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Die germanische Blutsbrüderschaft

Ein typologischer und völkerkundlicher Vergleich

I. EINLEITUNG 11 Skizzierung der Belegsituation – relativ langes Fortbestehen der Blutsbrüderschaft in Skandinavien – Art und Beschaffenheit der Quellen – mögliche Ursachen für das Verschwinden der nordgermanischen Blutsbrüderschaft – keine prinzipielle Unverträglichkeit von Christentum und Blutsbrüderschaft – skandinavische Blutsbrüderschaft offenbar schon vor der Christianisierung im Schwinden begriffen – weitere Ursachen für die Seltenheit von Beschreibungen: bei etwas (noch) allgemein Bekanntem genügen Andeutungen – erst später: Darstellungen von Verbrüderungen als... alles anzeigen expand_more

I. EINLEITUNG 11

Skizzierung der Belegsituation – relativ langes Fortbestehen der Blutsbrüderschaft

in Skandinavien – Art und Beschaffenheit der Quellen – mögliche

Ursachen für das Verschwinden der nordgermanischen Blutsbrüderschaft –

keine prinzipielle Unverträglichkeit von Christentum und Blutsbrüderschaft

– skandinavische Blutsbrüderschaft offenbar schon vor der Christianisierung

im Schwinden begriffen – weitere Ursachen für die Seltenheit von Beschreibungen:

bei etwas (noch) allgemein Bekanntem genügen Andeutungen – erst

später: Darstellungen von Verbrüderungen als Legitimierung der Kenntnis der

Vorzeit – unmittelbare Hauptschwierigkeit bei der Erforschung der germanischen

Blutsbrüderschaft: Rekonstruktion des Rituals – Rasengang-Forschung

– verschiedene Formen „künstlicher“ Brüderschaft bei den Nordgermanen –

kaum voneinander abzugrenzen – Blutsbrüderschaft im Mittelpunkt – eine der

beiden Hauptaufgaben: Beschreibung und Deutung der germanischen Blutsbrüderschaft

– weltweite Verbreitung der Blutsbrüderschaft – Ausformung eines

Elementargedankens? – Vergleichbarkeit der Blutsbrüderschaften verschiedener

Kulturbereiche – zweite Hauptaufgabe: inwieweit ist die germanische

Blutsbrüderschaft „typisch“? (auf die germanische Blutsbrüderschaft bezogene

Typologie) – Verwendung von „typisch“ und „atypisch“ – Unsicherheitsfaktoren

in den ethnologischen Beschreibungen



II. BELEGSITUATION 23

A) Die germanischen Belege für Blutsbrüderschaft 25

Lokasenna, Str. 9 – Brot af Sigurðarkviðu, Str.17 – Völsunga saga, Kap. 28 u.

32 – Snorra Edda, Skáldskaparmál, Kap. 39 – Gísla saga Súrssonar, Kap. 6

– Saxo Grammaticus, Haddingssaga – Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana,

Kap. 6; Árán und Ásmundr – Þorsteins saga Víkingssonar, Kap.

21; Beli und Angantýr – Illuga saga Griðarfóstra, Kap. 1 – Die Belege germanischer

Blutsbrüderschaft in Tabellenform

B) „Künstliche“ Brüderschaft im heidnischen Skandinavien 46

Fóstbroeðra saga, Kap. 2 – Sörla Þattr, Kap. 4 – Saxo Grammaticus, Höginus

und Hithinus – Gull-Þóris saga, Kap. 2 – Þattr Orms Stórólfssonar, Kap. 6 –

Sturlaugs saga Starfsama, Kap. 13 – Haralds Rímur Hringsbana – Saxo Grammaticus,

Asmund und Asvit – Bjarnar saga hítdoelakappa, Kap. 29 – Þorsteins

saga Víkingssonar, Kap. 7; Viking und Njörfi – Þorsteins saga Víkingssonar,

Kap. 20, Þorstein und Beli – Snorri Sturluson: Magnúss saga blinda ok Haralds

Gilla, Kap. 3 – die Belege „künstlicher“ Brüderschaft in Tabellenform

– Blutsbrüderschaft in den Rechtsbüchern nicht erwähnt – Eidbrüderschaft

nur im Gulathingsrecht – Erwähnungen von „Brüdern“ auf Runeninschriften

– Begriffsbestimmung und mögliche Entwicklung der altnordischen Brüderschaftsterminologie

