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Notate zur Mathematik

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Frankreich 1940: Der später weltberühmte Mathematiker André Weil sitzt im Gefängnis, die Todesstrafe droht. In diesen drei Monaten beginnt ein intensiver Briefwechsel mit seiner Schwester Simone Weil, einer der radikalsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Was zunächst als familiärer Austausch erscheint, wird zur Tiefenbohrung in die Grundlagen und Verstrickungen des modernen Denkens. André Weil arbeitet im Gefängnis unentwegt an zentralen Problemen der zeitgenössischen Mathematik. Simone Weil liest diese Arbeit als Symptom einer Zeit, die sich von der Wirklichkeit gelöst hat – durch Abstraktion, Technisierung und... alles anzeigen expand_more

Frankreich 1940: Der später weltberühmte Mathematiker André Weil sitzt im Gefängnis, die Todesstrafe droht. In diesen drei Monaten beginnt ein intensiver Briefwechsel mit seiner Schwester Simone Weil, einer der radikalsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Was zunächst als familiärer Austausch erscheint, wird zur Tiefenbohrung in die Grundlagen und Verstrickungen des modernen Denkens. André Weil arbeitet im Gefängnis unentwegt an zentralen Problemen der zeitgenössischen Mathematik. Simone Weil liest diese Arbeit als Symptom einer Zeit, die sich von der Wirklichkeit gelöst hat – durch Abstraktion, Technisierung und Kontrollstreben. Die Briefe zeigen zwei Geschwister in enger Verbundenheit und tiefem Missverständnis, im intellektuellen Ringen und existenziellen Scheitern. Sie sind zugleich ein außergewöhnliches Zeitdokument, ein Schlüssel zum Denken beider Weils und ein seltenes Zeugnis aus dem Inneren der modernen Mathematik. Und sie stellen eine Frage, die bis heute offen ist: Haben sich Simones Warnungen erfüllt, oder hat André recht behalten mit seinem Vertrauen in die universale Verbindungs- und Übersetzungskraft eines präzisen Denkens?



Simone Weil, 1909 in Paris als Tochter einer jüdisch-bürgerlichen Familie geboren, schloss 1925 das Gymnasium mit dem baccalauréat de philosophie ab, besuchte dann das Lycée Henri IV und absolvierte ein Philosophiestudium an der École normale superieure, das sie 1931 mit einer Arbeit über Descartes bei Léon Brunschvicq abschloss. Das politische Engagement als Gewerkschafterin, Marx-Kritikerin und Teilnehmerin am Spanischen Bürgerkrieg machte später der Orientierung an christlicher Mystik und platonischem und buddhistischem Denken Platz. Sie starb im Exil 1943 im englischen Ashford.

André Weil, 1906 in Paris geboren, floh nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs über Finnland in die USA, wo er 1998 in Princeton starb. Er beschäftigte sich als Mathematiker mit Zahlentheorie und algebraischer Geometrie. Er gehörte zu den Gründern der Gruppe Bourbaki und zählt zu den einflussreichsten Mathematikern des 20. Jahrhunderts.

Max Walther studierte Literatur und Geschichte in Erfurt und in Lille. Während seines Masterstudiums war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IKKM in Weimar tätig. Er promovierte im Rahmen des Graduiertenkollegs Medienanthropologie an der Bauhaus-Universität Weimar zum Thema »Körper-zu-sein. Eine Verortung. Er- und Zer-Schreiben bei Simone Weil, Chris Kraus, Kathy Acker und Annie Ernaux«. Er lehrt regelmäßig an der Universität Erfurt, der Bauhaus-Universität Weimar und der Leuphana Universität Lüneburg. Max Walther ist Teil des Simone Weil Denkkollektivs.

Mae Bengert ist Romanist*in, Komparatist*in und Religionswissenschaftler*in. Seit 2020 hat sie an der Humboldt-Universität zu Berlin eine Juniorprofessur für Literatur und Religion in den Romanischen Kulturen mit Schwerpunkt auf Geschlechterstudien inne. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen, von den Gender Studies ausgehend, den philologisch-religionswissenschaftlichen Blick auf die spanische, französische, italienische und deutsche Mystik des Mittelalters, der Frühen Neuzeit und des 20. Jahrhunderts sowie interdisziplinäre Perspektiven, die Seele räumlich zu denken. Zusammen mit Tom Sojer und Max Walther gründete sie 2019 das Simone Weil Denkkollektiv (www.simoneweil-denkkollektiv.de), das sich an der Schnittstelle zwischen Academia, Kunst und Kultur der französischen Mystikerin/Philosophin Simone Weil widmet.

Thomas Sojer studierte Katholische Theologie, Philosophie und Klassische Philologie in Innsbruck, London und Graz und war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Antike an der Universität Graz, am Max-Weber-Kolleg Erfurt und an der Professur für Philosophie an der Universität Erfurt. Er leitet die Bücherei Hohenems in Vorarlberg und ist Mitbegründer der Forschungsstelle Sprachkunst und Religion an der Universität Erfurt. Zu seinen Veröffentlichungen zählen der Erzählband Lichtdurchlässig. Moderne Erzählungen zu biblischen Begegnungen (Theologischer Verlag Zürich, 2025), Lyrisch glauben. Ein Psalter (Herder Verlag, 2026) sowie zahlreiche Publikationen zur jüdischen Religionsphilosophie und zur Verbindung von Lyrik und theologischen Fragestellungen. Er ist Mitglied des Simone Weil Denkkollektivs.

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