Blutsbrüder

Zwischen Ehre und Verrat

Blutsbrüder
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Der Graf und der Clochard - zwei Männer, verbunden durch ein gemeinsames Geheimnis aus den Tagen der Fremdenlegion. Als die Vergangenheit in ihr Leben zurückkehrt, geraten Liebe, Freundschaft und gesellschaftliche Fassaden ins Wanken. Was als Begegnung zweier Gegensätze beginnt, wird zu einer Geschichte über Schuld, Loyalität und die späte Suche nach Familie. Ein emotionaler Roman über das, was uns trennt - und das, was uns unauflöslich verbindet. Monique stand am Fenster und blickte die Einfahrt entlang. „Madame! Madame! Sie kommen!“ Vanessa war zu ihr getreten. „Na, dann wollen wir sie mal begrüßen.“... alles anzeigen expand_more

Der Graf und der Clochard - zwei Männer, verbunden durch ein gemeinsames Geheimnis aus den Tagen der Fremdenlegion. Als die Vergangenheit in ihr Leben zurückkehrt, geraten Liebe, Freundschaft und gesellschaftliche Fassaden ins Wanken.

Was als Begegnung zweier Gegensätze beginnt, wird zu einer Geschichte über Schuld, Loyalität und die späte Suche nach Familie.

Ein emotionaler Roman über das, was uns trennt - und das, was uns unauflöslich verbindet.



Monique stand am Fenster und blickte die Einfahrt entlang. „Madame! Madame! Sie kommen!“ Vanessa war zu ihr getreten. „Na, dann wollen wir sie mal begrüßen.“

Ohne Hast fuhr Alon die Einfahrt auf das Gebäude zu. Auf der Treppe stand erwartungsvoll Vanessa. Sie hatte sich wieder umgezogen. Der weiße Seidenanzug glänzte in den Sonnenstrahlen. Die Regenwolken hatten sich fast gänzlich verzogen. Schräg hinter Vanessa stand mit respektvollem Abstand Monique. Am Fenster, vom Vorhang halb verdeckt, sah man Simon stehen.

Aus Richtung Stall bewegte sich ohne Eile Salvatore auf das Haus zu. Auf Alons Gesicht machte sich ein nicht gerade gräfliches Grinsen breit. Er stellte sich Vanessa vor, wenn Karl ausstieg. Der blickte gespannt auf die Szene. „Was ist da los?!“ Alons Grinsen ging in ein Lächeln über. „Oh! Das ist ein Empfangskomitee. Meine Frau erwartet einen hohen Gast.“ „Und wen?“ Nun wurde aus dem Lächeln ein Lachen. „Na dich!“ Ruckartig wandte sich Karl Alon zu. „Merde …! Ich werd’ verrückt!“ Alon hielt den Wagen neben Vanessas Porsche. Salvatore war an die Beifahrertür des Mercedes getreten und öffnete die Tür. Locker stieg Karl aus, holte seinen Rucksack aus dem Fußraum des Autos und lief sofort Richtung Vanessa. Ihre anfängliche Neugierde war blankem Entsetzen gewichen. Karl wollte ihre Hand küssen, aber Vanessa schaffte es, schnell beide Hände hinter dem Rücken zu verschränken. Sie bewegte sich hastig zurück auf die Plattform vor dem Eingang. Der Blick, der Alon traf, hätte einen Elefanten ins Koma versetzt. „Der!?! Das soll der besondere Gast sein?!“ Alon zuckte nur mit den Achseln. „Ein Freund ist immer ein besonderer Gast.“ Er winkte Monique zu. „Würden Sie unserem Gast sein Zimmer zeigen!“ Salvatore war zu Karl getreten. „Kann ich Ihren Rucksack nehmen?“ Karl schüttelte nur den Kopf. „Hast du keinen eigenen?!“ Salvatore blickte verunsichert zu seinem Herrn, dem Grafen, der winkte nur ab. „Dieser Mann hat einen etwas ausgefallenen Humor.“ Salvatore lachte gezwungen und wandte sich um. Froh, der seltsamen Situation zu entgehen, lief er diesmal etwas zügiger Richtung Stall.

