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Mord mit Deko

Ein charmanter seasonal Wohlfühlkrimi mit einem pfiffigen Ermittlerduo

Mord mit Deko
NEU
Andere bringen aus den Cotswolds Souvenirs mit. Ella bekommt einen Dekoladen, einen sprechenden Halsbandsittich und einen Mordverdacht. Der Auftakt der gemütlichen Cosy Crime Reihe von Gisela B. Schmidt So hatte sich Ella ihren herbstlichen Urlaub in den  malerischen Cotswolds nicht vorgestellt. Nachdem sie am Flughafen abserviert wurde, reist sie kurzerhand allein … und bekommt schon bald unerwartete Gesellschaft:  Halsbandsittich Piety setzt sich auf ihre Schulter . Als Ella den zutraulichen Vogel zu seiner Besitzerin zurückbringen will, macht sie eine schreckliche Entdeckung. Die Besitzerin des kleinen Dekoladens liegt tot zwischen ihren... alles anzeigen expand_more

Andere bringen aus den Cotswolds Souvenirs mit. Ella bekommt einen Dekoladen, einen sprechenden Halsbandsittich und einen Mordverdacht.
Der Auftakt der gemütlichen Cosy Crime Reihe von Gisela B. Schmidt



So hatte sich Ella ihren herbstlichen Urlaub in den malerischen Cotswolds nicht vorgestellt. Nachdem sie am Flughafen abserviert wurde, reist sie kurzerhand allein … und bekommt schon bald unerwartete Gesellschaft: Halsbandsittich Piety setzt sich auf ihre Schulter.



Als Ella den zutraulichen Vogel zu seiner Besitzerin zurückbringen will, macht sie eine schreckliche Entdeckung. Die Besitzerin des kleinen Dekoladens liegt tot zwischen ihren außergewöhnlichen Kunstobjekten.



Die Dorfbewohner haben natürlich sofort ihre eigenen Theorien. Während draußen das Herbstlaub durch die Kleinstadt wirbelt, ist die wunderliche Miss Miracle überzeugt, Piety habe mit Ella die Schuldige persönlich markiert. Andere verdächtigen den Buchhändler Miles Kenningham, der sich mit Anna gestritten hatte.



Als Ella überraschend den Laden und Piety erbt, steht für sie fest: Wenn sie in Countbury bleiben will, muss sie den Mord aufklären, sich mit den misstrauischen Dorfbewohnern arrangieren und herausfinden, warum ausgerechnet der verdächtige Miles immer interessanter wird.







Der humorvolle erste Band der Cosy Krimi Reihe mit britischem Charme zum Miträtseln – für Fans von Fiona Leitch und packenden Whodunnits mit cleveren Wendungen.







Tropes:
Kleinstadtflair
Amateurermittlerin
Falsche Fährten
Little Shop



Erste Leser:innenstimmen
„Ella als toughe Ermittlerin hat mich sofort begeistert und ich freue mich schon auf ihren nächsten Fall.“
„Mit so einem Twist hätte ich nicht gerechnet – allen Fans von gemütlichen Krimis zu empfehlen!“
„Gisela B. Schmidt hat einen tollen Sinn für Humor, liebenswerte Figuren und fesselnde Kriminalfälle.“
„Ich habe mich sofort in das herbstliche Countbury mit seinen quirligen Dorfbewohnern und tierischen Begleitern verliebt.“





1



Kann die Natur ein Herz heilen, das ein Mensch gebrochen hat? Die Cotswolds konnten das. Daran hatte Ella keinen Zweifel mehr, seit sie vor vier Tagen zum ersten Mal hier oben auf dem Hügel gesessen und auf die unebene Landschaft hinabgesehen hatte: weite Wiesen, von denen einige schon im Heuschnitt lagen, auf anderen trotzten die Wildblumen stolz dem Herbst, der unübersehbar Einzug gehalten hatte. Die Blätter der Buchen färbten sich allmählich in sämtlichen Orangetönen und an den Dog-Roses leuchteten die Hagebutten. Jeden Tag veränderte sich das Farbenspiel, besonders wenn die Sonne auf ihren Untergang zu wanderte.



Seit vier Tagen kam Ella pünktlich zur Teatime herauf und sah dem Wind dabei zu, wie er sich zwischen die herbstlangen Grashalme schmiegte und sie sanft schaukelte. Wenn sie sich auf die Erde setzte, verschmolz sie mit der Landschaft. Der Wind streichelte dann auch ihr übers Gesicht, als wollte er sie trösten. Allmählich glaubte sie seinem zuversichtlichen Wispern, dass ein Ende manchmal auch ein Anfang sein konnte. Hier oben spürte sie es in jeder Faser ihres Körpers. Die endlose Kraft der Natur breitete sich über den Hügeln der Cotswolds aus und bot ihr an, neue Kraft aus ihr zu schöpfen.



