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Götterliebling
Geschichte eines Lebens
Ein junger Mann fährt in die Berge. Der Arzt hat die Mutter beiseitegenommen und ihr, ohne es auszusprechen, alles gesagt. Nun sitzen die beiden im Zug, die alte Frau mit den tiefen Gramfalten um den Mund, der Sohn mit der weißen Stirn und den Fieberflecken im Gesicht – und draußen zieht der Frühling vorüber, gleichgültig und überwältigend schön.
Kurt Münzer erzählt in diesem 1921 erschienenen Roman die Geschichte eines jungen Menschen, dem die Götter alles gegeben zu haben scheinen: Sensibilität, Sehnsucht, die Fähigkeit zur Schönheit – und dem das Leben dennoch nichts gewährt außer Leid, Enttäuschung und dem frühen Tod. Zwischen der tief empfundenen Mutterliebe, die das Buch wie ein dunkler Grundton durchzieht, und der unerfüllten Sehnsucht des Sohnes nach Freundschaft, nach einem Freund im tiefen, nicht von der Natur gewährten Sinne, entfaltet sich ein expressionistisches Kammerstück von großer sprachlicher Intensität. Die Berglandschaft, der Frühling, der rauschende Bach – sie alle werden bei Münzer zu Zeugen einer inneren Tragödie, die sich in Andeutungen und aufgewühlten Naturbildern mehr ausspricht als in Worten.
"Götterliebling" ist kein Roman der Handlung, sondern der Stimmung und der seelischen Wahrheit. Er gehört zu jenen Werken der deutschen Literatur um 1920, die das Leiden des Einzelnen nicht anklagen, sondern still und genau bezeugen – mit dem kühlen Blick des Expressionisten und dem heißen Herzen eines Autors, der wusste, wovon er schrieb.
Diese Neuauflage macht den lange vergriffenen Roman wieder zugänglich – als Zeugnis eines unverdientermaßen vergessenen Schriftstellers der deutsch-jüdischen Literatur der Weimarer Republik.
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- Artikel-Nr.: SW9783693430255110164
- Artikelnummer SW9783693430255110164
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Verlag
Jazzybee Verlag
- ISBN 9783693430255