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Das Gesetz schweigt, der Richter spricht

Das Gesetz schweigt, der Richter spricht
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Palermo, 1930er-Jahre. Ein grausamer, akribisch geplanter Dreifachmord. Der Täter, ein entlassener Büroangestellter auf Rachefeldzug, ist geständig. Die Opfer: sein ehemaliger Vorgesetzter, ein hochgeschätzter Parteifunktionär; ein Buchhalter, sein Nachfolger; die eigene Ehefrau. Nach Wiedereinführung der Todesstrafe scheint die Gesetzeslage eindeutig. Für »totale Sicherheit« sorgt auch die Regimepropaganda mit der Behauptung, es habe gar keinen Mord gegeben. Tagelang sind die pompösen Bestattungsfeiern das Thema. Der Mordfall kommt vors Schwurgericht in Palermo, wo sich die Türen nur durch »Freundschaften«... alles anzeigen expand_more

Palermo, 1930er-Jahre. Ein grausamer, akribisch geplanter Dreifachmord. Der Täter, ein entlassener Büroangestellter auf Rachefeldzug, ist geständig. Die Opfer: sein ehemaliger Vorgesetzter, ein hochgeschätzter Parteifunktionär; ein Buchhalter, sein Nachfolger; die eigene Ehefrau. Nach Wiedereinführung der Todesstrafe scheint die Gesetzeslage eindeutig. Für »totale Sicherheit« sorgt auch die Regimepropaganda mit der Behauptung, es habe gar keinen Mord gegeben. Tagelang sind die pompösen Bestattungsfeiern das Thema. Der Mordfall kommt vors Schwurgericht in Palermo, wo sich die Türen nur durch »Freundschaften« öffnen, und trifft dort auf den »kleinen« Richter. Für ihn ist die Ablehnung der Todesstrafe nicht nur ein unumstößliches Prinzip, sondern ein »Akt des Glaubens«: Allein mit seinem Gewissen zieht er gegen die Übermacht des Staates und seine unmenschlichen Gesetze ins Feld, wissend, dass er sich in seinem Urteil »der dunkelsten, der verborgensten, eben der hässlichsten Seite seiner selbst stellen muss«; ebenso, dass er damit seine Karriere verspielt.

Mit geschliffen ironischer Sprache schildert Sciascia die menschliche Verkommenheit inmitten sizilianischer Lebenswelten und legt im Dialog mit der Weltliteratur den großen Betrug des faschistischen Systems offen – quasi als Alter Ego des »kleinen« Richters, der sich in moralischer Übergröße sein gänzlich irrationales Vertrauen in die Menschlichkeit bewahrt. Ein Buch wie ein Vermächtnis.



Leonardo Sciascia war einer der bedeutendsten italienischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1921 in Racalmuto auf Sizilien geboren, arbeitete er zunächst als Lehrer und Journalist, bevor er sich ganz der Literatur widmete. Sciascia gilt als scharfsinniger Beobachter der sizilianischen Gesellschaft, der Machtstrukturen, Korruption und Justiz kritisch beleuchtete. In seinen Romanen, Essays und Erzählungen verbindet er präzise, nüchterne Prosa mit moralischem Engagement und politischer Brisanz. Zuletzt erschien 2023 sein Buch Die Affaire Moro. Ein Roman.

Thomas Steinfeld, 1954 in Leverkusen geboren, studierte Germanistik und Musikwissenschaft in Marburg und Berlin. Er ist Journalist, Literaturkritiker, Übersetzer und Schriftsteller. Zuletzt erschienen Herr der Gespenster. Die Gedanken des Karl Marx, und Ich will, ich kann. Moderne und Selbstoptimierung sowie Ikea. 100 Seiten (mit Frederic Steinfeld).

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Ein Blick ins Buch

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  • Artikelnummer SW9783751880725110164
  • Autor find_in_page Leonardo Sciascia
  • Mit find_in_page Monika Lustig, Thomas Steinfeld
  • Autoreninformationen Leonardo Sciascia war einer der bedeutendsten italienischen Autoren… open_in_new Mehr erfahren
  • Verlag find_in_page Friedenauer Presse
  • Seitenzahl 172
  • Veröffentlichung 03.09.2026
  • Barrierefreiheit
    Aktuell liegen noch keine Informationen vor
  • ISBN 9783751880725

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