Historische Romane über München

Die beliebteste Stadt für historische Roman, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen, ist immer noch die Hauptstadt Berlin. Hier wird die Weimarer Republik ausgerufen, hier werden die Goldenen Zwanziger am schillerndsten gefeiert.

Doch auch München ist für historische Romane kein uninteressanter Schauplatz: Nach dem ersten Weltkrieg kommt es auch hier zu Tumulten, als versucht wird, eine sozialistische Räterepublik auszurufen. In München versucht Hitler 1923 zum ersten Mal an die Macht zu kommen, in den Münchner Bierkellern macht er sich mit seinen Reden einen Namen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ein freies, progressives Denken: Die Künstler der Münchener Neuen Secession präsentieren moderne Kunst, die satirische Zeitschrift Simplicissimus wird hier verlegt. Neben Berlin wird München ebenfalls ein wichtiger Ort für Bewegtbilder und Kinos. 
Was München besonders macht, ist seine Tradition der Bierbrauereien und des damit eng verknüpften Oktoberfestes, das erstmals sogar schon 1810 stattfand. So nehmen sich auch historische Romane gerne dieser Thematik an und erzählen die Geschichte von Brauereidynastien oder der Entwicklung der Wiesn.

 

Brauhaus an der Isar

1897 & 1919: Das Brauhaus an der Isar

Von Julia Freidank. Fischer 2020, 496 Seiten

Eine einfache, aber unterhaltende Familiensaga kommt von Julia Freidank: Im ersten Teil erzählt sie, wie die junge Antonia vom Land in die Großstadt München zieht. Arbeit findet sie anfangs nur schwer und landet als Aktmodell bei einem Maler. Trotzdem bekommt sie die Gelegenheit, in eine Brauerfamilie eizuheiraten und erlebt dort den harten Konkurrenzkampf der Brauereiunternehmer hautnah. Der zweite Teil spielt ab 1919 und erzählt die Geschichte von Antonias Tochter, die ihren Weg finden muss: Kann sie als Frau die Brauerei ihrer Eltern übernehmen? Eine ausführliche Rezension zum "Brauhaus an der Isar" lesen Sie in diesem Blogbeitrag

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Oktoberfest 1900

1900: Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis

Von Petra Grill. Fischer 2020, 496 Seiten

Für alle, die nicht gerne lesen, gibt es diesen Roman auch als Serie in der ARD. Allerdings lohnt es sich auch durchaus, das Buch zu lesen. Anders als herkömmliche historische Romane ist nämlich von Anfang an nicht ganz klar, worauf die Geschichte hinauswill: Da gibt es dasn Schankmädchen Colina, das zur Gouvernante aufsteigen möchte, einen bequemen Polizeibeamten und ein paar Afrikaner, denen vorgeworfen wird, einen Bierbrauer verspeist und dessen Kopf in der Isar versenkt zu haben. Kommt man tiefer in die Geschichte hinein, geht es aber auf einmal um noch viel mehr: Die erbitterte Konkurrenz der Bierbrauer untereinander und die Kommerzialisierung des Oktoberfestes. Es werden viele lose Fäden aufgenommen, von denen man am Anfang noch nicht weiß, wohin sie führen, und diese Unberechenbarkeit macht des Reiz des Romans aus. Zum Ende hin sind dann aber einige Dinge doch absehbar und das Ende vielleicht auch ein wenig zu glücklich.

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Tanz des Vergessens

1919: Tanz des Vergessens

Von Heidi Rehn. Knaur 2015, 560 Seiten

Heidi Rehn hat sich auf historische Romane spezialisiert, zu ihrer Heimatstadt München hat sie schon mehrere Romane verfasst. Tanz des Vergessens spielt in den 20er Jahren und beginnt in den Wirren der Ausrufung der Münchner Räterepublik. Aus der unbekümmerten Lou wird durch einen Schicksalsschlag eine Frau, die sich mit Feiern und Ausschweifungen abzulenken sucht. Gut gemacht ist, dass Lou nicht allein nur in München bleibt, sondern auch nach Berli geht, wo Rehn das Leben der Goldenen 20er ausführlich schildert. Ein paar Längen hat der Roman streckenweise, trotzdem ist er besonders gut zu lesen für alle, die historische Romane in Kombination mit einer tragischen Liebesgeschichte mögen.

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Das Lichtspielhaus

1926: Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung

Von Heidi Rehn. Knaur 20159, 512 Seiten

Ebenfalls von Heidi Rehn ist die Geschichte über die fiktive Familie der Donaubauers, die im München der 1920er und 1930er ein Kinoimperium aufbauen. Vom kleinen Kino im Hinterhof zum großen Kinopalast geht es, bis die Nazis an die Macht kommen und die Familie sich entscheiden muss, auf welcher Seite sie steht. Naürlich geht es nicht nur ums Kino, sondern auch um Familiengeheimnisse und Schicksalsschläge - und vor allem um zwei starke Frauen, die sich behaupten müssen. Ich habe einige Romane von Heidi Rehn gelesen und finde diesen am flüssigsten und unterhaltsamsten geschrieben. der Untertitel deutet auf einen zweiten Teil hin, bisher ist aber noch keine Fortsetzung angekündigt.

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