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Zulassung, Prüfung, Zertifizierung
Zum Strukturwandel höherer Musikausbildung
Mit der Institutionalisierung höherer Musikausbildung gingen seit jeher auch Bestrebungen einher, Zugänge und Abschlüsse durch Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren zu regulieren. Das Buch rekonstruiert die Geschichte dieser Regulierungsbestrebungen, deren Ursachen und Folgen, die damit verbundenen Interessen und Debatten vom frühen 19. Jahrhundert bis in die NS-Zeit.
Welche Interessen und Hoffnungen verbanden sich mit der Einführung von Zulassungs-, Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren? Welche mit ihrer Verhinderung? Welche Rolle spielten dabei staatliche Akteure, Ausbildungsinstitutionen und berufsständische Interessengruppen? In welchem Verhältnis stand die strukturelle Organisation höherer Musikausbildung zu sich wandelnden Auffassungen von staatlicher Kultur- und Bildungspolitik?
Zulassung, Prüfung und Zertifizierung erweisen sich dabei als Strukturmerkmale, an deren Entwicklung sich ein grundlegender Wandel des Verhältnisses der Musik zum öffentlichen Bildungswesen ablesen lässt. Ihre Regulierung diente als Hebel, Ausbildung und Berufszugang zu steuern und umzugestalten, erzeugte jedoch auch immer wieder Ambivalenzen und Reibungsflächen zwischen Normierungsbedürfnissen und Verständnissen von Musik als Kunst. Die Geschichte der Musikausbildung erscheint so aus einer neuen Perspektive. In deren Mittelpunkt stehen die rechtlichen und verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen, unter denen sich spezifische Vorstellungen von musikalischer Bildung und professioneller Musikausbildung, von Kunst und Kunstlehre sowie von Prüf- und Lehrbarkeit herausbilden konnten.
David Hagen ist Musikwissenschaftler und war Koordinator der Initiative "Akademisierung der Künste" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er forscht zur Institutions- und Sozialgeschichte höherer Musikausbildung, zur Geschichte der Musikwissenschaft sowie zur Musikästhetik.
Einleitung: "Regulative"
I. Institutionen
1. Höhere Bildung und Bildungszugang
Musik als Bildung: Legitimierung, Institutionalisierung, Curricularisierung
Zulassungsregeln: Aus- und Einschlüsse
2. Adolf Bernhard Marx, die Universität und das Berechtigungswesen
Höhere Musikausbildung als Berechtigungswesen: zwei Programme, 1810/1832
Musik an Universitäten: Möglichkeiten und Grenzen von Karrierewegen
3. Staat und Zivilgesellschaft: Debatten um 1848
Interessen an einer Neuorganisation der "Kunst-Angelegenheiten"
Forderungen nach einem staatlichen Konservatorium und die Figur des "Musik-Beamten"
4. Eine Hochschule für Musik?
Der Hochschulbegriff in der Diskussion um 1848
Hochschulgründung 1869
Zwischen Begriff und Sache: Aspekte des Hochschulbegriffs um 1869
5. Abschlüsse, Prüfungen, Zeugnisse
Institutionelle Eigenheiten und Ausdifferenzierung des Zertifizierungswesens
Zur Bedeutung musikspezifischer Abschlüsse und Zeugnisse im Kontext individueller Bildungswege
6. Kunst und/oder Bildungsaufstieg
Bildende Kunst und Musik: Ausbildungslandschaft und Debatten im Vergleich
Fazit: Musik als Kunst und Bildungsweg
II. Staatsprüfungen
1. "Hebung des Standes"
Verbandsgründungen und Professionalisierungsstrategien von Musiklehrkräften um 1880
Staatliche Prüfungen: Rechtslage und erste Ansätze
2. Musiklehrerinnen
Zertifizierung als emanzipatorisches Projekt
Neue Ansätze und Petitionen zur Einrichtung staatlicher Prüfungen, 1901–1907
3. Verbandsprüfungen und Kongresse, 1903–1911
Musikpädagogischer Verband und Musikpädagogische Kongresse
Centralverband Deutscher Tonkünstler und Tonkünstlervereine
Verbandsprüfungen und Bildungsvoraussetzungen
4. Staatliche Eingriffe: 1907–1914
Reformen im Bereich des schulischen Gesangunterrichts
Wachsende Reformbereitschaft im Bereich des privaten Musikunterrichts
5. Auf dem Weg zum "Privatmusikerlass": 1918–1925
Synergien und Irritationen: Staat und Verbände 1921–1925
Architektur des Privatmusikerlasses von 1925
6. Das "künstlerische Lehramt"
Gleichstellung von Kunst und Wissenschaft: Qualifikation und Besoldung im höheren Lehramt
(Unerwünschte) Nebeneffekte: Ausbildungsreform und Stellenversorgung
7. "Freie Kunstlehre"? Die Diskussion um den Privatmusikerlass
Erziehung vs. Kunstlehre – Konzession vs. Freiheit
Ist Lehrbefähigung prüfbar und wenn ja, wie?
8. Anerkennung als behördliche Praxis, 1925–1930
Umsetzung und Konsolidierung der staatlichen Prüfungen
Dynamiken der Vergleichbarkeit: Statushierarchien und Verfahren staatlicher Anerkennung infolge des Privatmusikerlasses
Fazit: Prüfung und Zertifizierung von Musiklehrkräften zwischen staatlichen und berufsständischen Gestaltungsansprüchen
III. Normierungsdynamiken
1. Musikhochschulen in der Weimarer Republik
Staatliche Prüfungen und ihre Folgen auf die Hochschullandschaft
Musikhochschulen und wissenschaftliche Hochschulen: Zugang und Abschluss als Differenzkriterien
2. Verrechtlichung des Privatunterrichtswesens
Prüfungs- und Seminarwesen: Vereinheitlichungstendenzen um 1930
Regulierung des privaten Musikunterrichtswesens im NS
3. Entprivatisierung und Verstaatlichung: Musikausbildung im NS-Staat
Institutionen: Akademie, Musikhochschulen, Reichserziehungsministerium
Zwischen An- und Aberkennung: Kodifizierung und Umdeutung des Hochschulbegriffs
Segmentierungs- und Lenkungsbestrebungen: Das Musikerziehungswesen als "geschlossener Komplex"?
Epilog: Das Besondere im Allgemeinen?
Anhang
Abkürzungen und Kurzformen
Literaturverzeichnis
Archivalische Quellen
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Dank
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- Artikel-Nr.: SW9783689302054110164
- Artikelnummer SW9783689302054110164
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Autor
David Hagen
- Verlag edition text + kritik
- Seitenzahl 370
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783689302054
- Verlag edition text + kritik