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Aufstören von Kolonialität
Aufstören von Kolonialität ist ein Schlüsseltext der großen karibischen Denkerin Sylvia Wynter. Mit historischer Tiefenschärfe und theoretischer Radikalität zeigt Wynter, dass die westliche Moderne eine besondere Gestalt des Menschen zur universalen Norm erhoben hat – und damit bis heute bestimmt, wer als vollwertig menschlich gilt und wer an den Rand gedrängt wird. Ihre Analyse führt von der christlichen Ordnung des Mittelalters über Renaissance, Kolonialismus und Rassifizierung bis zur bioökonomischen Gegenwart. Im Zentrum steht eine ebenso präzise wie folgenreiche These: Machtverhältnisse lassen sich nicht dauerhaft verändern, solange die herrschende Vorstellung vom Menschlichen unangetastet bleibt. Im Dialog mit Fanon, Césaire, Foucault und Quijano eröffnet sie einen transkulturellen Denkraum, in dem der Mensch nicht länger als rein biologisches oder ökonomisches Wesen erscheint, sondern als eine Spezies, die ihre gesellschaftlichen Wirklichkeiten selbst hervorbringt.
Sylvia Wynter, 1928 in Holguín auf Kuba geboren, zählt zu den einflussreichsten Denkerinnen der karibischen und schwarzen Theorie. Ihre jamaikanischen Eltern kehrten bald nach ihrer Geburt nach Jamaika zurück, wo sie aufwuchs. Mit einem Stipendium studierte sie ab 1946 Romanistik am King's College London und schloss mit einer Arbeit über das spanische Theater des Goldenen Zeitalters ab.
In den 1950er- und 1960er-Jahren trat sie als Tänzerin und Schauspielerin auf und schrieb Hörspiele und Theaterstücke. 1962 erschien ihr einziger Roman, The Hills of Hebron, der von einer religiösen Gemeinschaft im kolonialen Jamaika erzählt. Anschließend lehrte sie an der University of the West Indies in Mona. 1974 ging sie in die USA, zunächst an die University of California in San Diego und ab 1977 an die Stanford University. Dort lehrte sie bis zu ihrer Emeritierung in den Afrikanistik- und Afroamerikanistik-Studien sowie in der Hispanistik.
Im Mittelpunkt ihres Werks steht die Frage, wie die europäische Moderne seit 1492 ein bestimmtes Bild des Menschen hervorgebracht und als allgemeingültig ausgegeben hat: zuerst den rationalen politischen Menschen, später den »homo oeconomicus«. Beide Bilder beruhen nach Wynter darauf, Kolonisierte, Schwarze und Arme auszuschließen. Dagegen setzt sie, anknüpfend an Frantz Fanon, das Verständnis des Menschseins als Praxis. Der Mensch ist für sie ein zugleich biologisches und kulturelles Wesen, das sich über Erzählungen selbst hervorbringt.
Hannes Bajohr ist Philosoph und Literaturwissenschaftler und derzeit Assistant Professor of German an der University of California, Berkeley. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Ideengeschichte, politischer Philosophie und Theorien des Digitalen. Zuletzt erschien im August Verlag: Schreibenlassen. Texte zur Literatur im Digitalen (2022).
Jonis Hartmann, 1982 in Köln geboren, lebt als Autor und Übersetzer in Hamburg Schlump. Schwerpunkt seiner Arbeit bildet das Hören.
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Vorbestellerartikel: Dieser Artikel erscheint am 29. April 2027
- Artikel-Nr.: SW9783751831086110164
- Artikelnummer SW9783751831086110164
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Autor
Sylvia Wynter
- Mit Hannes Bajohr, Jonis Hartmann
- Verlag Matthes & Seitz Berlin Verlag
- Seitenzahl 120
- Veröffentlichung 29.04.2027
- Barrierefreiheit
- ISBN 9783751831086
- Mit Hannes Bajohr, Jonis Hartmann