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Mein Leben
Versuch einer Autobiografie
Als Leo Trotzkis Autobiografie 1929 erstmals erschien, wurde sie nicht nur als politisches Dokument, sondern auch als literarisches Meisterwerk anerkannt. Bertolt Brecht bezeichnete Trotzki in einem Gespräch mit Walter Benjamin als den »größten lebenden Schriftsteller«. Der renommierte Schriftsteller und Journalist Emil Ludwig schrieb im »Berliner Tageblatt«: »Ein großer Schriftsteller hat hier sein fantastisches Leben so geschildert, dass ich nicht begreife, warum man noch immer Romane liest oder gar schreibt.« Bis heute fasziniert das Buch durch seine erzählerische Kraft, seine Porträts, seinen Witz und seine dramatische Darstellung einer Epoche von Krieg, Revolution und Exil. Trotzki schildert sein Leben nicht als private Erinnerung, sondern als Teil der großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Die Neuauflage macht ein Werk zugänglich, das Literatur, Geschichte und Politik auf einzigartige Weise verbindet.
Vorwort zur deutschen Ausgabe
von David North
Vorwort
Janowka
Nachbarn, erste Schule
Familie und Schule
Bücher und erste Konflikte
Dorf und Stadt
Das Jahr der Wende
Meine erste revolutionäre Organisation
Meine ersten Gefängnisse
Die erste Verbannung
Die erste Flucht
Erste Emigration
Der Parteikongress und die Spaltung
Rückkehr nach Russland
1905
Prozess, Verbannung, Flucht
Die zweite Emigration und der deutsche Sozialismus
Vorbereitung zur neuen Revolution
Der Beginn des Krieges
Paris und Zimmerwald
Ausweisung aus Frankreich
Durch Spanien
In New York
Im Konzentrationslager
In Petrograd
Über die Verleumder
Vom Juli zum Oktober
Die Nacht, die entscheidet
»Trotzkismus« im Jahre 1917
An der Macht
In Moskau
Verhandlungen in Brest
Der Frieden
Ein Monat in Swijaschsk
Der Zug
Die Verteidigung Petrograds
Militärische Opposition
Meinungsverschiedenheiten über Kriegsstrategie
Der Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik und meine Beziehungen zu Lenin
Lenins Krankheit
Die Verschwörung der Epigonen
Der Tod Lenins und die Machtverschiebung
Die letzte Periode des Kampfes innerhalb der Partei
Verbannung
Die Vertreibung
Der Planet ohne Visum
Zu diesem Buch
Organisationen und Zeitungen
Personenverzeichnis
Register
Vorwort
Unsere Zeit ist reich an Memoiren, vielleicht reicher als jede frühere. Das kommt daher, weil es viel zu erzählen gibt. Das Interesse für Zeitgeschichte ist umso gespannter, je dramatischer die Zeit und je reicher sie an schroffen Wendungen ist. Die Kunst der Landschaftsmalerei konnte nicht in der Sa-hara entstehen. An der Wende zweier Epochen, wo wir stehen, hat man das Bedürfnis, auf den erst gestern vergangenen, aber schon so fernen Tag mit den Augen derer, die ihn aktiv miterlebt haben, zurückzublicken. Darin liegt wohl die Erklärung für die ungeheure Entwicklung der Memoiren-literatur seit dem letzten Krieg. Vielleicht ist hier auch die Rechtfertigung für das vorliegende Buch zu finden.
Schon die Möglichkeit, es zu schreiben, ist nur durch die Pause in der aktiven politischen Tätigkeit des Autors entstanden. Eine unvorhergese-hene, wenn auch nicht zufällige Etappe meines Lebens ist Konstantinopel geworden. Im Biwak– nicht zum ersten Mal in meinem Leben– harre ich hier geduldig dessen, was weiter kommen wird. Ohne eine Dosis »Fatalis-mus« wäre das Leben eines Revolutionärs überhaupt unmöglich. Jeden-falls ist die Konstantinopeler Pause der geeignetste Moment, Rückschau zu halten, bevor die Umstände es wieder erlauben, weiterzuschreiten.
Anfangs schrieb ich flüchtige autobiografische Skizzen für die Zei-tungen und dachte, mich damit zu begnügen. Ich möchte hier noch fest-stellen, dass ich in meinem Asyl keine Möglichkeit hatte, zu verfolgen, in welcher Gestalt diese Skizzen den Leser erreicht haben. Jede Arbeit aber hat ihre Logik. Ich kam erst in dem Augenblick in mein Thema recht hinein, als ich die Zeitungsartikel fast beendet hatte. Nun beschloss ich, dieses Buch zu schreiben. Ich nahm einen anderen, viel breiteren Maßstab und begann die Arbeit von Neuem. Die ursprünglichen Zeitungsartikel und das vorliegende Buch haben nur das gemein, dass beide den gleichen Stoff behandeln. Im Übrigen sind es zwei voneinander völlig verschiedene Werke.
