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Die Zeitung

Ein Nachruf

Das Gerücht, dass die Zeitung gestorben sei, hält sich hartnäckig. "The Economist" veröffentlichte die Todesnachricht bereits am 24. August 2006: "Who killed the Newspaper?" fragte das renommierteste Nachrichtenmagazin der Welt auf der Titelseite. Eine Finanz- und Wirtschaftskrise später lebt sie immer noch. Aber es sind Untote, die den Markt bevölkern. Die großen Flaggschiffe der Gutenberg-Welt machen schon lange keine Gewinne mehr. Entweder verzehren sie das Vermögen ihrer Eigentümer-Stiftungen, oder sie werden zum Spielzeug russischer Oligarchen. Das Ende der Gutenberg-Galaxis ist unabwendbar, auch wenn sich die Zeitungsverleger noch... alles anzeigen expand_more

Das Gerücht, dass die Zeitung gestorben sei, hält sich hartnäckig. "The Economist" veröffentlichte die Todesnachricht bereits am 24. August 2006: "Who killed the Newspaper?" fragte das renommierteste Nachrichtenmagazin der Welt auf der Titelseite.

Eine Finanz- und Wirtschaftskrise später lebt sie immer noch. Aber es sind Untote, die den Markt bevölkern. Die großen Flaggschiffe der Gutenberg-Welt machen schon lange keine Gewinne mehr. Entweder verzehren sie das Vermögen ihrer Eigentümer-Stiftungen, oder sie werden zum Spielzeug russischer Oligarchen.

Das Ende der Gutenberg-Galaxis ist unabwendbar, auch wenn sich die Zeitungsverleger noch mit Mark Twains berühmtem Diktum trösten, wonach die Nachrichten von seinem Tod stark übertrieben seien.

Tageszeitungen verfügen über kein valides Geschäftsmodell mehr. Und sie werden keines finden, so lange ihre Eigentümer den absurden Versuch unternehmen, im Netz so weiterzumachen, wie sie es auf Papier gelernt haben. Das Prinzip Zeitung kann nur weiterleben, wenn die Medienunternehmer aufhören, sich an die gedruckte

Tageszeitung zu klammern. Ihr Versuch, sie nach den Regeln des skalenorientierten Industriekapitalismus am Leben zu erhalten, wird ihren Tod nur beschleunigen.

Nach der Zeitung ist vor der Zeitung. Die Rede von der "Gutenberg-Parenthese" macht das deutlich. Was jetzt kommt, war schon da, bevor der Siegeszug des gedruckten

Wortes begann: Das vielstimmige Gespräch von Menschen, die Interessantes zu erzählen haben, auf dem digitalen Marktplatz.



Michael Fleischhacker, geb. 1969, ist Journalist, bis Oktober 2012 war er Chefredakteur der Tageszeitung "Die Presse", zuvor hatte er in den Redaktionen des "Standard" und der "Kleinen Zeitung" gearbeitet.

Zu seinen Publikationen zählen u.a. Politikerbeschimpfung. Das Ende der 2. Republik (2008).

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  • SW272706

Ein Blick ins Buch

Book2Look-Leseprobe
  • Artikelnummer SW272706
  • Autor find_in_page Michael Fleischhacker
  • Autoreninformationen Michael Fleischhacker, geb. 1969, ist Journalist, bis Oktober 2012… open_in_new Mehr erfahren
  • Wasserzeichen ja
  • Verlag find_in_page Christian Brandstätter Verlag
  • Seitenzahl 208
  • Barrierefreiheit
    Aktuell liegen noch keine Informationen vor
  • ISBN 9783850337953

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