Rezension: Der Fremde von Caitlin Wahrer

Normalerweise beleuchten Krimis und Thriller eher die Täterperspektive: Welches Motiv hat den Täter zum Mord bewegt? Mit welchem Beweis lässt er sich überführen? Der Fremde allerdings nimmt die Opferperspektive in den Fokus.

 

Cover Caitlin Wahrer: Der Fremde

Caitlin Wahrer: Der Fremde

Erscheinungsdatum: 01.06.2022 - Verlag: Heyne Verlag - Seitenzahl: 464

Als ihr Schwager Nick nach einem brutalen sexuellen Übergriff im Krankenhaus liegt, ist Anwältin Julia fassungslos. Der Zwanzigjährige hat mit physischen Verletzungen und einem massiven Trauma zu kämpfen – und Julias Mann Tony, der sein Leben lang wie ein Vater für Nick gesorgt hat, wird von Wut und Verzweiflung aufgefressen. Der Verdächtige wird schnell gefunden, doch er bestreitet Nicks Aussage. Gleichzeitig verschlechtert sich Nicks psychischer Zustand dramatisch. Julia bemüht sich, ihre Familie zusammen- und den ermittelnden Polizisten Detective Rice auf Abstand zu halten. Doch Tonys Rachegefühle geraten außer Kontrolle, er macht Julia immer mehr Angst. Und schließlich muss sie sich fragen, wie weit Tony gehen wird, um seine Familie zu beschützen …

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Rezension zu "Der Fremde" von Caitlin Wahrer:

Während im Krimi die Geschichte oft mit der Festnahme des Täters endet, fängt sie in Der Fremde quasi erst damit an. Als Nick bei einem One-Night-Stand vergewaltigt wird und dies zur Anzeige bringt, glaubt ihm die Polizei zunächst - bist klar wird, dass Nick homosexuell ist und sich alkoholisiert auf einen Fremden eingelassen hat. Der Fremde ist eloquent, wortgewandt und hat einen tadellosen Ruf. Es steht Aussage gegen Aussage und für Nick beginnt eine schwere Zeit, in der er nicht nur die Erlebnisse verarbeiten, sondern sich auch den öffentlichen Anschuldigungen gegen ihn stellen muss.

Ungewöhnlich erzählt ist der Thriller durch seinen Perspektivwechsel. Zwar ist Nicks Geschichte ein wichtiger Teil des Romans, eingeleitet wird er jedoch durch Nicks Schwägerin und den damaligen Ermittler bei der Polizei. Einige Jahre später ist der Polizist unheilbar an Krebs erkrankt und will ein letztes Mal mit der Frau, die Nick neben seinem Bruder am nächsten steht, die Ereignisse Revue passieren lassen. Stück für Stück kommt ans Licht, welche Rolle Nicks Familie in der ganzen Geschichte einnimmt und welche Versäumnisse auch bei der Polizei liegen.

All dies führt schließlich über verschlungene Wege zu einigen überraschenden Enthüllungen. Insofern ist Der Fremde zwar kein besonders nervenaufreibender, aber psychologisch durchaus geschickt konstruierter Thriller.

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