Leo Trotzki wurde 1879 als Sohn jüdischer Bauern in der Ukraine geboren und schloss sich als Student der marxistischen Bewegung an. Er spielte eine führende Rolle in den Revolutionen von 1905 und 1917. Nach der Oktoberrevolution baute er die Rote Armee auf. 1923 gründete er die Linke Opposition, die den Kampf gegen die bürokratische Entartung der Sowjetunion führte, und 1938 rief Trotzki die Vierte Internationale ins Leben. 1940 wurde er im mexikanischen Exil von einem stalinistischen Agenten ermordet.
Trotzkis Ansehen als Schriftsteller war unbestritten. Selbst die »New York Times« räumte in einer ausführlichen Rezension ein: »Man kann von Trotzki als Theoretiker oder Revolutionär halten, was man will, seine außergewöhnlichen literarischen Fähigkeiten sind unbestreitbar, und die lebhaften Erfahrungen, von denen sein Leben geprägt war, verschaffen ihm eine Gelegenheit, sein literarisches Können von seiner besten Seite zu zei-gen.« Doch die Bedeutung von Trotzkis Autobiografie kann weder damals noch heute allein auf ihre literarische Brillanz zurückgeführt werden. Ihr bleibender Platz in der Weltliteratur ergibt sich vor allem aus der heraus-ragenden historischen Rolle ihres Verfassers. Trotzkis Leben war bestimmt von seiner entscheidenden Rolle bei der Oktoberrevolution von 1917, bei der Gründung des ersten Arbeiterstaates, beim Aufbau der Roten Armee und ihrem Sieg über die Konterrevolution sowie bei der Gründung der Kommunistischen Internationale.
Dieser einzigartige Aspekt wurde in zeitgenössischen Rezensionen von »Mein Leben« in Deutschland ebenso anerkannt wie in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Der renommierte Schriftsteller und Journalist Emil Ludwig schrieb im »Berliner Tageblatt«: »Ein großer Schriftsteller hat hier sein fantastisches Leben so geschildert, dass ich nicht begreife, warum man noch immer Romane liest oder gar schreibt.« Selbst diejenigen, die Trotzkis Politik ausdrücklich ablehnten, erkann-ten den außergewöhnlichen Charakter von »Mein Leben« an. Wolf Zucker, ein Weggefährte von Walter Benjamin, schrieb in der »Literarischen Welt«, dass »ich [›Mein Leben‹] unbedenklich das bedeutendste politische Werk des ersten Quartals dieses Jahrhunderts nenne…« Ähnlich äußerte sich der französische liberale Antimarxist Élie Halévy.
Nachdem er mit unverhohlener Bitterkeit seine Feindseligkeit gegenüber Trotzki betont hatte, räumte er dennoch ein: »Ungeachtet all dieser Vorbehalte stellt die Autobiografie eines solchen Mannes selbstredend ein wichtiges historisches Dokument mit Blick auf eine Vielzahl von Detailfragen dar.«4 In einer ausführlichen Rezension, die in der amerikanischen Zeitschrift »Current History« erschien, schrieb Alexander Bakshy, ein bekannter Theaterkritiker und Mitarbeiter von Eugene O’Neill, dass Trotzkis Memoiren »zweifellos ein historisches Dokument von außerordentlicher Bedeutung und zudem ein literarisches Meisterwerk der Biografiekunst darstellen, das in puncto brillanter Charakterisierung, beißendem Witz und mitreißenden Begebenheiten kaum seinesgleichen findet– ein Buch, das diejenigen, die die dramatischen Veränderungen im heutigen Russland studieren, nicht ungelesen lassen dürfen«.
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- Artikel-Nr.: SW9783886347490458270.1
- Artikelnummer SW9783886347490458270.1
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Autor
Leo Trotzki
- Verlag MEHRING Verlag
- Seitenzahl 670
- Barrierefreiheit
- Barrierefrei nach: EPUB Accessibility Spec 1.0 und WCAG Level A
- EAA Ausnahme: Kleinunternehmen
- Kommentar vom Verlag: Diese EPUB-Datei erfüllt die Anforderungen von EPUB Accessibility 1.0 auf dem Standard von WCAG 2.0 Level AA.
- ISBN 9783886347490