Monique gab Karl ein Handzeichen. „Bitte folgen Sie mir, Monsieur.“ Karl verbeugte sich nun leicht vor Vanessa. „Hübsch, sehr hübsch, Madame.“ Dann folgte er lächelnd Monique in die Villa. Vanessa drehte sich wütend um, lief ins Haus und in den Salon. Simon befand sich nicht mehr am Fenster. Sein Selbsterhaltungstrieb hielt es für ratsam, sich zurückzuziehen. Wütend war Vanessa am Fenster stehengeblieben und schaute nach draußen, ohne sich zu Alon umzudrehen. „Was soll das?! So ein … so ein … Individuum nennst du deinen Freund?“ „Das Individuum heißt Karl, ja, und ich denke, er ist ein Freund!“ Vanessa schüttelte angewidert den Kopf. „Was ist hier los? Dieser Kerl …“ „Karl“, fiel ihr Alon ins Wort. „Dieser Kerl hat gestern Nachmittag im MAXIM unsere Freunde, die Picards, brüskiert! Schon vergessen? Er hatte deine Sachen an.“ Alon lächelte. „Und ich seine.“ Vanessa schaute an sich herunter. „Leider habe ich nicht die passende Garderobe für deine Freunde.“ Alon nickte freundlich. „Ach, Chérie, du wirst doch sicher noch ein paar Sachen aus der Zeit vor unserer Heirat haben, ich meine, bevor du Gräfin d`Anjou wurdest.“ Vanessa warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Jetzt wäre eine ganze Herde Elefanten ins Koma gefallen. Ohne ein weiteres Wort stürmte sie an ihm vorbei und verließ den Salon.

Kopfschüttelnd stand Karl im großen Gästezimmer. An der Wand unter einem hohen, breiten Fenster befand sich ein überdimensionales Doppelbett. In der Mitte des Raumes, ein reich verzierter Tisch, dahinter ein mächtiges, einladendes Sofa und die dementsprechenden Sessel. Der riesige Schrank füllte die ganze Wand aus.

Von der Decke hing ein mit Kristallen verzierter Kronleuchter. Karl atmete dreimal kurz durch „Ein bisschen groß für einen allein, finden Sie nicht?“ Monique nickte zustimmend. „Das war das Schlafzimmer der alten Herrschaften, und nun wird es von Gästen genutzt.“ Sie blickte auf Karl und lächelte. „Aber wir hatten schon lange keine Gäste mehr.“ Karl sah sie fragend an. „Herrschaften, die Eltern des Grafen?“ Monique nickte nur. „Wo sind die?“, bohrte Karl nach. „Hat der Herr Graf Ihnen nichts erzählt?“ Karl schüttelte den Kopf. „Nun, dann wird er es sicher noch tun.“ Sie öffnete zwei von den vielen Schranktüren. Der Schrank war voll. In militärischer Ordnung hingen Anzüge in allen Variationen. In den Regalen befanden sich fein säuberlich zusammengelegte Hemden. Am Boden die dazugehörigen Schuhe. „Ich hoffe, Sie finden etwas Passendes.“ Karl lachte. „Oh, wenn das Klamotten vom Grafen sind, wird es gerade so gehen. Ich hatte schon mal was von ihm an.“ Dann ging er zum Bett, nahm die große, dicke Tagesdecke, faltete sie körpergerecht zusammen und legte sie neben dem Bett auf den Boden. Als nächstes griff er ein Kissen und legte es auf die Decke. Grinsend nahm er den verständnislosen Blick von Monique wahr. „Aus Gewohnheit.“ Monique schüttelte abermals ihren Kopf. „Übrigens, hier hinten …“ Sie deutete auf eine weiße Tür mit Goldrahmen. „Dort befindet sich das Bad.“ Sie ging zur Tür. „Ach noch etwas, das Dinner ist um 18 Uhr im Salon. Madame legt großen Wert auf Pünktlichkeit.“ Froh, alles erledigt zu haben, verließ Monique das Zimmer. Karl setzte sich in den Sessel vor den Schrank. „Bad, Kleiderschrank, Dinner! Großen Wert auf Pünktlichkeit! Das kann noch heiter werden.“