Ella atmete tief ein und blies mit einem heftigen Atemstoß all ihre Wut in die endlosen Weiten. Nichts hätte symbolhafter für die Höhen und Tiefen des Lebens sein können als das ungleichmäßige Auf und Ab der Hügellandschaft, die sich bis zum Horizont erstreckte. Schafherden grasten entspannt, dazwischen liefen stolz die Hütehunde, die ihre Herde bewachten. Urige Dörfer schmiegten sich harmonisch in die Landschaft. Ihre Häuser, erbaut aus jahrhundertealtem Cotswold-Stein, leuchteten honigfarben in der Herbstsonne. Fachsprachlich handelte es sich um Jurakalkstein, wie sich Ella in einem der Touristenläden hatte erklären lassen. Ein viel zu schlichter Name für ein Material, das ganze Dörfer in goldenem Licht erstrahlen ließ.



Dieser Ort war wie aus einem Märchenbuch. Und was wäre es für ein schönes Märchen geworden: Ein Heiratsantrag hier oben auf den Hügeln, ein freudiges Ja im Sonnenuntergang. Ein Leben, das hier begann, konnte nur glücklich werden.



Frustriert strich Ella eine hellblonde Strähne aus ihrem Gesicht und befestigte sie hinter dem Ohr. Achtundzwanzig war das perfekte Alter für eine Verlobung, davon hatte sie schon lange geträumt. Schade nur, dass sich Ian entschieden hatte, aus diesem Traum auszusteigen, noch bevor sie in den Flieger eingestiegen waren. Er hatte es geplant, hatte die Beziehung am Gate beendet, während er ihr seine neue Freundin Janine präsentiert hatte, mit der er in den nächsten Flieger nach Mallorca steigen würde.



Malle! Ausgerechnet. Hoffentlich holten sie sich einen verdammt üblen Sonnenbrand und den Kater ihres Lebens dazu. Oder noch besser, hoffentlich betrog ihn Janine am Ballermann direkt mit dem nächsten Typen. Würde ihm recht geschehen, dann wüsste er mal, wie man sich fühlte, wenn man am Flughafen wie ein fehlgeleiteter Koffer aussortiert wurde.



Erneut atmete Ella tief ein und dann so lange aus, bis sie auch das letzte Fünkchen Sauerstoff und Wut aus ihren Lungen gepresst hatte. Womöglich war es besser, dass Ian nicht hier war. Dieser Idiot hatte es gar nicht verdient, etwas so Schönes wie die Ebenen der Cotswolds zu sehen. Ganz zu schweigen von dem malerischen Dörfchen Countbury, in dem sie während der drei Urlaubswochen eingemietet war. Happy Skull hieß das Pub, in dem sie drei Monate zuvor das Zimmer gebucht hatte ‒ glücklicher Totenkopf. Ja, Ian hatte ihrer Beziehung den Todesstoß versetzt, trotzdem fühlte sie sich an diesem Ort glücklich – ein Zustand, genauso grotesk wie der Name des Pubs. Es gab keine Zufälle.



„Piety!“, kreischte eine helle Stimme genau über Ellas Kopf. Erschrocken sah sie nach oben und ging unverzüglich in Deckung. Ein riesiger Vogel stürzte kreischend herab und hielt genau auf sie zu. Ella schloss die Augen und hielt sich sicherheitshalber die Hände vors Gesicht, um sich vor dem vermeidlichen Angriff zu schützen. Dann spürte sie, wie sich Krallen in ihre linke Schulter hefteten und der Vogel darauf landete. Überraschenderweise tat es trotz des dünnen Stoffes ihrer Herbstjacke nicht weh.



Eine ganze Weile lang blieb Ella in ihrer Schutzposition, wagte nicht, um Hilfe zu rufen und wartete unruhig ab, dass das Tier anfangen würde, auf sie einzuhacken. Der befürchtete Schmerz blieb jedoch aus. Trotzdem machte der Vogel keine Anstalten weiterzufliegen.



