Das Grand Hotel - Liebe, Verbrechen und Korruption auf Rügen

Hotel-Romane erfreuen sich gerade großer Beliebtheit. In Erinnerung an den Sommer, jetzt wo es wieder langsam kalt wird, stelle ich Ihnen heute mit dem Grand Hotel von Caren Benedikt eine neue Reihe rund um ein Hotel auf Rügen vor. Doch leider geht es weniger um die Insel und das Hotel, als man denken könnte.

Die Konstellation ist bekannt und bewährt: Eine Inhaberfamilie, ein Hotel, Angestellte und Gäste. Im Zusammenspiel ergeben sich interessante Begegnungen, Geheimnisse und Skandale. Die Hoteleigentümerin und Witwe Bernadette von Plesow ist eine ambitionierte Geschäftsfrau, die notfalls auch Beamte korrumpiert oder sich auf eine Affäre mit einem Mann einlässt, wenn es ihrem Geschäft dient. Ihr Sohn Constantin in Berlin betreibt trotz seiner jungen Jahre schon ein eigenes Hotel. Doch sein Hauptgeschäft ist nicht das Hotel, sondern Prostitution und Drogenhandel. Seine Schwester Josephine dagegen steckt nach ihrem Kunststudium in einer ernsthaften Künstlerkrise. Und das Dienstmädchen Marie schließlich ist unglücklich in einen Gast verliebt und muss sich vor den Konsequenzen ihrer heimlichen Affäre fürchten.

Diese Zusammenfassung umreißt die Hauptstränge der Handlung. Wie von vielen Romanen dieser Art gewohnt, erzählt Caren Benedikt die Handlungen parallel und schafft damit immer wieder interessante Abwechslungen im Verlauf des Romans. Nur Rügen ist leider eher selten ein Thema. Zudem spielt die Hälfte der Handlung in Berlin. Doch insbesondere im Berlin-Part geht es um Verbrechen und Ganovengeschichten, um Zuhälter und Prostituierte und um eher reißerische Geschichten. Viel von den Goldenen Zwanzigern, in deren Epoche die Geschichte spielt, bekommt man nicht mit.

Die meisten Figuren im Roman erscheinen eher unsympathisch und zugleich oft auch oberflächlich. Constantin ist viel zu sehr einfach ein eiskalter, leicht krimineller Geschäftsmann, seine Schwester Josephine wirkt oft naiv. Gerade das unscheinbare Zimmermädchen Marie scheint der am feinsten ausgearbeitete Charakter zu sein und so nimmt auch ihre unglückliche Liebesgeschichte eine guten Teil des Romans aus. Interessant ist, dass sich so Liebe, Verbrechen und die Geschäftswelt ungefähr die Waage halten und so im Grunde für jeden beim Lesen etwas dabei ist.

So liest sich das Grand Hotel unterm Strich unterhaltsam und flüssig, sodass ich mich auf jeden Fall auf den zweiten Teil freue. Ein wenig mehr Atmosphäre hätte der Roman vertragen, zumal der Klappentext Lust auf Rügen gemacht hatte. Aber für eine leichte Lektüre zwischendurch ist er allemal ganz angenehm und die Figuren - und auch Bernadettes Familiengeheimnis - halten noch ein wenig Stoff für einen weiteren Teil bereit.


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