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Weibliche Subjektivierung im Übergang zur Moderne
Eine rekonstruktive Fallstudie zu historischer Biographisierung und ihr Potential für qualitative Bildungsforschung
Was bedeutet Subjektwerdung als Frau im Übergang zur Moderne? Am Beispiel von der brandenburg-preußischen Prinzessin und anhalt-dessauischen Fürstin Louise von Anhalt-Dessau (1750–1811) rekonstruiert das Buch Prozesse weiblicher Subjektivierung in der Sattelzeit. Auf Basis bislang kaum erschlossener Archivquellen verbindet die Autorin sozialwissenschaftliche Biographieforschung mit bildungstheoretischen Fragestellungen.
1. Einleitung
1.1 Biographie als leitende Perspektive der Fallstudie zu Louise von Anhalt-Dessau und ihre Programmatik
1.2 Zur theoretischen und empirischen Bestimmung von Bildung im biographischen Fall
1.3 Pointierung des Forschungsinteresses und Aufbau der Arbeit
2. Zentrale empirische Perspektiven auf Frau im historischen Kontext der „Sattelzeit“
2.1 Die Durchsetzung der weiblichen Dreifachrolle im aufkommenden Bürgertum
2.2 Autonomie und Pflicht als Größen des zentralen Spannungsverhältnisses weiblichen Lebens im 18. Jahrhundert
2.3 Die Besonderung der Frau in der Entwicklung der Humanwissenschaften. Differenzierung und Entdifferenzierung in den Wurzeln der Bestimmung des Menschen
3. Fragestellung, methodologische Grundlagen und methodische Anlage der Fallstudie
3.1 Einführung in den Fall Louise und die Materialität der Quelle Tagebuch
3.2 Bisherige Konstruktionen der Biographie von Louise von Anhalt-Dessau
3.2.1 Louise als Gescheiterte: ihre Rolle bei der Landesregierung
3.2.2 Louise als Gescheiterte: ihre Kränklichkeit
3.2.3 Louises Leben als Vollendung aufklärerischer Ideale
3.3 Biographie als Gegenstand und Methode sozialwissenschaftlicher Forschung
3.3.1 Historische Entwicklung und Grundlagen des Konzepts Biographie aus sozialwissenschaftlicher Perspektive
3.3.2 Biographie als modernes Deutungsmuster
3.3.3 Biographizität: Vermittlung zwischen Subjektivität und Struktur
3.4 Phänomenologische Fundierung der sozialwissenschaftlich orientierten Analyse von Biographie
3.4.1 Verstehen und Sinn in der verstehenden Sozialwissenschaft
3.4.2 Verstehen der Vorwelt als Problem der Historiographie
3.4.3 Der Einbezug von Gesellschaftsgeschichte in biographische Analysen
3.5 Methode und Methodologie der rekonstruktiven Fallstudie: Rosenthals Konzepte der erlebten und erzählten Lebensgeschichte als methodischer Zugang zu Biographie als sozialem Gebilde
3.5.1 Prinzipien der biographischen rekonstruktiven Fallanalyse nach Rosenthal
3.5.2 Analytisches Vorgehen
3.5.3 Grenzen der methodischen Übertragbarkeit auf eine geschriebene Lebensgeschichte im Tagebuch
3.5.4 Modifikation der Analyse für die Rekonstruktion der erlebten und geschriebenen Lebensgeschichte in den Tagebüchern
3.6 Grundannahmen und Methode der Objektiven Hermeneutik
3.6.1 Zentrale Begriffe der Objektiven Hermeneutik
3.6.2 Das Konzept der Lebenspraxis: Krise und Routine in ihrer Bedeutung für die Objektive Hermeneutik
3.6.3 Die Prinzipien der Objektiven Hermeneutik
3.6.4 Der methodische Ablauf der sequenzanalytischen Interpretation
3.6.5 Objektiv-hermeneutische Perspektiven auf biographische Fallrekonstruktionen
4. Das relationale Gefüge von Selbst und Welt als Heuristik eines methodischen Zugriffs auf Bildungsprozesse im biographischen Verlauf
4.1 „Anderswerden“: Grundannahmen eines transformatorischen Bildungsverständnisses
4.1.1 Das zentrale Moment der Veränderung in transformatorischer Bildungstheorie
4.1.2 Bildungsanlässe zwischen subsumtionsresistenter Erfahrung und Krise
4.2 Zum Begriff Welt- und Selbstverhältnis in der transformatorischen Bildungstheorie
4.3 Diskurslinien von Bildung, Subjektwerdung und Subjektivierung
4.4 Von der Theoretisierung des Subjekts zur empirischen Rekonstruktion von Selbst- und Weltverhältnissen: Eine Heuristik zur Erhebung von Selbst und Welt und ihrer relationalen Bezogenheit
4.4.1 Die Operationalisierung des Selbstverständnisses: Menschenbildannahmen als Schlüssel zum Konzept des Selbst
4.4.2 Anschauungen und Bilder von Welt: Zur Operationalisierung des Konzepts Weltverständnis
4.4.3 Zur Relationalität im Selbst- und Weltverhältnis
5. Die Lebensgeschichte der Fürstin Louise als biographischer Fall. Eine Rekonstruktion ihres erlebten und geschriebenen Lebens
5.1 Die Jahre 1750-1782: Mutterschaft als Bedingung der Subjektwerdung
5.1.1 Verbannung der Mutter im ersten Lebensjahr von Louise
Exkurs I: Das Fehlen von ‚Mutterliebe‘ als maßgeblicher Faktor der Eltern-Kind-Beziehung im frühen 18. Jahrhundert
5.1.2 Beginn des Siebenjährigen Krieges
