Die Erfindung der Chinesischen Mauer
Verteidigung, Grenze und Schutz
Die Chinesische Mauer gilt als Inbegriff monumentaler Baukunst – lang, gewaltig, scheinbar eindeutig. Doch was genau meint man, wenn von der Mauer die Rede ist? Tatsächlich handelt es sich nicht um ein einzelnes, in sich geschlossenes Bauwerk, sondern um ein Geflecht aus Befestigungen, das über Jahrhunderte hinweg unter wechselnden Dynastien entstand. Gestampfte Erde, Bruchstein, Ziegel; Abschnitte, die verfielen, andere, die neu errichtet wurden. Die verbreiteten Zahlen zu Länge und Ausdehnung beruhen auf modernen Vermessungen, nicht auf einer historischen Einheit. Das Monument, das heute als geschlossenes Band erscheint, war in Wirklichkeit stets Ausdruck situativer Entscheidungen – militärisch, politisch, ökonomisch.
Wer initiierte die ersten groß angelegten Bauprogramme, und wogegen richteten sie sich? Welche Rolle spielten nomadische Reitervölker im Norden, welche die Kontrolle von Handelsrouten? Jede Bauphase spiegelt ein spezifisches Verständnis von Grenze, Ordnung und Sicherheit. Die Mauer markierte nicht nur Territorium, sondern auch ein Denken in Innen und Außen. Sie war Signal- und Kommunikationssystem, Garnisonslinie, logistisches Experiment unter extremen Bedingungen.
Zugleich war sie Arbeitsort: für Soldaten, Bauern, Strafgefangene. Unterkunft, Versorgung und Materialtransport in entlegenen Gebirgs- und Steppenregionen prägten den Alltag jener, die sie errichteten. Heute wiederum ist die Mauer selbst schutzbedürftig – als nationales Symbol und als Weltkulturerbe. Zwischen Mythos und historischer Realität entfaltet sich so die Geschichte eines Bauwerks, das weniger Stein als politische Entscheidung ist: eine Linie in der Landschaft – und im Denken.
Lutz Spilker wurde am 17.2. des Jahres 1955 in Duisburg geboren.
Bevor er zum Schreiben von Büchern und Dokumentationen fand, verließen bisher unzählige Kurzgeschichten, Kolumnen und Versdichtungen seine Feder.
In seinen Veröffentlichungen befasst sich Lutz Spilker vorrangig mit dem menschlichen Bewusstsein und der damit verbundenen Wahrnehmung. Ihn fasziniert die Tatsache, dass zu jeder weiteren Sekunde neue Erkenntnisse existieren.
»Ich liebe die Sprache: Sie vermag zu streicheln, zu liebkosen und zu Tränen zu rühren. Doch sie kann ebenso stachelig sein, wie der Dorn einer Rose und mit nur einem Hieb zerschmettern.«
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- Artikel-Nr.: SW9783565253302110164
- Artikelnummer SW9783565253302110164
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Autor
Lutz Spilker
- Verlag epubli
- Seitenzahl 173
- Veröffentlichung 16.02.2026
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783565253302