Der riesige Tisch, die gräfliche Tischtennisplatte, war exquisit gedeckt. Vanessa, Alon und Simon waren bereits anwesend. Jeder ganz normal, leger gekleidet. Vanessa trug noch immer ihren glänzenden Seidenanzug. Alon eine gemütliche Cordhose, ein leichtes Hemd, darüber eine Stoffweste. Simon, wie schon den ganzen Tag, Jeans und ein Langarm-Shirt. Als Karl den Salon betrat, fiel sogar Alon fast das Glas aus der Hand. Er war völlig overdressed. Karl sah auf den ersten Blick aus wie vor einem Besuch in die Oper. Er hatte sich einen Smoking ausgesucht. Nun, Hose und Schuhe konnte man akzeptieren, aber alles Weitere war stark gewöhnungsbedürftig. Aber bei allem oberhalb der Hose, wie schon nach der Kleidertausch-Aktion vor dem MAXIM, hatte man den Eindruck, dass er hineingezwängt wurde. Das weiße Seidenhemd ließ das Wegplatzen der Knöpfe befürchten. Man hoffte innig, dass Karl nicht zu tief Luft holen würde. Die Smokingjacke hatte ihre teure Form verloren. Die einzige Abweichung der vorsichtig ausgedrückten Kleiderordnung war die Ehrenmedaille der Legion. Simon stand da mit offenem Mund. Da Vanessa nicht Alons Geschicklichkeit besaß, fiel ihr das Glas aus der Hand. „Mon Dieu!“ Schnell hob Monique das Glas vom Boden auf und reichte Vanessa ein Neues. Danach wandte sie sich Karl zu. Man merkte, wie viel Mühe es ihr bereitete, das Lachen zu unterdrücken. „Darf ich Ihnen einen Sherry anbieten?“ „Aber gerne doch, schönes Fräulein.“ Karl schaute vergnügt und scheinbar gut gelaunt auf den festlich gedeckten Tisch. Vanessa atmete tief durch, warf erst Alon, dann Karl einen vernichtenden Blick zu. Nun wären die Elefanten ausgestorben.



Autor Harald Wieczorek wurde am 21. Juni 1948 in einem kleinen fränkischen Dorf geboren. Seinen ursprünglichen Beruf als Seemann bei der Handelsmarine gab er wegen einer großen Liebe auf – der Liebe zum Theater. 1974 begann er ein Studium an der Schauspielschule Stuttgart und wurde anschließend fest am Stuttgarter Theater engagiert, danach an vielen anderen Bühnen. Inzwischen kann er auf mehr als vierzig Jahre als Theater- und Fernsehschauspieler zurückblicken, darunter in verschiedenen Vorabendserien. Einem Millionenpublikum wurde er durch die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg bekannt, wo er schon seit 1979 in unterschiedlichen Rollen zum Ensemble gehört. Seit 1990 arbeitet er auch als Autor für verschiedene deutsche Serien. Außerdem schrieb er zwei Theaterstücke, einen autobiografischen Roman über seine Zeit auf See „Windstärke 13“, einen Roman über den 30-jährigen Krieg „Jakob, der stumme Krieger“, einen Roman über die Judenverfolgung unter Hitler „Die Geige im Feuer“ sowie „ORCA – Jasons Traum“ und „Die geballte Faust der Rache“. Harald Wieczorek ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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  • Artikelnummer SW9783689126476458270
  • Autor find_in_page Harald Wieczorek
  • Verlag find_in_page EDITION digital
  • Veröffentlichung 20.03.2026
  • Barrierefreiheit
    • Barrierefrei nach: EPUB Accessibility Spec 1.1
    • Aussehen von Textinhalten kann angepasst werden
    • Enthält ausführliche Alternativtexte
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  • ISBN 9783689126476

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