich an meine Mutter denken. Ich sah sie vor mir, wie sie vor Unverständnis den Kopf schüttelte. Sie war perfekt darin, sämtliche Kleidungsstücke über Jahre förmlich zu konservieren. Die Blusen, die sie zu ihrer Verlobung getragen hatte, würde man heute, neun Jahre nach ihrer Scheidung, bei Kleinanzeigen getrost im Neuzustand anbieten können. Ohne Gebrauchsspuren, Nichtraucherhaushalt, keine Tiere. Vermutlich war das gute Stück eine Wertanlage, die eines Tages ein komplett neues Outfit finanzieren würde. Dieses Talent hatte ich definitiv nicht geerbt.
Mein Kittel würde bestenfalls noch zu einem Putzlappen geschnitten werden können. Hätte ich gewusst, dass ich im Büro unseres Filialleiters erscheinen musste, hätte ich mir einen anderen aus meinem Bügelkorb gefischt.
Caro nickte mir zu und zeigte mir zwei gedrückte Daumen. Dabei versuchte sie vermutlich, aufmunternd zu lächeln. Ihre Sorge war ihr jedoch klar anzusehen. Uns beiden war bewusst, ich steckte in Schwierigkeiten. Erst recht, weil es sich schon um die fünfte Unregelmäßigkeit in dieser Woche handelte. Vergangenen Monat waren es acht Kassenabschläge, die nicht übereinstimmten.
Es gab keinen für mich ersichtlichen Grund, weshalb ich in letzter Zeit so unaufmerksam gewesen war. Vermutlich hatte ich mich bei der Herausgabe von Wechselgel vergriffen. Anders konnte ich mir selbst nicht erklären, wie meine abweichenden Abrechnungen zustande kamen. Anfangs hatte ich diesen Fehlern keine große Beachtung geschenkt. Schließlich handelte es sich stets um Beträge zwischen zwei, bis höchstens fünfzehn Euro. Unsere Filiale machte so viel Umsatz, dass dadurch weiß Gott kein nennbarer Schaden entstand. Nervig waren jedoch die schriftlichen Erklärungen, die ich bei jedem Betrag über drei Euro einreichen musste. Sie waren unnötige Arbeit, die mich von meinem wohlverdienten Feierabend abhielten.
Gestern war ich erstmals ehrlich verärgert über mich selbst. Dabei konzentrierte ich mich ganz besonders darauf, keine weiteren Differenzen entstehen zu lassen. Umso mehr ich mich darauf fixierte, desto öfter schienen sie aufzutauchen.
Die mir wohlbekannten Bauchschmerzen setzten ein. Stress jeglicher Art bekam mir nicht. Dass mein eigener Chef mich in sein Büro zitierte, war eine Belastung, die mein Magen nicht unkommentiert lassen konnte.
Meinen Job zu verlieren, konnte ich mir nicht leisten. Auf der anderen Seite gab es Kündigungsfristen, und bisher hatte ich auch noch keine Abmahnung erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, in wenigen Minuten arbeitslos zu sein, sollte also recht gering sein. Trotz dieser sachlichen Zusammenfassung meiner momentan wirren Gedanken wollte die Angst nicht verschwinden.
Mit Herzrasen ging ich vorbei an dem Regal mit Proteinpulver, an den Aktionsaufstellern mit Osterartikeln, quer durch den Getränkemarkt. Zögernd legte ich meine Personalkarte auf den Sensor am Rolltor und sah zu, wie es hinauffuhr.
Es ist schon witzig zu erkennen, wie unterschiedlich Gegebenheiten wahrgenommen werden, wenn man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Zu oft hatte ich mich über dieses Tor schon geärgert. Es dauerte viel zu lange, bis ich hindurchgehen konnte. Heute ging es mir deutlich zu schnell.
Als ich das Lager betrat, schloss ich es wieder und ging geradewegs auf die graue Tür zu, die sich hinter zwei Paletten direkt neben dem Gabelstapler befand.
Ich zögerte einen Moment, bevor ich klopfte und auf eine Antwort aus dem Büro meines Chefs wartete. Stumm, aufgeregt und konzentriert lauschte ich, während ich auf das Namensschild, unter dem Milchglasfenster starrte. »Oliver Bayer, Filialleitung« stand dort nun schon seit fast einem Jahr geschrieben.
Oliver, ein aufstrebender Karrieretyp, hatte unsere Filiale übernommen, nachdem mein ehemaliger Chef in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war. Die Arbeit mit Herrn Tillmann war zwar anstrengend, aber er hatte mich durch meine Ausbildung gebracht, wofür ich sehr dankbar war. Über die Jahre wusste ich genau, was er von mir erwartete. So hatte ich mich zu seiner Stellvertretung hochgearbeitet. Dies war jedoch inoffiziell. Er wurde mit der Zeit immer vergesslicher, und als er zirka drei Jahre vor seiner Rente immer kranker wurde, haben Caro, Margot und ich alles getan, um unsere Filiale und somit auch unsere Arbeitsplätze zu retten.