Zögerlich gab Ella ihre Deckung auf, drehte in Zeitlupe den Kopf nach links und erspähte das bunte Federkleid des Angreifers. War das ein Papagei? Ella kannte sich mit Vögeln nicht besonders gut aus, aber dieses lustige Kerlchen sah einem solchen sehr ähnlich. Allerdings war er sehr groß, bestimmt dreißig Zentimeter vom Kopf bis zur Schwanzspitze. Kopf und Bauch waren hellgrün, während seine Flügel einen dunkleren Ton hatten, der bis hinunter zu den Schwanzfedern floss, wo er schließlich in ein zartes Blau überging. Um den Hals hatte er eine ringförmige schwarze Färbung, als trüge er eine schmale Halskette. Sein tief gebogener Schnabel bildete einen dunkelroten Kontrast zu diesem farbenfrohen Federkleid. Sie spürte sein Gewicht auf ihrer Schulter, während er ein wenig hin und her schaukelte.



Eine Weile lang wartete sie ab, aber der Vogel machte keine Anstalten weiterzufliegen, auch nicht, als sie vorsichtig etwas mit ihrer Schulter wackelte.



„Na, wer bist du denn?“ Möglichst langsam führte sie ihre Hand zu dem bunten Tier, um es nicht zu erschrecken. Sie hatte noch nie zuvor einen Vogel auf der Schulter gehabt. Er schien überraschend zutraulich. Statt davonzuflattern, wandte er ebenfalls sein Köpfchen, sah sie an und neigte es dann leicht zur Seite. Ella lachte verhalten. Sie hatte gar nicht gewusst, dass es Papageien in den Cotswolds gab und schon gar nicht, dass diese so zutraulich waren. Aus den raueren Gegenden Nordenglands, wo sie aufgewachsen war, kannte sie keine Papageien.



Ruckartig bewegte der Vogel seinen Kopf hin und her, als würde er überlegen.



„Na, du kleiner Draufgänger, überprüfst du meine Vertrauenswürdigkeit? Ich bin harmlos, keine Sorge.“ Ihre Finger erreichten seinen Rücken und Ella wagte es, vorsichtig über das bunte Federkleid zu streichen. Sie genoss die sanfte Berührung unter ihren Fingerkuppen mindestens genau so sehr wie der Vogel.



„Piety!“, kreischte der Vogel plötzlich erneut, wodurch Ella erschrocken die Hand zurückzog. Das Tier machte keinerlei Anstalten zu beißen.



„Piety“, wiederholte er.



„Du heißt Piety, willst du mir das sagen?“, fragte Ella. „Yippie ey ho“, krächzte Piety, als feierte er, dass sie nicht ganz so dumm war, wie sie dreinschaute.



„Tja, und was machen wir jetzt mit dir, Piety?“



Der Vogel schwieg.



Ella schirmte ihre Augen mit der flachen Hand vor der Sonne ab und drehte sich einmal um sich selbst. So ein wunderschönes Tier wie Piety musste doch jemandem gehören, zumal er seinen Namen und Yippie ey ho sagen konnte. So etwas lernte ein Tier sicherlich nicht von selbst, irgendjemand musste es ihm beigebracht haben. Und dieser Jemand vermisste seinen Begleiter bestimmt schon. Leider war trotz der weiten Sicht niemand in nächster Nähe auszumachen. Wenn Piety von einem der umliegenden Dörfer hergeflogen war, dann musste er ja nur wieder zurückfliegen.



Ella wackelte erneut ein wenig mit der Schulter, um ihn zum Fliegen zu bewegen, daraufhin bohrten sich seine Krallen etwas fester in ihre Schulter. Hauptsache, er begann nicht zu hacken.



„Na los, kleiner Vogel, flieg nach Hause“, animierte sie ihn. Piety blieb reglos sitzen. Ellas Neugier war geweckt. Da musste doch etwas dahinterstecken.



„Schön, dann fragen wir eben im Dorf, wem du gehörst.“ So ein auffälliger Vogel war sicherlich in der Gegend bekannt. Mit einem letzten Blick verabschiedete sie sich von dem bunt verzaubernden Ausblick und stieg den Hügel hinab ins Dorf. Ein Windstoß fegte durch die Gasse und kämmte bunte Blätter aus den Baumkronen. Fröhlich ging Ella mitten durch das Farbenspiel und wirbelte mit der Fußspitze bereits liegendes Laub wieder auf.



Der Erste, dem sie begegnete, war Bill Marlowe, dem auch das Pub gehörte, in dem sie eingemietet war. Als er sie sah, lachte er dröhnend und zeigte sichtlich amüsiert auf den Vogel, der nach wie vor entspannt auf ihrer Schulter saß.



„Na, Piety, wen hast du denn da aufgegabelt?“, fragte er.



„Sie kennen ihn?“ Strahlend zeigte Ella auf ihren neuen Begleiter.



Der sonst so grimmig dreinblickende Gastwirt verzog leicht die Mundwinkel, die bei einem schiefen Grinsen einrasteten und es leider nicht ganz bis zu einem Lächeln schafften. Aber der Wille zählte.



