Kraftwerk: Sound einer Generation

73 Jahre wurde er alt: Florian Schneider-Esleben, Mitbegründer der auf der ganzen Welt bekannten Band "Kraftwerk". Heute trauert die Fangemeinde um einen Virtuosen, der die gesamte heutige Musikszene maßgeblich beeinflusst hat. 

Florian Schneider wurde am 7. April 1947 geboren. Er wuchs in Düsseldorf auf und ging dort zur Schule, als Kind eines erfolgreichen Architekten genoss er eine hervorragende Bildung. 10 Jahre lang studierte er Querflöte, dann Musikwissenschaft in Köln. 1968 lernte Florian dann Ralf Hütter kennen. Die beiden gründeten zusammen mit Butch Hauf, Basil Hammoudi und Alfred Mönicks die Band Organisation. Ihr Album TONE FLOAT stieß in Deutschland bei den Plattenfirmen nicht auf Interesse und wurde schließlich von der RCA in England veröffentlicht. Danach verließen Schneider und Hütter die Gruppe und gründeten 1970 Kraftwerk.

Was die Beatles für die Popmusik waren, war Kraftwerk für elektronische Musik: Als Großväter von Techno und House werden sie oft bezeichnet - ohne sie wäre Elektro heute nicht das, was es ist. In Deutschland wurde die Band jedoch lange Zeit missverstanden und ihre richtig großen Erfolge feierten die Musiker zunächst im Ausland. Dort allerdings fanden sie großen Anklang und viele andere Musiker und Musikgruppen verneigten sich über die Jahre musikalisch vor ihnen. David Bowie nahm sogar einen Song namens "V-2 Schneider" auf. Depeche Mode hätte es ohne Kraftwerk vielleicht nie gegeben; Björk, The Glitch Mob und Deadmou5 auch nicht. 

Den neuartigen Sound prägte vor allem Florian Schneider. Hütter bezeichnete ihn in einem Interview einmal als "Soundfetischist": Er spiele Querflöte, Violine, Gitarre und diverse elektronische Instrumente; er entwickelte eine elektronische Flöte und perfektionierte mit der Zeit den Klang der Kraftwerk-typischen Computerstimmen. Menschen machten die Musik, doch sie sollte nicht menschlich klingen. Synthesizer und Vocoder gehörten einfach mit dazu, Gesang gab es erst später und dann natürlich auch nur in roboterartigen Form. Schneider feilte so lange am Sound, bis er ihn nicht mehr besser machen konnte. 1974 erschien das Album Autobahn: Eine Revolution, die die gesamte Musikwelt erschütterte. Als Krautrock wurde die Musik der Düsseldorfer Schule bezeichnet, die so anders war als der in den USA vorherrschende Jazz und Rock. Kraftwerk mochte dieses Label nicht besonders, sie bevorzugten die Bezeichnung Techno-Pop. Mit TECHnologie erschaffene POPuläre Musik. 

Was sein Privatleben anging, hielt Schneider sich bedeckt, in Interviews sprachen nur seine Bandkollegen. Auf der Bühne gab er sich stoisch, minimalistisch: Was er da genau tat, wusste man nicht so recht, aber man konnte es hören und fühlen. 

Fast 40 Jahre war Florian Schneider ein essentieller Teil von Kraftwerk. Im Jahr 2014 erhielten er und Ralf Hütter den Grammy für ihr Lebenswerk. 2009 stieg Schneider aus der Band aus. Der Grund dafür ist nicht bekannt, erst 2015 meldete er sich noch ein letztes Mal musikalisch zu Wort: "Stop Plastic Pollution", ein Track für das Projekt "Parley for the oceans". Danach zog er sich endgültig zurück, obwohl seine Fans ihn manchmal noch in Düsseldorf auf der Straße sehen konnten. Auf die Frage, ob er wirklich Florian Schneider sei, antwortete er stets mit "Nein." Bis zuletzt war er eine Sphinx, ein Mysterium  – Florian Schneider verkörperte Kraftwerk perfekt.

 


 eBooks über Kraftwerk:

Cover David Buckley Kraftwerk

David Buckler: Kraftwerk. Die unautorisierte Biografie.

Erscheinungsdatum: 01.01.2013 - Verlag: Metrolit Verlag - Seitenzahl: 400

Kraftwerk ist ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands der Popgeschichte. Alben wie Radio-Aktivität und Trans Europa Express lieferten die Initialzündung für Hip Hop und die moderne Clubkultur - ohne sie wäre der Pop heute nicht so wie er ist. In Kraftwerk - die unautorisierte Biographie erzählt David Buckley die Geschichte der Band - von ihren Anfängen als Krautrocker bis zur Aufnahme in den Kunstkanon durch Retrospektiven im MoMA und der Tate Modern. Für seine Recherchen sprach er mit ehemaligen Mitgliedern und zahlreichen Weggefährten. Das Ergebnis liefert einen nie dagewesenen Blick auf die Menschen, die von sich behaupten: 'Wir sind die Roboter.'

