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Kolchose
2023 stirbt Hélène Carrère d'Encausse, die berühmteste Russland-Historikerin Frankreichs und Vorsitzende der Académie française, und kurz darauf ihr Mann Louis. Beim Ausräumen ihrer Wohnung entdeckt Emmanuel Carrère die Nachforschungen seines Vaters zum weitverzweigten Stammbaum der Familie, und er beginnt, durch die großen Umbrüche des 20. und 21. Jahrhunderts hindurch humorvoll, zärtlich und manchmal voller Grauen die Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichten von vier Generationen in Russland, Georgien, im deutschen Exil und in Frankreich nachzuzeichnen. Wie politische Geschichte die persönliche schlagartig umwerfen kann, wird dabei bis in die Jetztzeit erkennbar, das heißt bis zum Ukrainekrieg, dessen Beginn Carrère in Moskau miterlebt, und den Umwälzungen in Georgien, denen sich seine Cousine, die Präsidentin Salome Surabischwili, stellen muss. Die Entstehung eines »gigantischen Dystopia« und die weltweite Fassungslosigkeit darüber werfen einmal mehr die Frage auf, wie wir uns unser Leben erzählen.
Carrères Mutter begegnete diesem unheimlichen Chaos mit Disziplin und Intelligenz, aber auch der Verdrängung von Traumata: Als Spross eines georgischen Kollaborateurs und einer mittellosen russischen Adeligen bestand ihr Leben oft aus Anpassung und Scham, zugleich aber auch der Freiheit, sich neue Realitäten zu erschaffen. So taucht dieser Roman tief in »die horizontale und vertikale Dimension« von Beziehungen ein, um auf der für Carrère typischen Suche nach Wahrheit persönliche und staatliche Lügen, Illusionen und Scheinrealitäten zu durchbrechen.
Emmanuel Carrère, 1957 in Paris geboren, lebt als Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmregisseur in Paris. Seine genresprengende Prosa wird in über 20 Sprachen übersetzt und wurde vielfach international ausgezeichnet, z.B. mit dem Prix Renaudot 2011, dem Europäischen Literaturpreis 2013, dem Premio FIL 2017 oder dem Prinzessin-von-Asturien-Preis 2021. Bei Matthes & Seitz Berlin erschienen die Dokumentarromane Der Widersacher, Alles ist wahr, Ein russischer Roman, Limonow und Das Reich Gottes sowie mehrere Essays.
Claudia Hamm, geboren 1969, ist Regisseurin, Autorin von Theatertexten und Essays und Literaturübersetzerin, v.a. von Emmanuel Carrère, aber auch Mathias Énard, Édouard Levé, Nathalie Quintane, Ivan Jablonka, Joseph Ponthus, Joseph Andras. Für ihre Übersetzung von Carrères Das Reich Gottes wurde sie für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und erhielt den Übersetzerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2016.
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Vorbestellerartikel: Dieser Artikel erscheint am 1. Oktober 2026
- Artikel-Nr.: SW9783751810951110164
- Artikelnummer SW9783751810951110164
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Verlag
Matthes & Seitz Berlin Verlag
- Veröffentlichung 01.10.2026
- ISBN 9783751810951
- Veröffentlichung 01.10.2026