„Der gehört Christine McPherra“, brummte er. „Die beiden sind wie Pech und Schwefel, normalerweise weicht er ihr keine zwei Meter von der Seite. Vielleicht bringst du ihn besser zurück.“



„Das mache ich gerne. Wenn Sie mir vielleicht sagen könnten, wo sie wohnt?“



Marlowe wies mit dem Arm die Straße hinunter. „Christine gehört das Amazeme unten bei den Ladenzeilen.“



„Amaze me? Bedeutet das nicht: Verblüffe mich?“



„Wenn du reingehst, wirst du verstehen, wieso.“ Er zwinkerte. „Keine Sorge, du wirst es erkennen. Oder Piety. Oder Christine wird Piety entdecken. Bestimmt ist sie schon krank vor Angst um ihr komisches Federvieh.“



„Yippie ey ho“, krächzte Piety.



Marlowe winkte ab. Ein komischer Kauz, aber sei es drum. Obwohl er meistens mit ernstem Gesichtsausdruck durch die Gegend lief, verhielt er sich freundlich und bisher hatte Ella noch kein böses Wort von ihm gehört. Gut, das Bisher umfasste aktuell eine Zeitspanne von vier Tagen, aber immerhin.



Ella nahm ihm nicht übel, dass er sie mit einer schlichten Grußgeste stehenließ und machte sich auf den Weg, um besagten Laden von Christine McPherra zu finden.



Die Suche gestaltete sich einfacher als gedacht. Nach ungefähr zweihundert Metern die Straße hinunter begann die Aurum Lane mit rechter- und linkerhand jeweils einer Häuserreihe. Beide waren im selben Stil gehalten, eineinhalbgeschossig, kleine Grundfläche, gebaut aus solidem Cotswold-Stein, die Dächer mit den typischen Schiefer-Slates gedeckt, die den rustikalen Charme der Gebäude noch verstärkten. Sie reihten sich aneinander, als hielten ihre aneinandergeschmiegten Fassaden sie in ihrer Gemeinschaft zusammen. Ihr Inneres hingegen war ganz unterschiedlich gestaltet, denn in jedem befand sich ein Geschäft. Linker Hand gab es Blumen, dann Tee, auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich eine Bäckerei und ein Buchladen, daran anschließend ein Shop für Musikinstrumente und ein Seniorentreffpunkt. Im dritten Geschäft auf der linken Seite, direkt an den Teeladen anschließend, konnte man Gemälde erwerben und über der Tür des siebten Hauses schließlich prangte ein eisernes Schild mit goldenen Buchstaben: Amazeme – Außergewöhnliche Dekorationsartikel.



„Yippie ey ho“, verkündete Piety, blieb aber weiterhin entspannt auf Ellas Schulter sitzen.



„Na, dann wollen wir dich mal deiner rechtmäßigen Besitzerin zurückbringen. Sie hat dich bestimmt schon sehnlichst vermisst, kleiner Ausreißer.“



Ella öffnete die Glastür und trat in den Laden. Sofort fiel ihr auf, dass eine eigenartige Ruhe herrschte. Gab es nicht üblicherweise ein Signal, wenn man ein Geschäft betrat? Einen Gong, eine Klingel, ein Windspiel ‒ irgendetwas, das das Eintreten des Kunden vermeldete? Über der Tür war ein Haken angebracht, aber er war leer.



Plötzlich flatterte Piety los und landete auf einem klirrenden Windspiel, das direkt neben dem Eingang lag. Mit dem Schnabel pickte und zupfte er an den Klangstäbchen und Glöckchen. Jemand musste es vom Haken genommen haben.



„Hallo? Ist jemand da?“, rief Ella in gemäßigter Lautstärke. Es gab keinen Grund, lauter zu sein, schließlich wollte sie einen Vogel zurückbringen und keinen Angriff der Hunnen verkünden. Als eine Reaktion ausblieb, wagte sie sich weiter in den Laden hinein. War ja nichts dabei. Sie war, abgesehen von Piety, eine normale Kundin. Oder vielmehr würde sie das in wenigen Minuten werden, denn dass sie diesen wunderschönen Laden ohne einen Impulskauf verlassen würde, war ein Ding der Unmöglichkeit.