Als Oliver mein Chef wurde, änderte sich schlichtweg alles. In einem Rekordtempo wurde unser gemütliches Geschäft zu einer Vorzeigefiliale des Großmarktkonzerns. Wir bekamen einen Anbau, der doppelt so groß war wie der ursprüngliche Laden und sogar ein zweites Gebäude, das für das Personal durch unser Lager erreichbar war. Dort konnten unsere Kunden nach einem erfolgreichen Einkauf essen. Was ich mir ursprünglich als Imbiss vorgestellt hatte, war ein Vier-in-einem-Restaurant mit Live-Cooking in entspannter Atmosphäre. Als sogar zwei SushiMeister angestellt wurden, habe ich ernsthaft am Geisteszustand des neuen Chefs gezweifelt.
Aber man mag es kaum glauben, die Menschen in unserem Dorf liebten es von Tag eins an, dort zu speisen und sich mit anderen Menschen zu treffen. Wer sich mit rohem Fisch nicht anfreunden konnte, hatte die Wahl zwischen gebackenem Hähnchen oder Spezialitäten vom Italiener. Die vierte Möglichkeit, eine leckere Mahlzeit oder einen Snack zu ergattern, bot unsere neue Backstation, in der man sich selbst kostengünstig bedienen konnte.
Ja, Oliver hatte mit allem voll ins Schwarze getroffen und den Puls der Zeit erkannt. Jedoch war dies auch für uns eine enorme Umstellung. Wir bekamen viele neue Kollegen, die sich in dieser Art des Verkaufs schon auskannten und uns einfach mit ihren Kenntnissen überrollten. Oft hatte ich das Gefühl, überfordert zu sein, nicht nur mit den neuen Verkaufsmethoden. Aromen und Klänge wurden gezielt eingesetzt, um Kunden zum Kauf zu animieren. Wer hätte gedacht, dass dies funktioniert?
Der ganze Markt wurde strategisch eingerichtet. Unzählige, mir unbekannte Produkte befanden sich plötzlich in den Regalen, und unser Programm wuchs nicht nur, sondern wechselte permanent.
Auch die aktuellen TikTok-Trends wurden aufgegriffen. Ob Bubble Tea, Dubai-Schokolade, gefriergetrocknete Süßigkeiten oder riesige Erdbeeren, von denen das Stück tatsächlich zwanzig Euro kostete, wir hatten alles, wonach die Kunden fragten. Egal, wie neu oder irrsinnig ihre Wünsche waren.
Unser Team hatte mit Herrn Tillmann stets Pi mal Daumen gearbeitet. »Besser unperfekt als gar nicht!«, hatte mein damaliger Chef regelmäßig gepredigt. Dies war sicherlich ein guter Ratschlag aus seiner Zeit. Jedoch musste ich zugeben, dass Oliver genau wusste, was er tat und die neunzehn Filialen, die er im Umkreis leitete und beste Umsätze erzielten, bestätigten seinen Hang zum Perfektionismus.
Ich war keine perfekte Mitarbeiterin. Ich war die Angestellte, die innerlich Anfang der Woche schon den Countdown bis zu ihrem freien Tag startete, pünktlich ihren Kittel an den Harken hing und sich monatelang auf den Urlaub freute. Ja, und ich war offensichtlich auch die Angestellte, die es nicht hinbekam, sachgemäß mit Wechselgeld umzugehen.
»Komm rein!«, hörte ich eine tiefe Stimme deutlich sagen. Ich atmete tief ein, bevor ich die Klinke runterdrückte und die Tür öffnete.
Meine Augen brauchten einen kleinen Moment, um sich an das gleißende Licht zu gewöhnen, das sich über die Fensterfront in dem hellen Büro verteilte. Ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen und lächelte in die Richtung, in der ich meinen Chef erwartete.
»Hallo«, sagte ich, nachdem ich einen kurzen Moment lang überlegt hatte, wie spät es war und ob ein »Guten Morgen« noch angemessen wäre. »Du wolltest mich sprechen?«, fragte ich, obwohl ich es bereits wusste.
»Ja, setz dich«, antwortete er und goss sich einen Kaffee ein. »Möchtest du auch einen?«, fragte er und nahm eine weitere Tasse von dem Tablett neben dem Vollautomaten, der in seiner ganz persönlichen Küchenzeile stand.
