Zwischen Schützengräben und Familiengeplänkel: Was wir zu hoffen wagten

Was wir zu hoffen wagten heißt der Debütroman von Michaela Saalfeld. Während Titel und Cover eher auf einen durchschnittlichen historischen Roman hinweisen, hat es die Geschichte überraschenderweise in sich - und ist nichts für schwache Nerven.

Wie bei vielen historischen Romanen, die in Deutschland spielen, wurde der Beginn des Romans nicht von ungefähr auf 1912 gesetzt: Der Erste Weltkrieg bietet nicht nur spannenden Erzählstoff, sondern gibt meist auch einen guten Anlass für einen Bruch in der Biografie der Protagonisten: Liebende werden entzwei gerissen, Frauen emanzipieren sich und lange verschollene Brüder und Männer kehren vollkommen verändert zurück.

Auch bei diesem Roman scheint es auf etwas Ähnliches hinauszulaufen. Michaela Saalfeld erzählt die Geschichte von drei Geschwistern: Felice ist burschikos, direkt und will trotz aller Widerstände Juristin werden. Ille, das Küken, ist dagegen schüchtern und zurückhaltend und heiratet einen ungehobelten Neureichen, der auch ihr Vater sein könnte. Willi schließlich interessiert sich für den neu aufkommenden Film, muss aber in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters treten und die Bankgeschäfte übernehmen.

Eigentlich wissen wir also schon, worauf es hinaufläuft: Felice wird ihren Weg gehen, Illes Probleme in der Ehe werden irgendwann aufgedeckt und Paul wird sicher auch noch das machen, was ihm am meisten Spaß macht. Doch dann kommt es anders als erwartet. Storytechnisch ist zwar erwartbar, dass auch Paul als Soldat einberufen wird. Dass Was wir zu hoffen wagten allerdings abschnittweise so plastisch die Kämpfe im Ersten Weltkrieg schildert und fast schon zu eine Antikriegsroman wird, ist für einen Roman wie diesen, der eher in das Genre historischer Familienromane einzuordnen ist, eher ungewöhnlich.

Paul ist in Ypern eingesetzt. Das belgische Ypern ist zwar nicht so bekannt wie beispielsweise Verdun, aber auch hier tobten während des Ersten Weltkriegs heftige Kämpfe, bei denen zahlreiche Menschenleben für nur einige Meter Vorrücken geopfert wurden. Entsprechend grausam sind die Schilderungen im Roman.

Wer den eher ungewöhnlichen Mix aus Familiengeplänkel, Emanzipation und Kriegshandlungen mag, für den bietet Michaela Saalfeld einen abwechslungsreichen Roman.


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