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Die Figur des Dritten

Zur Soziologie des Antisemitismus

Die Figur des Dritten
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Unter Antisemitismus wird ein negatives Judenbild verstanden. Das ist sicher richtig, doch verkürzt es das Phänomen. Denn das abwertende Judenbild tritt nicht isoliert auf, sondern ist stets auf ein kollektives Selbstbild bezogen. Dabei handelt es sich nicht um den rassistischen Gegensatz von »Eigenem« und »Fremden«. Vielmehr wird im antisemitischen Judenbild ein Dritter entworfen, der diesen Gegensatz unterläuft. Der »Jude« verkörpert nicht wie der »Fremde« eine andere »minderwertige« Gemeinschaft, sondern das »zersetzende« Gegenbild aller Gemeinschaft. Der Schlüssel zum... alles anzeigen expand_more

Unter Antisemitismus wird ein negatives Judenbild verstanden. Das ist sicher richtig, doch verkürzt es das Phänomen. Denn das abwertende Judenbild tritt nicht isoliert auf, sondern ist stets auf ein kollektives Selbstbild bezogen. Dabei handelt es sich nicht um den rassistischen Gegensatz von »Eigenem« und »Fremden«. Vielmehr wird im antisemitischen Judenbild ein Dritter entworfen, der diesen Gegensatz unterläuft. Der »Jude« verkörpert nicht wie der »Fremde« eine andere »minderwertige« Gemeinschaft, sondern das »zersetzende« Gegenbild aller Gemeinschaft.

Der Schlüssel zum Verständnis des Antisemitismus ist die Figur des Dritten und ihr Bezug auf ein kollektives Selbstbild. Das ermöglicht eine klare Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen Antisemitismus und Kritik der israelischen Politik zu ziehen ist.

Dieses Buch schließt damit gesellschaftstheoretische Grundfragen auf: nach Rassismus und Antisemitismus, nach Gemeinschaft und Gesellschaft, nach Kommunikationslatenz und postnazistischem Nationalismus. Klaus Holz und Jan Weyand leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer bis heute ausstehenden Soziologie des Antisemitismus: Mit ihrem Zugang lässt sich zeigen, dass die Geschichte antisemitischer Zuschreibungen auf der Dynamik kollektiver Selbstbilder basiert.



Klaus Holz, Dr. habil., ist Soziologe und Antisemitismusforscher. Er war langjähriger Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland. Derzeit ist er als Autor und Berater in der Antisemitismusforschung und -prävention für Verlage, Stiftungen und NGOs tätig.

Jan Weyand, PD Dr., ist Soziologe mit einem Schwerpunkt auf Kultursoziologie und Antisemitismusforschung. Derzeit vertritt er den Lehrstuhl für Dynamiken und Regulierung von Wirtschaft und Gesellschaft an der Universität Hamburg.



Vorwort



1 Zur Soziologie des Antisemitismus in Deutschland



2 Gegenwart des Antisemitismus in Deutschland



3 Die antisemitische Konstruktion des Dritten in der nationalen Ordnung der Welt



4 Von der Judenfrage zur Antisemitenfrage. Frühe Erklärungsmodelle von Antisemitismus



5 Nationaler Sozialismus. Das Ethos nationaler Arbeit und ihre Feinde am Beispiel Hitlers



6 Islamischer Antisemitismus. Geschichte und Semantik



7 Der Aufstieg des Nationalismus und die Theorie des autoritären Charakters



8 Das Konzept der Kommunikationslatenz und der Fortschritt in der soziologischen Antisemitismusforschung



9 Die Paradoxie der Normalisierung. Drei Gegensatzpaare des Antisemitismus vor und nach Auschwitz



Quellen

Literatur

Drucknachweise

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