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Cover Mensch - Maschinen  - Musik

Uwe Schütte (Hrsg.): Mensch - Maschinen - Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk.

Erscheinungsdatum: 02.07.2018 - Verlag: C. W. Leske Verlag - Seitenzahl: 368

Neue, kenntnisreiche und kritische Perspektiven auf das künstlerische Projekt Kraftwerk, das die Band aus dem Kling-Klang-Studio in die bedeutendsten Museen der Welt führte, prägen die Beiträge dieses mit Dokumenten, Gesprächen und einem wiederzuent­deckenden Theaterstück angereicherten Essaybandes. Sie beleuchten entlang der Diskografie die zentralen Themen der jeweiligen Schaffensphasen und stilbildende Alben wie "Autobahn", "Die Mensch-Maschine" und "Computerwelt" in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext. Anhand werkübergreifender Aspekte verorten weitere Essays Kraftwerk als multimediales Phänomen im kulturgeschichtlichen Hallraum von Pop Art und Konstruktivismus, technischer Innovation und künstlerischer Avantgarde. Ein Gespräch zwischen Alexander Kluge und Max Dax, ein Interview von Olaf Zimmermann mit Ralf Hütter, historische Features über Kraftwerk und andere Dokumente und Texte erweitern den Band zu einer noch größeren Umschau

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Cover Wolfgang Flür Ich war ein Roboter

Wolfgang Flür: Ich war ein Roboter

Erscheinungsdatum: 11.01.2013 - Verlag: Fuego - Seitenzahl: 350

Als Pioniere des Elektronischen Minimalismus waren Kraftwerk in den 70er und 80er Jahren Vorbild unzähliger Bands von Depeche Mode bis OMD, The Prodigy und Fat Boy Slim. Mit Stücken wie "Autobahn", "Wir sind die Roboter" oder "Das Model" haben sie die Grenzen dessen durchbrochen, was man damals im Allgemeinen als Pop bezeichnete. 1973 fanden die Kraftwerk-Gründer Florian Schneider-Esleben und Ralf Hütter in Wolfgang Flür einen perfekten Drummer, der bis 1986 bei der Gruppe blieb. In diesem Buch, das hier in überarbeiteter und erweiterter Fassung vorliegt, berichtet er von seiner bewegten Zeit in einer der weltweit innovativsten Bands und erzählt aus seinem Leben, nachdem er von den Robotern Abschied genommen hat.

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Cover Karl Bartos Der Klang der Maschine

Karl Bartos: Der Klang der Maschine

Erscheinungsdatum: 25.08.2017 - Verlag: Eichborn - Seitenzahl: 665

"Das Modell", "Die Roboter", "Computerwelt" oder "Tour de France": Bei allen großen Hits von Kraftwerk war Karl Bartos als Komponist dabei. Mit seinem Einstieg im Jahr 1975 entwickelte das Düsseldorfer Quartett jene unverkennbare Soundarchitektur, die die Band weltweit so einflussreich machte. Kraftwerk waren Wegbereiter für Techno, House und auch Elektropop. In seiner Autobiografie erzählt Karl Bartos zum ersten Mal, was in den berühmten Kling Klang-Studios wirklich passierte, warum er die Band nach einem verlorenen Jahrzehnt 1990 verlassen hat und warum Kraftwerk heute ins Museum gehört.

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Cover Rüdiger Esch Electri_City

Rüdiger Esch: Electri_City

Erscheinungsdatum: 20.10.2014 - Verlag: Suhrkamp - Seitenzahl: 400

So wie New Orleans für Jazz und Blues gilt das Düsseldorf der 1970er und 80er als Mekka der elektronischen Popmusik. Hier schraubte »Kraftwerk« im legendären Klingklang-Studio an Klassikern wie »Autobahn« oder »Wir sind die Roboter«, hier schuf »Neu!« den Motorik Beat, hier brachte »DAF« den Sequenzern das Schwitzen bei. Und je größer der Abstand, nach Kilometern wie nach Jahren, umso mythischer erscheint der Ort. Rüdiger Esch, selbst Düsseldorfer und als Mitglied von »Die Krupps« Teil der Szene, beleuchtet deren Entwicklung von den Anfängen um 1970 bis zum Ende der analogen Phase um 1986. Und zwar sowohl von innen, als Spur aus exklusiven O-Tönen ihrer Protagonisten wie Wolfgang Flür (»Kraftwerk«), Bodo Staiger (»Rheingold«), Gabi Delgado (»DAF)«, Jürgen Engler (»Die Krupps«), Ralf Dörper (»Propaganda«), wie zugleich von außen, in exklusiven Statements von Giorgio Moroder, Ryuichi Sakamoto, Andy McCluskey (»OMD«), Martyn Ware (»The Human League«), Glenn Gregory (»Heaven 17«) u. v. a. nebst Dokumenten aus der Rezeptionsgeschichte. So wird sowohl die Wirklichkeit des Mythos wie die Wirklichkeit hinter dem Mythos sichtbar, die Weltmetropole des Modernismus genauso wie das Dorf in Düsseldorf.

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