Rezension: Dungeon Crawler Carl von Matt Dinniman

Neues Achievement! Dungeon World Neuling.

Du hast eine neue Buchreihe entdeckt, deren erster Teil jetzt endlich auf Deutsch verfügbar ist!
Wow, ein richtiger Early Adapter. Mit Ausnahme der Millionen von Menschen, die die Romane schon in der Originalsprache kennen und aktuell auf den achten Band warten, natürlich.
Aber wir nehmen das mal nicht so genau, du kannst schließlich nichts dafür, dass das mit der Übersetzung so lange gedauert hat.

Belohnung: Du darfst in eine komplett irrwitzige Welt eintauchen.

Herzlich willkommen in der neuen Weltordnung. Die Aliens sind da. Sie wollen die Rohstoffe der Erde. Aber vor allem wollen sie eines: Geld.

Wie kommt man schnell an viel Geld? Entertainment natürlich. 

Wer lebt, muss kämpfen. Wer kämpft, wird gefilmt. Wer gut kämpft, bekommt Follower, besseres Loot und Sponsoren. Der Preis? Nicht weniger als Herrscher der Welt zu werden – vorausgesetzt man schafft es bis Ebene 18. Und geschafft haben das bisher ... naja. Sagen wir mal, die Anzahl ist sehr überaschaubar.

Mittendrin: Carl.
Mit dabei: Prinzessin Donut, die verwöhnte Perserkatze von Carls Exfreundin Beatrice.

Die ganze Galaxie freut sich schon auf die neue Staffel Dungeon Crawler World. Unzähliche Zuschauer und Zuschauerinnen verfolgen über Livestreams, wie ihre Lieblingscrawler sich durch durch die einzelnen Level des Dungeons kämpfen. Dabei stehen sie auf Hunden reitenden Kobolden gegenüber, Drogen dealenden Llamas, Goblins, Elfen, Hausmeister-Ratten ... kurz gesagt: Alle klassischen Gegner, die man aus Fantasy-RPG Spielen kennt und noch einige mehr. Die KI, die den Dungeon kontrolliert, ist sehr kreativ und bedient sich an bekannten Elementen der irdischen Popkultur.

Für besiegte Gegner und Bosse bekommt man Erfahrungspunkte und levelt langsam auf. Irgendwann darf man sogar die Ethnie wechseln und eine Klasse wählen. Kämpfer, Dieb, Kleriker. Oder vielleicht doch Ehemaliger Kinderstar? Es gibt Tausende von Möglichkeiten. Der Überlebenskampf im Dungeon richtet sich nach bekannten Mustern aus Rollenspielen. Aber muss man ein Rollenspiel-Fan sein, um Dungeon Crawler Carl zu verstehen? Nein. Die KI und auch Carl nehmen Lesende an die Hand und machen sie mit den Regeln des Dungeons bekannt.

Um ehrlich zu sein, ich war sehr skeptisch. Nachdem viele meiner Freundinnen immer wieder von der Reihe von Matt Dinniman geschwärmt haben, habe ich Band 1 etwas widerwillig angefangen, und dann innerhalb von 2 Tagen beendet. Nach 3 Wochen hatte ich alle bisher auf Englisch erschienenen sieben Bände gelesen und warte jetzt genauso ungeduldig auf Band 8 wie der Rest meines Freundeskreises. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass mir diese Romane so viel Spaß machen würden, obwohl ich ja privat sehr gerne Rollenspiele wie Baldur's Gate spiele. Nur habe ich nicht erwartet, dass das alles in Buchform auch so gut funktioniert. Und es funktioniert wirklich ganz fantastisch. Oder eher: Matt Dinniman schafft es wie kein anderer, das Konzept RPG auf einen Roman zu übertragen.

Warum finde ich die Bücher rund um Carl und Donut so gut? Der Humor trifft einfach. Durchgehend witzig, aber nicht albern. Die Dialoge, die Situationskomik, die Katze, die relegmäßig das Rampenlicht stiehlt – alles passt einfach, ohne dabei den Ernst der Lage zu ignorieren. Die Geschichte ist laut, schnell und manchmal wortwörtlich explosiv. Dabei kommen Freundschaft und Loyalität aber nicht zu kurz und besonders Carls trotzige Einstellung gegenüber dem Konzern, der die Spiele veranstaltet, hat mir sehr gefallen. Hinter dem ganzen Chaos im Dungeon steht eine sehr clevere Abrechnung mit Reality-TV, kapitalistischer Ausbeutung und der Gier von Zuschauen nach Unterhaltung. Dabei sind die Leidtragenden die Crawler. Je mehr Leid, je mehr Brutalität, desto besser die Einschaltquoten. The Hunger Games trifft Per Anhalter durch die Galaxis, würde ich sagen. Was zuerst nach einer sehr wilden Mischung klingt, zog mich komplett in seinen Bann. So sehr sogar, dass ich aktuell sogar die Hörbücher höre, weil ich die Zeit bis zum Sommer nicht komplett ohne Donut und Carl überbrücken möchte.


Dungeon Crawler Carl ist besonders gut geeignet für Leute, die eher bissigen statt albernen Humor mögen und die es schätzen, wenn Unterhaltung mit Gesellschaftskritik kombiniert wird.

Da es bis Teil 2 noch ein wenig dauert, habe ich einige Empfehlungen für die Zeit nach Dungeon Crawler Carl:

Das Spiel wird tödlich

  • Stephen King: Todesmarsch
  • Squid Game (Serie)
  • Suzanne Collins: Die Tribute von Panem

Satire und Systemkritik

  • Mark-Uwe Kling: Qualityland
  • Terry Pratchett: Die Scheibenwelt-Romane
Gaming und virtuelle Welten
  • Neal Stephenson: Snow Crash
  • Ernest Cline: Ready Player One

Humor und Chaos

  • Dennis E. Taylor: Bobiversum (Bobiverse-Reihe)
  • Mikael Niemi: Das Loch in der Schwarte

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