Fasziniert sah sie sich genauer um. Amazeme, der Name hätte nicht passender gewählt sein können. Alles in diesem Raum war verblüffend, erstaunlich und beeindruckend. So etwas Absurdes und zugleich Wunderschönes hatte Ella nie zuvor gesehen. Alle Objekte, die hier zum Verkauf standen, hatten durch einen oder mehrere künstlerische Prozesse eine neue Bedeutung bekommen. Es gab Lampen, die zu leuchtenden Tischen umfunktioniert waren. Alte Glühbirnen, die mit Kopf, Flügeln und Kleidern versehen als Engelsdekoration für Weihnachtsbäume dienten. Vier Kerzenständer aus Messing, die als Beine eines Tisches fungierten. Die Platte bestand aus einem alten Wagenrad, dessen Lücken zwischen den Speichen mit Glas ausgekleidet waren. Unzählige Vasen, Skulpturen und Kerzenleuchter, die aus verschiedensten Materialien wie Glas- und Porzellanscherben sowie Steinen gefertigt waren. Bücher, in deren Innerem jemand einen Hohlraum ausgeschnitten hatte, sodass sie als Schmuckkästchen oder Tresor dienen konnten.



Ella stand vor Staunen der Mund offen. Sie würde mindestens eine Woche benötigen, um sich alle verblüffenden, extravaganten und zum Teil unheimlichen Kunstwerke in Ruhe anzusehen. Die Puppe zum Beispiel, die auf einem Stuhl in der Ecke des Ladens drapiert war, sah sehr gruselig aus. Nicht weil sie besonders Schrecken erregend aufgearbeitet worden war, sondern weil sie so echt wirkte ‒ lebensgroß, aber regungslos saß sie auf dem Stuhl, die Augen weit aufgerissen, aus dem Mund lief ein dünnes Rinnsal aus Blut, das neben der Puppe auf den Boden getropft hatte. Feuerrote Haare umflossen das blasse Gesicht wie Wasser. Sie trug ein schlichtes dunkelblaues Kleid mit altmodischem Spitzenkragen. Das wahre Kunstwerk aber war der überdimensional große Hut, der aus einem der Schatzkästchen-Bücher bestand. Der Buchdeckel war geöffnet, im Inneren des eingeschnitzten Hohlraums lag eine weiße Rose. Die Hände der Puppe lagen gefaltet im Schoß. Sie lehnte mit dem Rücken an der Wand, sonst wäre sie wohl nach vorne gekippt. Aus ihrer Brust ragte die Spitze eines antiken Degens, offenbar hatte man sie damit aufgespießt, um sie vor dem Umkippen zu schützen. Wie morbide. Man hätte sie einfacher irgendwo anbinden können. Einen Degen von hinten durch den Rücken zu stechen und auch noch am Bauch herausragen zu lassen, war nicht nur brutal, sondern grausam. Kunst konnte manchmal schon sehr an den Grenzen des menschlichen Geschmacks kratzen. Ella trat noch einen Schritt weiter vor. Da sah sie, dass sich das Kleid um die Stichwunde herum ebenfalls dunkel verfärbt hatte.



„Christine kaputt“, krächzte Piety.



Ella taumelte rückwärts, griff Halt suchend neben sich und riss einen hohen Kerzenständer mit sich um, während sie rücklings auf den Hintern fiel. Entsetzt starrte sie die vermeintliche Puppe an. Das war kein Kunstwerk. Das war Christine McPherra. Und um genau zu sein, war auch sie nicht mehr.





So hatte sich Ella ihren herbstlichen Urlaub in den malerischen Cotswolds nicht vorgestellt. Nachdem sie am Flughafen abserviert wurde, reist sie kurzerhand allein … und bekommt schon bald unerwartete Gesellschaft: Halsbandsittich Piety setzt sich auf ihre Schulter.



Als Ella den zutraulichen Vogel zu seiner Besitzerin zurückbringen will, macht sie eine schreckliche Entdeckung. Die Besitzerin des kleinen Dekoladens liegt tot zwischen ihren außergewöhnlichen Kunstobjekten.



Die Dorfbewohner haben natürlich sofort ihre eigenen Theorien. Während draußen das Herbstlaub durch die Kleinstadt wirbelt, ist die wunderliche Miss Miracle überzeugt, Piety habe mit Ella die Schuldige persönlich markiert. Andere verdächtigen den Buchhändler Miles Kenningham, der sich mit Anna gestritten hatte.



Als Ella überraschend den Laden und Piety erbt, steht für sie fest: Wenn sie in Countbury bleiben will, muss sie den Mord aufklären, sich mit den misstrauischen Dorfbewohnern arrangieren und herausfinden, warum ausgerechnet der verdächtige Miles immer interessanter wird.







Der humorvolle erste Band der Cosy Krimi Reihe mit britischem Charme zum Miträtseln – für Fans von Fiona Leitch und packenden Whodunnits mit cleveren Wendungen.







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