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Die Unfähigkeit zum Frieden

Glaubensspaltung und Bekenntniskonflikt im Europa des 16. Jahrhunderts

Die Unfähigkeit zum Frieden
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Die Reformation gehört zu den am besten erforschten und vielfach dargestellten Großereignissen der europäischen Geschichte. Doch nimmt die deutsche und internationale Geschichtsschreibung über die europäische Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts und deren Überwindung in der Regel nur die Perspektive des Heiligen Römischen Reichs und der westeuropäischen Länder wahr. Blickt man dagegen auf die Erfahrungen der ostmitteleuropäischen Länder der Reformation (Polen-Litauen, Böhmen, Ungarn), dann ergibt sich ein anderes Bild. So gerät auch die These ins Wanken, wonach die großen bekenntnispolitischen Kompromisse der... alles anzeigen expand_more

Die Reformation gehört zu den am besten erforschten und vielfach dargestellten Großereignissen der europäischen Geschichte. Doch nimmt die deutsche und internationale Geschichtsschreibung über die europäische Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts und deren Überwindung in der Regel nur die Perspektive des Heiligen Römischen Reichs und der westeuropäischen Länder wahr. Blickt man dagegen auf die Erfahrungen der ostmitteleuropäischen Länder der Reformation (Polen-Litauen, Böhmen, Ungarn), dann ergibt sich ein anderes Bild. So gerät auch die These ins Wanken, wonach die großen bekenntnispolitischen Kompromisse der nachreformatorischen Zeit – der Augsburger Religionsfrieden 1555 und das Edikt von Nantes 1598 – den Königsweg zu einer europäisch und letztlich global verbindlichen Kultur der religiösen Toleranz vorgezeichnet hätten.

Als Osteuropahistoriker entwirft Michael G. Müller eine neue Sicht auf das konfessionelle Zeitalter in Europa, auch im Licht moderner Erfahrungen mit religiös-ethnischen Konflikten. Er zeigt, dass die überwiegend politisch induzierte Glaubens- und Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts namentlich im Westen Europas, anders als in Ostmitteleuropa, zu einer Konstellation bekenntnispolitischer Ausweglosigkeit, einer strukturellen »Unfähigkeit zum Frieden«, führte. Zugleich weist er auf das Konfliktpotential hin, das konfessionelle Konflikte auch über das »Zeitalter der Säkularisierung« hinaus bewahren.



Michael G. Müller ist emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle.



Einleitung



Glauben und Kirche spalten

Krisen der Kirche und Kirchenkritik vor der Reformation

Herausforderungen des Papsttums

Neue Sensibilitäten, neue Frömmigkeitsformen

Wege in die Reformation

Die Kirchenspaltung vollziehen

Die Kirchenspaltung vermeiden



Versöhnung denken

»Außerhalb der Kirche kein Heil«

Konfessionsbildung und Konfessionalisierung

Orthodoxie kodifizieren

Orthodoxie durchsetzen

Konfessioneller Fundamentalismus – Folgen und Kritik

Suche nach Konsens



Mit der Unversöhnlichkeit umgehen

Krieg führen

Die Schweiz

Das Reich

Böhmen

Die Niederlande

Frankreich

England

Kriege beenden

Der Kappeler Landfriede

Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden

Das Edikt von Nantes

Die Niederlande ohne Frieden

Krieg vermeiden und Frieden bewahren

Polen-Litauen

Ungarn/Siebenbürgen



Tolerieren lernen? – Ein Ausblick



Nachwort



Literatur

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