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Abschied von der Erinnerung

Zur Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust

Abschied von der Erinnerung
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Die extreme Rechte gewinnt in Deutschland stetig an Zustimmung. Die AfD hat sich in den Parlamenten fest etabliert; sie relativiert den Nationalsozialismus, verschiebt die Grenzen des Sagbaren und schreibt Geschichte um. Auch wenn Deutschland als durch die Erinnerung an den Nationalsozialismus geläutertes Land gilt, hat die Erosion der sogenannten Erinnerungskultur längst begonnen. Moralisch aufgeladene Floskeln verdrängen historisches Wissen und Urteilsfähigkeit. Erinnern löst sich von kritischem Geschichtsbewusstsein, dient imaginären Identitätskonstruktionen und befördert Erinnerungskämpfe. Vor diesem Hintergrund bedeutet Abschied von... alles anzeigen expand_more

Die extreme Rechte gewinnt in Deutschland stetig an Zustimmung. Die AfD hat sich in den Parlamenten fest etabliert; sie relativiert den Nationalsozialismus, verschiebt die Grenzen des Sagbaren und schreibt Geschichte um. Auch wenn Deutschland als durch die Erinnerung an den Nationalsozialismus geläutertes Land gilt, hat die Erosion der sogenannten Erinnerungskultur längst begonnen. Moralisch aufgeladene Floskeln verdrängen historisches Wissen und Urteilsfähigkeit. Erinnern löst sich von kritischem Geschichtsbewusstsein, dient imaginären Identitätskonstruktionen und befördert Erinnerungskämpfe. Vor diesem Hintergrund bedeutet Abschied von der Erinnerung vor allem, sich von Läuterungsgewissheit und Selbstzufriedenheit zu verabschieden und sich den Fallstricken des Erinnerns bewusst zu werden.

Dieses Buch ist ein Einspruch gegen ein Erinnern, das historisches Begreifen zugunsten entlastender Identifikation mit »den« Opfern und kollektiver Identität in den Hintergrund drängt. Historisches Erinnern sollte, so das Plädoyer Volkhard Knigges, an ein kritisches Geschichtsbewusstsein und wirksame Gesellschaftskritik gekoppelt sein. Er spricht in diesem Essay nicht nur als Historiker, hat er doch die konkrete Arbeit von KZ-Gedenkstätten in Deutschland geprägt wie kaum ein anderer.



Volkhard Knigge ist emeritierter Professor für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 1994 bis 2020 leitete er die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.



1 Blick zurück



2 Erinnern und begreifen



3 Kritik der Erinnerung



4 Wie Erinnern zur Formel wurde: Schlaglichter



5 Vom Erinnerungsort bis zur Globalisierung des Holocaust



6 Aufarbeitung und Geschichtsbewusstsein



7 Geschichtsbewusstsein



8 Erinnerung als Containerwort



9 Zwischen Wirklichkeit und Repräsentation



10 Über Erfahrung, Nachahmung und Mitgefühl



11 Alternativen



12 Ob man aus der Geschichte lernen kann



13 Politische Eingriffe



14 Sempúns Blumenstrauß



Literatur



Danke

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