Das Brauhaus an der Isar

Bekannt für historische Romane dieser Art ist bisher eher Heidi Rehn, die ihre Romane gerne im München der 20er Jahre spielen lässt. Julia Freidank, deren Name nur ein Pseudonym ist und hinter der angeblich eine bekannte Autorin steckt, wagt sich nun auch auf dieses Terrain der historischen Familienromane: Es geht viel um München, erstaunlich viel ums Bierbrauen und natürlich - wie sollte es anders sein - um eine junge Frau, die sich ihren Platz im Leben erkämpft.

Die junge Antonia kommt 1897 nach München. Ihre kleinbäuerliche Familie ist verarmt und so bleibt ihr nichts anders übrig, als sich in der Großstadt zu verdingen. Etwas unglaubwürdig ist es zwar, aber Antonia gerät sofort im Künstlerkreise, steht Modell - und darf schließlich über Umwegen in einem Brauhaus anfangen. Hier entspinnt sich ein reizvolles Verhältnis mit dem jungen Brauereierben, während sie sich zugleich im Haus hocharbeitet, als wäre sie eine moderne Frau der Nachkriegszeit und nicht ein Bauernmädchen um 1900.

Ein wenig platt ist die Geschichte, viele Ähnlichkeiten gibt es zu schon bekannten Titeln aus diesem Genre. Und doch habe ich das Buch sehr gerne gelesen, und zwar aus drei Grüneden: Erstens ist es ziemlich bündig erzählt und an keiner Stelle langatmig. Zweitens bringt es sehr viel Hintergrundwissen rund um München und seine Künstlerszene ein. Und drittens präsentiert es die Geschichte in einer angenehmen, spätherbstlichen Stimmung.

Das Brauhaus an der Isar bietet keine großen Überrschungen, ist aber handwerklich solide gemacht. Zwischen den Zeilen merkt man, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt und sich kulturhistorisch in ihr Thema eingearbeitet hat. Dass dabei kein komplizierter Roman herausgekommen ist, sondern leichte Lesekost, ist für mich keine Makel. Der erste Teil endet so, dass noch genug Themen übrig bleiben, die weiterentwickelt werden können. Und so freue ich mich hier schon auf den zweiten Teil.

 


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