Italien, Tourismus in den 1920ern und die Nazizeit

Erstmal jedenfalls klingt es vielversprechend, etwas über den beginnenden Tourismus - speziell in Italien - zu lesen. Auch die Figuren sind ganz nett gestaltet. Doch die Handlung wirkt gerade zu Beginn etwas konstruiert: Salome wird von ihrer Großmutter aufgezogen, denn ihre Mutter ist an Tuberkulose gestorben. Ihr Vater ist wenig durchsetzungskräftig und steht unter der Fuchtel seiner Mutter, die im Reisebüro aushilft.

Salome wird scheinbar recht modern erzogen und hat viele Freiheiten, als die Großmutter unvermittelt stirbt. Gut, dass die italienischstämmige Untermieterin Paola aus der Mansarde sich inzwischen mit Salome angefreundet hat. Sie war zwar noch nie in Italien, gibt Salome und ihrem Vater aber nun den Tipp, doch mal nach Italien zu fahren, um die Riviera als Reiseziel für ihr Reisebüro auszukundschaften.

Und es wird noch ein wenig skurriler: Natürlich fährt Paola auch gleich mit und wird in die neue, kleine Familie integriert. Es kommt zu einer Szene, in der alle drei zusammen auf einem Hotelzimmer sitzen und Paola dem Vater von Salome mit den nackten, sonnenverbrannten Oberkörper mit Kokosöl (!) einreibt. Anschließend schickt sie Salome vor die Tür:

„Nun wird mir dein Vater ein Zuhause geben, und deswegen darfst du uns nicht stören.“ (Auszug aus: Julis Kröhn, Der Traum vom Meer. E-Book-Ausgabe)

Die Geschichte ist aber schließlich doch keine Geschichte von einer bösen Schwiegermutter, sondern es geht um Italien, den Tourismus und den aufziehenden Faschismus. Das Beispiel illustriert allerdings gut, wie im Roman erzählt wird und wie Ereignisse sich aneinanderreihen - nämlich ziemlich auf Biegen und Brechen.

Daneben wirkt das Verhalten der Figuren oft nicht ganz der Zeit entsprechend. Auch wenn das Buch in den 20ern spielt, lässt sich ein Frankfurter Unternehmer doch kaum im Beisein seiner Tochter von einer eigentlich fremden Frau den nackten Oberkörper eincremen.

Neben diesen Szenen plätschert die Handlung aber auch immer wieder im Plauderton dahin. Es gibt natürlich auch viel über die Riviera und Italien zu erfahren. Und schließlich wird die bisherige Idylle durch die Faschisten in Italien und die Nazis in Deutschland getrübt. Im zweiten Band wird Salome (die übrigens nur durch Zufall einen jüdischen Namen hat) zur Schleuserin und rettet unter den Tarnmantel des Tourismus Juden vor den Nazis.

Und für wen dies alles noch nicht genug ist: Natürlich gibt es auch Geschichten von großer Freundschaft und einer großen, schwierigen Liebe.

 


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