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Perzeptives Sprechen
Wie der Mensch dazu kam, Dinge nicht zu sehen
Wiedererkennen ist für Systeme des Perzipierens die primäre Funktion. Dazu dienen neurale Muster, die überdies erinnerbare Erfahrungen ordnen und im Hinblick auf aktuell verlangte, angemessene Reaktionen erschliessen. Vor etwa 2,5 Millionen Jahren entwickelte sich, wohl kongenial mit dem Produzieren von Werkzeugen, bei Homininen ein kategorial neuer Modus: sprechbewusstes Perzipieren. Der Modus ‹sprechbewusst› zeitigt grosse Konsequenzen: Er dissoziiert die sensobasiert-holistischen Perzepte der Realität in analytische Narrative; er erlaubt, unabhängig von aktuellen Perzepten zu erinnern, zu planen und sich nicht nur «Dinge» vorzustellen, sondern neu auch «Sachverhalte» zu denken; er konstituiert soziale «Welten»; er ermöglicht die Teilhabe an Erfahrungen und Erinnerungen anderer, was zu einem kollektiven Schatz an Wissen führt. Eine wichtige Einsicht: Verbalisiert-bewusstes Perzipieren alias perzeptives Sprechen entwickelte sich nicht, um ein Bedürfnis nach Kommunikation zu befriedigen, sondern primär, um Lebewesen in ihren Bemühungen zu überleben zu unterstützen.
Robert H. Gassmann ist emeritierter Ordinarius für Sinologie der Universität Zürich. Er verfasste Studien zur antikchinesischen Sprache (Grundstrukturen der antikchinesischen Syntax, 1997) und Kultur (Menzius, 2016); aktuell geht er philosophischen (Sinn und Wert, 2017) und anthropologischen Grundfragen nach.
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Vorbestellerartikel: Dieser Artikel erscheint am 11. Mai 2026
- Artikel-Nr.: SW9783796554698110164
- Artikelnummer SW9783796554698110164
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Verlag
Schwabe Verlag (Basel)
- Veröffentlichung 11.05.2026
- ISBN 9783796554698
- Veröffentlichung 11.05.2026