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Hitchcocks erster Film
Die Ouvertüre zu Alfred Hitchcocks filmischem Werk und der Schlüssel zu seiner Poetik
Der Geschlechterkampf bestimmt Alfred Hitchcocks Werk. Vordergründig gesehen handeln seine Filme von Verschwörungen, Intrigen und Spionagefällen, davon, dass ein Unschuldiger verfolgt wird oder dass Vögel eine Kleinstadt angreifen. All dies bildet jedoch nur den Rahmen für eine Liebesgeschichte – sie ist es, worum es in seinen Filmen eigentlich geht. Doch sobald sich die Hitchcockschen Frauen und Männer ineinander verlieben, beginnt ihr Kampf gegeneinander, wie an einer Vielzahl seiner Filme gezeigt wird. Den Schlüssel dazu liefert Hitchcocks Regiedebüt IRRGARTEN DER LEIDENSCHAFT (THE PLEASURE GARDEN, 1925). Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Oliver Sandys, einer rassistisch grundierten Schmonzette, deren ›werkgetreue‹ Verfilmung Hitchcock am Beginn seiner Karriere hätte diskreditieren können. Doch der Film gibt dem Romanstoff eine völlig andere Richtung. Aus der Überarbeitung der literarischen Vorlage resultieren mit dem Geschlechterkampf nichts weniger als das Thema, wesentliche Figurentypen und -konstellationen sowie etliche Motive, die Hitchcock in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder aufgreift, variiert und denen er stets neue Aspekte abgewinnt. Dem entsprechend prägt sein erster Film bekannte Klassiker wie DAS FENSTER ZUM HOF (REAR WINDOW, 1954), VERTIGO (VERTIGO, 1958), DER UNSICHTBARE DRITTE (NORTH BY NORTHWEST, 1959), PSYCHO (PSYCHO, 1960) oder DIE VÖGEL (THE BIRDS, 1963). Weiter lässt sich mit diesem Ansatz zeigen, weshalb ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA (TO CATCH A THIEF, 1955) eine Sonderstellung in Hitchcocks Werk einnimmt. Zu Beginn der Analyse wird die Frage erörtert, inwiefern Hitchcocks erster Film überhaupt als sein Film im Sinne von Autorschaft gelten kann. Das führt zu den Entstehungsbedingungen von IRRGARTEN DER LEIDENSCHAFT und Hitchcocks prägenden Aufenthalt in Berlin. Dort konnte er in den Babelsberg-Studios den deutschen Regisseur F.W. Murnau bei der Arbeit beobachten und hatte in einem Hotelzimmer ein lesbisch-exhibitionistisch-voyeuristisches Erlebnis, auf das zentrale Sequenzen von mindestens acht seiner Filme zurückgehen. Aus dem Erlebnis lässt sich ein Strukturmodell ableiten, in dem Sex und Mord analog behandelt werden und das die Ebenen von Ansehen – Angesehen-werden – Beim-Ansehen-angesehen-werden strukturiert. Die Abhandlung macht weiter deutlich, dass Hitchcocks Werk im Spannungsfeld von Misogynie und aufgeklärter Liberalität steht. Besonders augenfällig wird dies daran, dass das Gemälde DIE GEB
Vordergründig gesehen handeln Hitchcocks Filme von Verschwörungen, Intrigen und Spionagefällen, davon, dass ein Unschuldiger verfolgt wird oder dass Vögel eine Kleinstadt angreifen. Doch eigentlich geht es um den Geschlechterkampf.
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- Artikel-Nr.: SW9783929844412458270
- Artikelnummer SW9783929844412458270
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Autor
Konrad Kirsch
- Verlag konrad kirsch verlag
- Barrierefreiheit
- Keine Angabe: Keine Informationen zur Barrierefreiheit bereitgestellt
- ISBN 9783929844412