5.1.3 Vorstellung des angedachten Ehemanns und Abschied von der Schwester
5.1.4 Hochzeit und Umzug nach Dessau
5.1.5 Erste Ehejahre
5.1.6 Geburt des Kindes
5.1.7 Erste gemeinsame Reise (in die Schweiz)
5.1.8 Mutterschaft und Ehe im Kontext der ersten Reisetagebücher
5.2 Die Jahre 1783-1794: Orientierungsverlust als Ausgangspunkt einer Sinnsuche
5.2.1 Krisenhafte Entwicklungen in der Ehe
5.2.2 Perspektiven auf Mutterschaft im Zeitraum der anklingenden Ehekrise
5.2.3 Eheliche Trennung
5.2.4 Entwicklungen in den ersten Jahren nach der Trennung
5.2.4.1 Wiederkehrende Initiativen, die häuslichen Lebensumstände zu ändern
Exkurs II: Das Luisium
5.2.4.2 Beginn und Ausweitung selbständiger Reisetätigkeiten
Exkurs III: Die Beziehung von Louise zu Johann Caspar Lavater in Schlaglichtern der brieflichen Korrespondenz um Louise
Exkurs IV: Louises landesfürstliches Engagement im Kontext aufklärerischer Bestrebungen
5.2.5 Der Kontakt zu Friedrich Matthisson: Beginn einer Freundschaft in Dienstverhältnissen
5.2.6 Ausweitung von privater und geselliger Lektüre (in der biographischen Darstellung)
5.3 Die Jahre 1795-1811: Krisenhafte Einsicht in das Fehlen der eigenen Bestimmung
5.3.1 Die Italienreise und ihre Einflüsse auf die sozialen Beziehungen Louises
Exkurs V: Louises Beziehung zu Johann Reichardt
5.3.1.1 Das Fehlen von Liebe als zentraler Aspekt in der reflexiven Selbstbetrachtung während der Italienreise
5.3.1.2 Herausforderungen in der Freundschaft zu Matthisson
5.3.1.3 Die „Epoche“ Hirt
5.3.2 Rückkehr nach Dessau: Das ausschleichende Ende der Epoche Hirt und eine erneute Annäherung an Matthisson
5.3.3 Stuttgart: Ein Versuch der Unabhängigkeit vom Hof
5.3.4 Beginn des vierten Koalitionskrieges und französische Besetzung Des-saus
5.3.5 Reisen als Zuflucht bei zunehmender Einsamkeit
5.3.6 Die Beziehung zu Matthisson in den letzten Lebensjahren
5.3.7 Das Ende der biographischen Erzählung: Louises letzte Tagebucheinträge
6. Heuristische Analyse des Selbst- und Weltverhältnisses von Louise in den drei Lebensabschnitten
6.1 Das Selbst- und Weltverhältnis von Louise in den Jahren 1750-1782
6.2 Das Selbst- und Weltverhältnis Louises in den Jahren 1783-1794
6.2.1 Louises Lektüre-Exzerpte als Folie einer Vergewisserung von Selbst und Welt
6.2.1.1 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt I: Les Confessions d’une promeneuse soliltaire
6.2.1.2 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt II: Von gelassenem Leiden und geheimen Tagebüchern
6.2.1.3 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt III: Von seligen und unnützen Männern
6.2.1.4 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt IV: Die Ordnung des spinozistischen Systems
6.2.1.5 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt V: „Für alle Leydenden“
6.2.1.6 Louises literarische Vergewisserung von Selbst und Welt VI: Popes „Heloisa to Abelard“
6.2.1.7 Deutende Zusammenführung der literarischen Perspektiven auf Selbst und Welt im Notizbuch divers
6.2.2 Lavaters briefliche Unterweisungen an den Erbprinzen als Schlaglicht auf das Menschen- und Weltbild von Louise
6.2.3 Deutende Zusammenfassung: Das Selbst- und Weltverhältnis von Louise 1783-1794
6.3 Das Selbst- und Weltverhältnis Louises in den Jahren 1795-1811
6.3.1 Analytisches Material I: Eine lyrische Notiz der Fürstin aus dem Jahr
6.3.2 Analytisches Material II: Extraits de Théodicée sur la Bonté de Dieu, la Liberté de l’Homme et l’Origine du Mal
6.3.3 Analytisches Material III: Die beiden Tagebuchversionen im Kontrast
6.3.3.1 Kontrastierung I: Ehe(schließung) und Geburten
6.3.3.2 Kontrastierung II: Die Epoche Hirt
6.3.3.3 Kontrastierung III: Zur Person August Hartmann
6.3.3.4 Kontrastierung IV: Die Beziehung zu Friedrich Matthisson
6.3.4 Deutende Zusammenfassung: Das Selbst- und Weltverhältnis von Louise 1794-1811
7. Fazit: Die Struktur des biographischen Falls Louise
7.1 Subjekt im Übergang: Louise als biographische Figur zwischen höfischer Ordnung und emotionaler Moderne
7.2 Der biographische Fall Louise als Bildungsprozess
7.2.1 Eine bildungstheoretische Deutung der biographischen Fallstruktur
7.2.2 Eine zusammenfassende Deutung der analysierten Selbst- und Weltverhältnisse und ihrer Transformationen
7.3 Methodische Reflexion der Studie, Einordnung der Ergebnisse und Ausblick
Quellen
Literatur
Anhang: Chronologischer Überblick über das erlebte Leben von Louise von Anhalt-Dessau
Dr. Miriam Mathias, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum
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- Artikel-Nr.: SW9783847433958458270
- Artikelnummer SW9783847433958458270
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Verlag
Verlag Barbara Budrich
- ISBN 9783847433958