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Die Praçna-Upanishad

Sechs Fragen vom Atem des Lebens

Die Praçna-Upanishad
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Kaum ein Text des alten Indien stellt den Atem so ins Zentrum wie die Praçna-Upanishad, die "Fragen-Upanishad" des Atharvaveda. Ihre Rahmenerzählung: Sechs Brahmanenforscher, Brennholz in den Händen, suchen den weisen Pippalâda auf. Er lässt sie zunächst ein Jahr in Askese und Vertrauen bei sich leben – dann darf jeder seine Frage stellen. Die erste Frage gilt dem Ursprung: Woher entspringen die Geschöpfe? Prajâpati, der Schöpfer, erzeugt das Paar aus Materie (Rayi) und Leben (Prâna) – Mond und Sonne, dunkle und helle Weltseite, denen zwei Wege der Seele entsprechen. Die zweite Frage klärt die Rangordnung... alles anzeigen expand_more

Kaum ein Text des alten Indien stellt den Atem so ins Zentrum wie die Praçna-Upanishad, die "Fragen-Upanishad" des Atharvaveda. Ihre Rahmenerzählung: Sechs Brahmanenforscher, Brennholz in den Händen, suchen den weisen Pippalâda auf. Er lässt sie zunächst ein Jahr in Askese und Vertrauen bei sich leben – dann darf jeder seine Frage stellen.



Die erste Frage gilt dem Ursprung: Woher entspringen die Geschöpfe? Prajâpati, der Schöpfer, erzeugt das Paar aus Materie (Rayi) und Leben (Prâna) – Mond und Sonne, dunkle und helle Weltseite, denen zwei Wege der Seele entsprechen. Die zweite Frage klärt die Rangordnung der Lebenskräfte: Im Gleichnis verlassen Rede, Auge, Ohr und Denken nacheinander den Körper, ohne dass er stirbt; erst als der Prâna aufbrechen will, "reißt er die anderen mit wie das Leitross die Zügel" – und alle huldigen ihm: Der Atem ist der König im Leib.



Die dritte Frage führt in die Physiologie des Atems: woher der Prâna entsteht, wie er sich als fünffacher Hauch (Prâna, Apâna, Samâna, Vyâna, Udâna) im Körper verteilt, wie er durch die hundertundeine Adern wirkt und den Sterbenden hinausgeleitet. Die vierte Frage behandelt Schlaf und Traum: Was schläft im Menschen, was wacht? Während die Sinne sich ins Denkorgan zurückziehen, "wachen die Feuer des Prâna in der Stadt des Leibes". Die fünfte Frage gilt der Meditation über die Silbe Om und ihren drei Klanggraden, die sechste den sechzehn Teilen des Menschen, die im Selbst gründen "wie die Speichen in der Nabe des Rades".



Diese Ausgabe bringt die klassische Übersetzung Paul Deussens (aus "Sechzig Upanishad's des Veda", 1897) vollständig – samt seiner kundigen Einleitungen zur Upanishad insgesamt und zu jedem einzelnen Praçna, die den altindischen Text philosophiegeschichtlich einordnen. Ein kompaktes Stück Weisheitsliteratur: dreitausend Jahre alt und für jeden, der mit dem Atem arbeitet, überraschend gegenwärtig.



Paul Deussen (1845–1919) war Philosoph und Indologe, Professor in Kiel, Jugendfreund Friedrich Nietzsches und Gründer der Schopenhauer-Gesellschaft. Seine Übersetzung "Sechzig Upanishad's des Veda" (1897) ist bis heute das deutsche Standardwerk.

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