– eiðbróðir, svarabróðir, fostbróðir – félagi – Umstrukturierung

noch vor der Jahrtausendwende – Gilde und „Brüder“bünde – analoge

Entwicklung bei den Kelten und Südslawen – Existenz mehrerer Brüderschaftsformen

nebeneinander – als Parallele dazu: verschiedene Formen der

Wahlbrüderschaft auf dem Balkan – eiðbróðir und svarabróðir als Beispiele für

das Oberhandnehmen der „juristischen Perspektive“



III. TYPOLOGIE

A) VERGLEICHENDE UNTERSUCHUNGEN ZUM RITUAL

DER BLUTSBRÜDERSCHAFT 69

a) Das germanische Ritual der Blutsbrüderschaftsschließung 69

Blutmischung in Verbindung mit anderen rituellen Handlungen – Blut aus der

Innenfläche der Hand – „Wecken des Blutes“ – Vermischen des Blutes – Blutmischung

unter dem Rasenbogen – Blutmischung in der Fußspur – Sinn des

Blutmischens – Deutungsversuch des „láta renna blód í spor“ – Bluttrinken bei

den Germanen offenbar unbekannt – „ganga undir jarðarmen“ – Divergenzen

in den Quellen – die verschiedenen Anwendungsarten des Rasenganges und

die Prioritätsfrage – Bestrafung von Schuldigen durch das „ jarðarmen“ – Veranstaltung

des „ganga undir jarðarmen“ – Praktische Schwierigkeiten bei der

Ausführung – Deutungen des Rasengangrituals – K. Maurer – M. Pappenheim

und J. De Vries – Verhältnis von Fußspurenritus und Rasengang – Alter

und Entwicklung der Riten – schließen Rasengang und Fußspurenritus einander

aus? – Der Eidschwur und seine Problematik

b) Das Ritual der Blutsbrüderschaft –

Außergermanische Gegenstücke 95

unmittelbare Blutmischung durch Aufeinanderpressen der Wunden – „Trinken“

des Blutes durch wechselseitiges Aussaugen der Wunden – Blut in einem

Gefäß vermischt und pur getrunken – Vermischung des Blutes mit einem anderen

Stoff und nachfolgende – Blutmischung ohne jede – Vergleich mit dem

germanischen Blutsbrüderschaftsritual – Schlußfolgerung: atypischer Charakter

des germanischen Verbrüderungsrituals



B) BLUTSBRÜDERSCHAFT ALS SOZIALES PHÄNOMEN –

TYPOLOGISCH BETRACHTET

(TYPOLOGIE DER KONSEQUENZEN) 128

a) Rachepflicht 128

Erwähnungen der Rachepflicht bei den Nordgermanen – wichtigste Konsequenz

der nordgermanischen Blutsbrüderschaft – „absolute“ Gültigkeit – Umwandlung

der Rache – betrifft nur die Blutsbrüder selbst – Rachepflicht bei

den Südslawen – keine Erwähnung bei den Kelten – völkerkundliche Gegenstücke

– Schlußfolgerung

b) Totenfolge 133

Mitbegraben mit dem toten „Bruder“: Asmund und Asvit bzw. Ásmundr und

Árán – eine altirische Parallele: CúChulainn und Ferdiad – Totenfolge nach

Ausweis des völkerkundlichen Materials offenbar keine typische Konsequenz

der Blutsbrüderschaft – ein vereinzeltes Beispiel symbolischen Mitbegrabens

– Schlußfolgerung

c) Friedenstiftende bzw. Frieden bewahrende Funktion

der Blutsbrüderschaft 139

„Fostbrodersituation“- Beispiele für die „Fostbrodersituation“ mit unentschiedenem

Kampfausgang – die zweite Art der „Fostbrodersituation“: Verbrüderung

mit dem besiegten Gegner – Fälle, in denen die Situation durch den „fóstbroðir“

eines der beiden Kämpfenden herbeigeführt wird – völkerkundliche

Belege für die friedenstiftende Funktion der Blutsbrüderschaft – Blutsbrüderschaft

zwischen Bluträcher und Mörder – Blutmischung vor Racheexpeditionen

und Verschwörungen – friedenstiftende Funktion der Blutsbrüderschaft

kann als typisch gelten

d) Gütergemeinschaft (zur Frage der Frauengemeinschaft

und des Erbrechtes) 156

félag und fóstbroeðralag – völkerkundliche Gegenstücke zur Gütergemeinschaft

von Blutsbrüdern – Frauengemeinschaft – gegenteilige Belege – zur Problematik

des Erbrechts – Resümee

e) Verbindlichkeit der Blutsbrüderschaft 163

südslawische, keltische und außereuropäische Beispiele – Verwünschungen und

Beschwörungen als Teil des Verbrüderungsrituals – „automatische“ Bestrafung

im Falle eines Treuebruchs – Blutsbrüderschaft enger als die natürliche Brüderschaft

– Vererbung der Blutsbrüderschaft – nicht gehaltene Blutsbrüderschaften

– auch zufällig entstandene Blutsbrüderschaft ist gültig – Beispiele aus

Irland, Zentralafrika und Australien – absoluter Charakter des nordgermanischen

fóstbroeðralag

f) Blutsbrüderschaft und Familie 177

zum Verwandtschaftscharakter der Blutsbrüderschaft – Heiratsverbot zwischen

den nächsten Verwandten von Blutsbrüdern – vereinzelte Ausnahmen – „brüderlicher“

Charakter des Blutbundes – Mitglieder derselben Familie können

nicht Blutsbrüder werden – Heiratsverbot auch für die Kinder von Blutsbrüdern

– südslawische Beispiele für den Verwandtschaftscharakter der Blutsbrüderschaft

und das daraus entspringende Heiratsverbot – irische Beispiele für

das Heiratsverbot und den verwandtschaftlichen Charakter der Blutsbrüderschaft

– das nordgermanische fóstbroeðralag zog keine Heiratsbeschränkungen

nach sich



IV.

