Das Spiel des Sports

Ein soziologischer Entwurf

In der öffentlichen Kommunikation sowie wissenschaftlichen Erforschung von Sportspielen lassen sich reduktionistische Fokussierungen ausmachen: Sie zielen auf Spielakteure und auf den Sport. Daraus resultiert eine reflexive Vernachlässigung oder gar Verdrängung des Spielerischen, des Spiels selbst. Außerdem – und das erstaunt – hat sich die Soziologie bislang nicht grundsätzlich, sondern lediglich peripher mit dem Spiel auseinandergesetzt. An diese beiden Kritikpunkte schließt die vorliegende soziologische Analyse und Theoriebildung an. Sie ist differenz- und strukturtheoretisch angelegt, paradigmatisiert das Spiel als ein Element der... alles anzeigen expand_more

In der öffentlichen Kommunikation sowie wissenschaftlichen Erforschung von Sportspielen lassen sich reduktionistische Fokussierungen ausmachen: Sie zielen auf Spielakteure und auf den Sport. Daraus resultiert eine reflexive Vernachlässigung oder gar Verdrängung des Spielerischen, des Spiels selbst. Außerdem – und das erstaunt – hat sich die Soziologie bislang nicht grundsätzlich, sondern lediglich peripher mit dem Spiel auseinandergesetzt.

An diese beiden Kritikpunkte schließt die vorliegende soziologische Analyse und Theoriebildung an. Sie ist differenz- und strukturtheoretisch angelegt, paradigmatisiert das Spiel als ein Element der Theoriekonstruktion und führt zur Konzeptualisierung sowie Durchführung eines viablen Untersuchungsprogramms. Der Autor klärt die epistemologischen Grundlagen und leistet eine feld-, figurations- und systemtheoretische Analyse des Sportspiels. Alle drei Zugriffe ermöglichen eine soziologische Konstruktion spielinterner Strukturgenesen und Strukturdynamiken. Deren perspektivische Öffnung wird über eine spiel-, gesellschafts- und evolutionstheoretische Erweiterung vorgenommen. Der zurückgelegte Untersuchungsweg erschließt die Voraussetzung, das Sportspiel im Sinne eines sich selbst erzeugenden, organisierenden und überindividuell prozessierenden Spiels ins Zentrum der Theoriebildung zu stellen.

Es geht nicht darum, wer warum wie spielt, sondern wie das Spiel sich selbst spielt. So lässt sich das soziologische Konzept einer selbstreferenziell und autonom im Systemrahmen von Sport evolvierenden Spielform begründen, vergleichbar einer sportiven Form autopoietischer Sozialität. Es ist ein Versuch, durch das Spiel des Sports hindurch das Sportspiel aufzuklären und zu verstehen.



Bero Rigauer war deutscher Basketballnationalspieler und von 1975 bis 2000 Professor für Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Oldenburg. Seit seiner Emeritierung ist er als Lehrbeauftragter für Sportsoziologie an der dortigen Universität tätig und setzt seine Forschungstätigkeit zu verschiedenen Themen gesellschaftlicher Differenzierungsprozesse im modernen Sport fort.



Wege zum Sportspiel 7

1 Eröffnungsspiel 9

1 1 Untersuchungskontext: Von Handlungen zu Strukturen 9

1 2 Forschungsansätze 11

2 Epistemologisches Grundlagenspiel 14

2 1 Paradigmatisches Einleitungsspiel 14

2 2 Vom Beobachten zur Konstruktion des Sportspiels 15

2 2 1 Alles, was wir über Sportspiele sagen, beruht auf

unseren Beobachtungen 15

2 2 2 Jedes Sportspiel ist die Konstruktion eines Beobachters 18

2 2 3 Von der Wirklichkeit zur Realität der Sportspiele 20

2 3 Soziologisches Spielziel 22

2 4 Vorläufiger Spielstand 23

3 Wie Sportspiele spielen – Feld, Figuration und System 25

3 1 Soziologische Feldtheorie: Lokomotionsspiele 29

3 1 1 Von der natur- zur sozialwissenschaftlichen Feldtheorie 29

3 1 2 Sportspiele – Lokomotionsspiele im sozialen Feld 35

3 1 3 Sportspiele – soziale Lokomotionsspiele 58

3 2 Soziologische Figurationstheorie: Interdependenzspiele 63

3 2 1 Soziologische Figurationstheorie 63

3 2 2 Sportspiele – Figuration und Konfiguration 73

3 2 3 Figurations- und Konfigurationsprozesse

im Sportspiel – eine Pilotstudie 85

3 2 4 Sportspiele – soziale Interdependenzspiele 105

3 3 Soziologische Systemtheorie: Interaktionsspiele 110

3 3 1 Soziologische Systemtheorie und Sportsoziologie 112

3 3 2 Ansätze systemtheoretischer Sportspielsoziologie 128

3 3 3Sportspiele – systemtheoretisch beobachtet

und untersucht 131

3 3 4 Sportspiele – soziale Interaktionsspiele 175

3 4 Das Sportspiel – operative Einheit sozial differenzieller

Lokomotionen, Interdependenzen und Interaktionen 187

3 4 1 Theoretischer Spielstand 187

3 4 2 Epistemologische Einheit im Differenzspiel 188

3 4 3 Die Einheit des Sozialen im Paradigmenspiel 192

3 4 4 Ein sportspielsoziologisches Gewinnspiel? 196

4 Das Spiel im Sport der Gesellschaft 201

4 1 Das Spiel im Sport – der Sport im Spiel 201

4 2 Das Sportspiel in der Gesellschaft 218

4 2 1 Die selbstorganisierte Umwelt des Sportspiels 220

4 2 2Konstitutive Sportspiel-Gesellschafts-Relationen 228

4 3 Sport-Spiel-Gesellschaft 289

4 3 1 Sportspiel im Gesellschaftsspiel 289

4 3 2 Sportspiel – Grenzspiel zwischen Autonomie

und Heteronomie 297

4 3 3 Sportspiel zwischen Tradition und Moderne 301

5 Einblicke in die evolutionäre Tiefe des Spielraums 306

5 1 Soziokulturelles Evolutionsspiel 306

5 2 Koevolutionsspiel 318

6 Sportspiel und kein Ende – Ausgang offen 326

6 1 Spielstand 326

6 2 Spiel-Nachbetrachtungen 330

6 2 1 Selbstverständnisse im Innen-Spiel 330

6 2 2 Fremdverständnisse im Außen-Spiel 335

6 3 Sportspiele – perspektivisch 340

Literaturverzeichnis 347



Ein Theorie-Buch durch und durch. Und als solches ein Beitrag zum sozialsystemischen Verständnis von Sportspielen auf einem hohem Abstraktionsniveau, das selbst trivialen Erkenntnissen eine sokratische Würde zu verleihen vermag: ›Alles was wir über Spiele wissen ist, dass wir nicht wissen, wie sie ausgehen…‹



Auf Grundlage seiner Lektüre lässt sich aufgeklärter darüber diskutieren, mit welchen Problemen sich eine soziologische Betrachtung der Spiel-Sport-Beziehung auseinandersetzen muss und wie eine historisch-soziologische Analyse dieser Beziehung aussehen könnte. Das zu begreifen ist wichtig, weil Rigauer mit seiner hier ausgeführten spielaffinen Sichtweise auf den Sport – die übrigens einen bemerkenswerten Kontrast zu seinem ersten Buch »Sport und Arbeit« (1969) bildet – keineswegs allein ist.

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