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2 Marseille Thriller: ​Commissaire Marquanteur und der wahnsinnige Kollege / und die Partitur des Sc

2 Marseille Thriller: ​Commissaire Marquanteur und der wahnsinnige Kollege / und die Partitur des Sc
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2 Marseille Thriller: Commissaire Marquanteur und der wahnsinnige Kollege / Commissaire Marquanteur und die Partitur des Schweigens Es war einer dieser Abende, an denen Marseille vorgibt, eleganter zu sein, als es ist. Links das schwarze Band des Meeres, rechts das aufpolierte Glas des MuCEM, dazwischen viel Licht, aufgesetztes Lachen, zu viele Parfums auf zu wenig Kubikmeter Luft. François und ich standen im Foyer, blickten auf eine Bucht von mobiltelefonierenden Pinguinen in Smoking und Abendkleid. Benefizgala, hieß es. Musik für das Meer, stand auf dem Plakat, und zehn Prozent der Einnahmen sollten an die Reinigungsflotte gehen, die das Treibgut... alles anzeigen expand_more

2 Marseille Thriller: Commissaire Marquanteur und der wahnsinnige Kollege / Commissaire Marquanteur und die Partitur des Schweigens







Es war einer dieser Abende, an denen Marseille vorgibt, eleganter zu sein, als es ist. Links das schwarze Band des Meeres, rechts das aufpolierte Glas des MuCEM, dazwischen viel Licht, aufgesetztes Lachen, zu viele Parfums auf zu wenig Kubikmeter Luft. François und ich standen im Foyer, blickten auf eine Bucht von mobiltelefonierenden Pinguinen in Smoking und Abendkleid. Benefizgala, hieß es. Musik für das Meer, stand auf dem Plakat, und zehn Prozent der Einnahmen sollten an die Reinigungsflotte gehen, die das Treibgut einsammelte, das andere Touristenstädte diskret verschwinden lassen. Die restlichen neunzig Prozent? Nun, man muss in Marseille nicht zynisch geboren werden – aber es spart Zeit.



„Ich habe eine Wette am Laufen“, flüsterte François. Sein Schlips saß, als hätte er ihn mit dem Lineal gebunden. „Dass der erste, der ‚eine Herzensangelegenheit‘ sagt, der Veranstalter ist.“



„Und ich wette, dass die Stradivari nicht echt ist“, erwiderte ich. „Zu viel Feuchtigkeit, zu viel Salz in der Luft. Dafür sind echte Millionäre zu geizig.“



Die Stradivari gehörte angeblich Adèle Kova, Wundergeigerin, Poster-Gesicht der Gala, mit einer Biografie, die nach Pressetext roch: Armenviertel in Budapest, Stipendium in Wien, Debüt in New York, und seit zwei Jahren jede Kulisse der Welt, die an Ehre, Scheinwerferlicht oder Spendenquittungen etwas hergab. Sie trug die Haare so streng wie die Presse die Adjektive: bravourös, hinreißend, beispiellos. Ich hatte mir ein Glas Wasser auf dem Tablett eines Kellners geschnappt, Feuer in der Kehle hatte ich genug, seit der letzte Bericht auf meinem Schreibtisch gelandet war. Aber heute Abend waren wir nicht dienstlich hier. Offiziell. Inoffiziell hatte Monsieur Marteau uns gebeten, „den Ton des Saals“ aufzufangen. Manchmal ist es ein Ton, der den Abend macht. Manchmal ist es der Ton, der ihn bricht.



„Da ist er“, sagte François. „Der Mann, der ‚Herzensangelegenheit‘ sagt.“

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