ZUR DEUTUNG DER GERMANISCHEN

BLUTSBRÜDERSCHAFT 191

fóstbroeðralag kein Hineingeborenwerden in die Familie – Familiennähe oder

Familienferne des nordgermanischen Blutsbrüderschaftsverhältnisses – Konfliktsituationen

zwischen Sippe und fóstbroeðralag: Hamletsage, Njörfi und

Viking, Nibelungenkreis – Ergebnis: Blutsbrüder standen einander näher als

ihren Verwandten – Rachepflicht betraf nur die Blutsbrüder selbst – Fehlen

des Heiratsverbotes in Skandinavien – germanische Beispiele für Ehen mit der

Schwester des Blutsbruders – Blutsbrüderschaft zwischen natürlichen Brüdern

und nahen Verwandten – deutliche Familienferne des fóstbroeðralag – zum

Begriff der „kultischen“ Brüderschaft – Beispiele für Brüderschaftsverhältnisse

aufgrund der Teilnahme an denselben Kulthandlungen – cognatio spiritualis

– Tod und Neugeburt beim Abschluß von Blutsbrüderschaften: bei englischen

Zigeunern, in Angola und auf Madagaskar – Blutmischung bei Initiationen in

Kultbünde – „Passage“-Charakter gewisser Blutriten – volkskundliche Parallelen

zum Rasengang: Heilriten des Durchkriechens etc. – Rituelle Neugeburt

aus der Erde auf dem Balkan – Auflegen von Rasenstücken in magischen Praktiken

des Volksaberglaubens und in Sagen – Fähigkeit, Unsichtbares zu sehen –

grundlegende Wandlung durch den Eintritt unter die Erde: höhere Begabung

– Verstehen der Vogelstimmen – Eintritt unter die Erde als Eintritt in eine höhere

Seinsform – fóstbroeðr als Söhne einer spirituellen Macht – Odin und das

fóstbroeðralag – Odin als Stifter und Beschirmer von Blutsbrüderschaften – zur

Strophe 9 der Lokasenna – fóstbroeðralag nicht nur ein individuelles Verhältnis

– vorchristliche skandinavische „Brüder“-Bünde: Rökstein, Bären-Brüder der

Gesta Danorum, andere Runensteine – Odin, Gott der Bünde – unterschiedliche

Anzahl von fóstbroeðr – die Teilnehmerzahl gestattet keine Trennung zwischen

dem fóstbroeðralag und umfassenderen Brüderscharen – Anführer von

Brüderscharen zugleich Bruder unter Brüdern – Odin als Patron von Einzelmenschen

– Odin als „fóstri“ der fóstbroeðr – Bedeutungsambivalenz von an.

„fóstbroðir“ – Etymologie der entsprechenden Wortfamilie – Beispiele für die

Doppelbedeutung – Versuche, sie zu erklären – fóstbroeðralag als Brüderschaft

„in“ Odin? – Christliche Entsprechungen – Gründe für die Familienferne des

fóstbroeðralag und das Fehlen von Heiratsbeschränkungen – Zusammenfassung



Bibliographie 228

Sachverzeichnis 242

Autorenverzeichnis 249



Unter Blutsbrüderschaft wird ein in vielen Völkern verbreitetes Ritual bezeichnet bei dem durch das Vermischen von Blut ein verwandtschaftsähnliches Verhältnis zwischen den Beteiligten geschaffen wird. Leopold Hellmuth beschreibt und erklärt in diesem Buch die nordgermanische Form der Blutsbrüderschaft, die eine besondere Nähe zur Person und zum Kult Odins aufwies.



Neben den verschiedenen nordischen Quellen untersucht der Autor die einzelnen Elemente dieses Rituals und die damit verbundenen sozialen Konsequenzen (Rache, Totenfolge, Frieden, Erbrecht). Zudem vergleicht er die Merkmale der nordgermanischen Blutsbrüderschaft mit denen anderer Völker, um deren Gemeinsamkeiten wie die symbolische Blutmischung, aber vor allem deren Besonderheiten herauszuarbeiten, deren spiritueller Charakter und Familienferne.



Dieses Werk liefert somit nicht nur die bloße wissenschaftliche Darstellung der historischen germanischen Blutsbrüderschaft, sondern macht diese für die Moderne wieder praktisch greifbar.

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