Papierschiffchen in der Wüste
Roman in Erzählungen
»Als ich den Stift zur Hand nahm, sprang mich ihr Leid mächtig an. Jesidische Kelims bringen heute Millionen, aber wo sind die Jesiden?«
Mit sensibler Empathie und Sympathie widmet sich Ayşegül Çelik in diesem »Roman in Erzählungen« der Unterdrückung der Jesidinnen und Jesiden: Sie schreibt von Vertreibung, Unterdrückung und Versklavung, doch eher hintergründig, beinahe beiläufig. Und sie thematisiert die Abkapselung der Gemeinschaft, man bleibt unter sich, heiratet untereinander und übt die Religion im Verborgenen aus (dies darf allerdings als Resultat der Verfolgung gelten). In einem lesenswerten Nachwort erläutert die preisgekrönte Übersetzerin Sabine Adatepe der Leserschaft einige Hintergründe.
Celiks Erzählungen haben etwas Märchenhaftes, spielen mit Elementen der jesidischen Mythologie. Und sie machen Mädchen und Frauen, jesidische wie christliche, zu ihren Protagonistinnen. Im Vordergrund steht ihre Selbstermächtigung: Es sind Frauen, die sich aus Unterdrückung und Bevormundung befreien, auf ihre je eigene Weise, wobei gerade der Poesie der Geschichten ein utopisches Potenzial innewohnt.
Da ist zum Beispiel die Geschichte von Yildiz, die mit nur zwölf Jahren, in die Schwiegerfamilie gebracht, gewissermaßen um ihr Leben webt. Als sie einem Pfau auf einem Wandteppich einen Partner beigibt, öffnet er die Augen (Melek Taus, der »Engel Pfau« steht im Zentrum der jesidischen Religion). Die strenge Moral der fremden Familie verbietet ein solches Motiv, man schneidet es aus dem Teppich. Da fliegen die Vögel auf und davon.
»Und so sind ihre ›Märchen‹ ein Plädoyer für Emanzipation, für die Befreiung von jenen, die uns ein Leben vorschreiben wollen, ein nicht aus dem Herzen heraus gelebtes ›fremdes‹ Leben, und sie zeichnen, speziell in den beiden letzten Geschichten, eine lebenswerte Utopie. Papierschiffchen in der Wüste ist ein hochpoetisches kleines Werk, das geeignet ist, auch Menschen anderer Kulturkreise, die ›gerade durch die Wüste reiten‹, einen Weg zu weisen.«
Sabine Adatepe, Nachwort zu Papierschiffchen in der Wüste
Ayşegül Çelik, geb. 1968 in Ankara, dort Studium der Wirtschafts- und Theaterwissenschaften. Früh erschienen ihre Erzählungen, Artikel, Interviews wie auch Lyrik in renommierten Literaturzeitschriften. Sie schrieb für Film und Fernsehen, ihre Hörspiele wurden vielfach ausgezeichnet. Sie lebt auf der Halbinsel Datca, wo Mittelmeer und Ägäis zusammenfließen, Dort betreibt sie ein Atelier für Kunsthandwerk, schreibt und befasst sich weiterhin mit Theatergeschichte. Ihre große Leidenschaft gilt den Einsatz für Entrechtete und Unterdrückte; in den vorliegenden Geschichten thematisiert sie die Unterdrückung der Jesiden. "Ihr Leid war es, das sprach, als ich den Stift zur Hand nahm. Ich fühle mich unmittelbar mit ihrem Leid verbunden. Von Menschenhand zugefügtes Leid ist so furchtbar, ich spüre oft, wie stark es ist. Jesidische Kelims bringen heute Millionen, aber wo sind die Jesiden?"
Du, 7
Afsun 11
Die Vögel 19
Das Wörtermeer 29
Die schwarze Perle am Himmel 37
Die Geschichte der Erde 47
Weiße Schmetterlinge 67
Wüstenschiffe 93
Ach, du glücklose Einsame 103
Der Tolle Wald 113
Die letzte Geschichte 127
Nachwort 133
Bio- und Bibliografien 143
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- Artikel-Nr.: SW9783949558221110164
- Artikelnummer SW9783949558221110164
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Autor
Ayşegül Çelik
- Mit Sabine Adatepe
- Wasserzeichen ja
- Verlag Friedenauer Presse
- Seitenzahl 144
- Veröffentlichung 02.08.2022
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783949558221
- Mit Sabine Adatepe