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"Es klang so alt und war doch so neu"
Aspekte der musikalischen Wagner-Interpretation 1976 bis 2026
Dass und wie sich die Wagner-Bühne seit dem 100-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele 1976 verändert hat, wurde und wird lebhaft diskutiert. Was dabei oft zu kurz kommt, sich in den letzten 50 Jahren aber nicht weniger gewandelt und aufgefächert hat, ist die musikalische Interpretation.
Das Thema ist weiter gefasst, als es auf den ersten Blick scheint. Es schließt das Musikhören ein, das Verhältnis von Hören und Sehen, damit auch und vor allem Wandlungen der ästhetischen Wahrnehmung. Es regt zu methodischer Vielfalt an, ermöglicht aufführungsanalytische und diskursbezogene Zugänge, berührt Ideengeschichte, Quellenforschung und neue Wege der klangbasierten Interpretationsforschung. Die Bayreuther Festspiele sind dabei ein wichtiger Bezugspunkt, doch reichen die Analysen darüber hinaus.
Mit Beiträgen von Frithjof Bömcke-Vollmer, Julian Caskel, Richard Erkens, Dominik Frank, Rebecca Grotjahn, Tobias Janz, Simon Kranz, Gundula Kreuzer, Stephan Mösch, Christian Schaper, Thomas Seedorf, Robert Sollich, Arne Stollberg, David Trippett und Friederike Wißmann.
Stephan Mösch lehrt als Professor für Ästhetik, Geschichte und Künstlerische Praxis des Musiktheaters an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Er ist Autor im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und verfasst regelmäßig Beiträge für Rundfunkanstalten der ARD.
Christian Schaper vertritt seit 2022 eine Professur für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Forschung u. a. zum Musiktheater (Wagner, Strauss) sowie zu musikalischer Form und Interpretation. Seit 2016 Leiter der Online-Edition "Ferruccio Busoni – Briefe und Schriften".
Thomas Seedorf ist seit 2006 Professor für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Im Zentrum seiner Forschungsinteressen stehen Liedgeschichte und -analyse, Aufführungspraxis sowie insbesondere Theorie, Ästhetik und Geschichte des Kunstgesangs. Er ist Projektleiter der Neuen Schubert-Ausgabe, Mitherausgeber der Reger-Werkausgabe sowie Vorsitzender der Internationalen Händel-Akademie Karlsruhe. Zuletzt erschienen von ihm die Monografie "Enrico Caruso. Tenor des Jahrhunderts" (München 2022) sowie der Band "Tenorissimo. Geschichte und Gegenwart Enrico Carusos" (München 2023).
Einleitung
I. Übergreifende Aspekte der Wagner-Interpretation
- Stephan Mösch: "Clarté des Geistes". Über Wunschvorstellungen, latente Traditionen und die Rolle von Pierre Boulez bei den Bayreuther Festspielen
- Robert Sollich: "Chéreaus Singschauspieler Nummer eins" oder "die Würde des Natürlichen". Von der Entdeckung des 'Sängerdarstellers' auf der Wagner-Bühne der 1970er Jahre
- Friederike Wißmann: Wagners Idee von Weiblichkeit als interpretatorischer Ansatz
II. Wagner-Gesang
- Richard Erkens: Im Erbe von Giuseppe Kaschmann. Zur Rezession des 'italienischen' Wagner-Gesangs nach 1976
- Rebecca Grotjahn: "Das ist kein Mann!". Der Heldentenor im postheroischen Zeitalter
III. "Der Ring des Nibelungen"
- Tobias Janz: Wagners "Ring" zwischen Heroismus und Postheroismus. Lesarten der Waltraute-Szene im interpretationsgeschichtlichen Vergleich
- Arne Stollberg: Wenn der Wald nur im Orchester klingt. Natur, Naturverweigerung und 'Atmosphäre' in "Ring"-Produktionen seit 1976
- David Trippett: Siegfrieds Animalität
- Dominik Frank: Wagners Redundanz und unsere "Peinlichkeitsgrenze". Zum Umgang mit Wagners musikdramatischem Prinzip der Verdreifachung im Regietheater und in historisch informierter Aufführungspraxis
- Thomas Seedorf: "Wagner-Lesarten" / "The Wagner Cycles". Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" in historisch informierter Aufführungspraxis
IV. Tannhäuser – Meistersinger – Parsifal
- Paul Simon Kranz / Frithjof Bömcke-Vollmer: Venus' Erlösung, Elisabeths Verführung. Zur musikalischen Inszenierung von Verlangen im Bayreuther "Tannhäuser" 1972/1978 und 2011/2014
- Christian Schaper: "Die Zeit, die ich hier verweil', ich kann sie nicht ermessen". Bayreuther "Tannhäuser"-Aufführungen 1972–2024 in den Metriken softwaregestützter Tempoanalyse
- Julian Caskel: Beckmessers Implikationen – Beckmessers Realisierungen
- Gundula Kreuzer: Kundry schreit, Cosima schreibt. Zur Expressivität von Wagners letzten Frauen
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- Artikel-Nr.: SW9783689301156110164
- Artikelnummer SW9783689301156110164
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edition text + kritik
- ISBN 9783689301156