Sein Büro war fast größer als meine Wohnung. Besser eingerichtet war es auch. Ich besaß lediglich eine Senseo, die nur zum Einsatz kam, wenn ich Besuch hatte. »Nein, danke«, erwiderte ich.
Überrascht blickte er mich an. Vermutlich lehnte nie jemand ein solches Angebot ab. Aus einer so edlen 1.900-Euro-Maschine ein Gesöff angeboten zu bekommen, war vermutlich die höchste Ehre, der man zuteilwerden konnte.
Ich selbst trank nie Kaffee, und den Wert dieser Maschine kannte ich nur, weil sich Kollegen darüber unterhalten hatten. Wer bezahlt denn so viel Kohle für so einen sperrigen, und extrem hässlichen Klotz? Und was rechtfertigte eigentlich den Preis? Wurde der Kaffee durch vergoldete Siebe gepresst, um dann durch edle Rohre in eine Ein-Euro-Tasse zu klatschen? Nun gut, es kann jeder selbst entscheiden, wofür er Geld ausgibt. Sicherlich war das Teil auch schon längst von der Steuer abgeschrieben und somit am Ende viel günstiger gewesen, als vermutet. Vielleicht war es auch nur ein Werbegeschenk von einem Anbieter, der bei uns mit seinem Kaffee auf der besten Position im Laden angeboten wurde. Who knows?
»Dann ein Wasser?«, fragte Oliver in einem charmanten Ton, als bitte er mich, ein Geschenk anzunehmen. Ich tat ihm den Gefallen und nickte. Sanft stellte er seine Tasse auf dem Schreibtisch ab und ging dann an den Kühlschrank. Sein Hemd lag eng an seinem durchtrainierten Körper an. Es war mir ein Rätsel, wie er es schaffte, bei all seiner Arbeit auch noch ins Fitnessstudio zu gehen. Wenn ich nach Hause kam, ließ ich mich im Bestfall noch auf die Couch fallen, bevor ich ins Bett ging. Gut, ich trug auch Kleidergröße achtundvierzig. Meine Figur hatte sich seit Jahren nicht verändert, und das allein verbuchte ich als ein gutes Ergebnis. Ich hatte weder Ambitionen abzunehmen, noch mich in irgendwelchen verschwitzten Leggings in einem miefigen Studio rumzudrücken bei dem Versuch. Ich war mit meiner Figur, mit meinem Aussehen und meiner Erscheinung absolut zufrieden. Zumindest in der meisten Zeit. Deshalb konnte ich zwar Olivers knackigen Po bewusst wahrnehmen und diesen Anblick zu schätzen wissen, verspürte jedoch keinen Neid über sein Zeitmanagement und die Motivation, 24/7 aktiv zu sein.
Ich wendete meinen Blick ab, als er auf mich zukam. Sanft stellte er ein Glas Fiji-Wasser vor mir ab. Im Laden boten wir dieses Wasser für vier Euro siebzig den Liter an, von dem nur der Himmel weiß, ob es tatsächlich von den Fiji-Inseln importiert wurde. Es war unglaublich, wie sich das Zeug verkaufte. Keine Ahnung, ob das auch ein Trend aus dem Internet war oder nicht. Aber bei einem empfohlenen Trinkgebot von zweieinhalb Liter am Tag war ich bisher nicht bereit gewesen zu testen, ob es anders schmeckte als das gute Krahnen-Berger, das ich mir gönnte.
Wenn man doch eh keine Kohlensäure zu sich nimmt, weshalb denn dann nicht aus dem Wasserhahn? So etwas würde ich unseren Kunden selbstverständlich nicht sagen. Jedoch hatte ich mir angewöhnt, genau anzusehen, wer so etwas kauft. Erwartet hatte ich ausschließlich junges Publikum. Eben die, die auf Social Media Trends aufsaugen. Da hatte ich mich allerdings geirrt. Die Käufer waren jeden Alters und jeden Geschlechts. Vor allem aber waren die Verkaufszahlen konstant. Vielleicht wäre es schlau, Luft zu verpacken und für knapp fünfzehn Euro je Schachtel zu verkaufen. Himalaja-Luft oder so. Oliver setzte sich in seinen Bürosessel, und ich vertagte diese geniale Geschäftsidee auf einen späteren Zeitpunkt.
Nervös hoffte ich, dass er zügig mit diesem unangenehmen Meeting beginnen würde. Ich hasste Schweigen und konnte eine Gesprächsstille noch nie gut aushalten. Also zog ich fragend meine Augenbrauen hoch und hoffte so, den Startschuss zu der nun folgenden Predigt zu geben.
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- Artikel-Nr.: SW9783692860015458270
- Artikelnummer SW9783692860015458270
-
Autor
Melanie Hauptmanns
- Verlag hansanord Verlag
- Seitenzahl 320
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783692860015