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Konstantinopel – Geschichte, Glanz und Gegenwart

Ein majestätischer Anblick, eine schimmernde Fata Morgana – und eine Stadt voller Widersprüche: Bernhard Kellermann beschreibt Konstantinopel in einer Zeit des Umbruchs. Zwischen jahrtausendealter Geschichte und modernen Reformen, zwischen Minaretten und Fabrikschloten, Basaren und Autos taucht der Leser in ein faszinierendes Porträt der Metropole ein, die heute Istanbul heißt. Mit scharfem Blick und feiner Sprache schildert der Autor den Wandel einer Stadt, die einst Tor zwischen Orient und Okzident war. Ein eindrucksvoller Reisebericht, der historische Tiefe und unmittelbare Beobachtung kunstvoll verbindet. Und doch ist auch das heutige... alles anzeigen expand_more

Ein majestätischer Anblick, eine schimmernde Fata Morgana – und eine Stadt voller Widersprüche: Bernhard Kellermann beschreibt Konstantinopel in einer Zeit des Umbruchs. Zwischen jahrtausendealter Geschichte und modernen Reformen, zwischen Minaretten und Fabrikschloten, Basaren und Autos taucht der Leser in ein faszinierendes Porträt der Metropole ein, die heute Istanbul heißt.

Mit scharfem Blick und feiner Sprache schildert der Autor den Wandel einer Stadt, die einst Tor zwischen Orient und Okzident war. Ein eindrucksvoller Reisebericht, der historische Tiefe und unmittelbare Beobachtung kunstvoll verbindet.



Und doch ist auch das heutige Konstantinopel, wenn auch nahezu vollkommen alles typisch Orientalischem entkleidet, noch von größtem Reiz. Tage und Wochen kann man durch diese Stadt wandern, ohne je zu ermüden. Stundenlang durchstreifst du die verstaubten, verräucherten Basare im alten Stambul, den sogenannten Ägyptischen und Alten Basar, Böjük Tscharschi. Die Straßen der Handwerker, Drechsler, Tischler, Schmiede, Metallarbeiter, rasseln vom Lärm der Arbeit. In den Basaren der Kaufleute wird umständlich gefeilscht und gehandelt. Schöne Brussa-Seide, zuweilen da und dort ein prachtvoller alter Teppich, eine herrliche alte Wasserpfeife, kunstvoll ziselierte Dolche und Schwerter von bizarrer, gefährlicher Form. Unter den Bäumen dort ein kleines, offenes Kaffeehaus, wo ein Briefschreiber seine Kunden bedient und der braune Kaffeesieder wunderbaren echten Mokka serviert. In einem Speisehaus daneben zischen die am Spieß gerösteten Hammelstückchen über den roten Kohlen. Gestank, Schmutz, Schutt, Tücher, alte Säcke, zuweilen Lumpen sind über die Straße zum Schutz gegen die Sonne gespannt. Hier wird Zucker gekocht und gesponnen, die Wasserverkäufer rufen ihren kühlen Trunk aus. Sie schleppen das Wasser in hölzernen Bütten und Kupfergefäßen auf dem Rücken. Man muss schon noch etwas weiter östlich gehen, bis man auf den biblischen Hammelschlauch stößt, der immer noch benützt wird, wie vor zweitausend Jahren.

Ein Händler mit Orangen, Feigen, Pistazien, Mandeln, Rosinen trägt seinen Laden durch den Basar. Weit über die Grenzen des Landes hinaus aber sind die türkischen Zuckerbäckereien berühmt. Raffinierte Leckereien aus Honig, Nüssen, Mandeln, Kastanien und anderen Ingredienzien. Lokum ist der Name des gerühmten, in Zuckerstaub gerollten Gebäcks, das sich in ganz Kleinasien und auf dem Balkan der größten Beliebtheit erfreut.

Tritt zur Seite, eine Herde von Schafen wird aus einem Hof getrieben. Esel mit großen Säcken kommen durch die Basarstraße. Bringe dich in Sicherheit, zwei schwere Lastautos, Fünftonnenwagen, donnern vorbei, dass die Erde zittert.

Mitten in den Basaren liegen die alten Karawansereien, Chane genannt. Es gab davon früher gegen fünfhundert. Heute befinden sich dort meistens die Magazine der Großhändler, Geschäftsräume und Autogaragen. Die meisten alten Chane verfallen, der Handel hat längst sein Zentrum nach Galata verlegt.



Bernhard Friedrich Wilhelm Kellermann (*4. März 1879 in Fürth; †17. Oktober 1951 in Klein Glienicke bei Potsdam) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Abgeordneter. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Der Tunnel (1913), ein internationaler Bestseller, der millionenfach verkauft, in 25 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurde.

Kellermann studierte zunächst an der Technischen Hochschule München, später Germanistik und Malerei. Schon mit seinen frühen Romanen Yester und Li (1904) und Ingeborg (1906) gelang ihm der Durchbruch. Es folgten Reiseberichte aus den USA und Japan, die seine Beobachtungsgabe und literarische Vielfalt unter Beweis stellten.

Der Erste Weltkrieg prägte ihn tief: Als Kriegsberichterstatter veröffentlichte er Reportagen vom Frontgeschehen. Mit seinem gesellschaftskritischen Roman Der 9. November (1920), der den Umbruch am Ende des Krieges thematisiert, zog er sich den Hass der Nationalsozialisten zu – das Buch wurde 1933 verboten und verbrannt, Kellermann aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Nach 1945 engagierte er sich in der jungen DDR stark für kulturelle und politische Fragen. Gemeinsam mit Johannes R. Becher gründete er den Kulturbund, wurde Abgeordneter der Volkskammer und Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Für seinen Roman Totentanz erhielt er 1949 den Nationalpreis der DDR. In Westdeutschland hingegen geriet sein Name durch Boykottaktionen weitgehend in Vergessenheit.

Kellermann war zweimal verheiratet: 1915 mit der US-Amerikanerin Mabel Giberson (†1926) und ab 1939 mit Else „Ellen“ Michaelis, die nach seinem Tod seine Werke herausgab.

Bernhard Kellermann hinterließ ein vielseitiges Werk aus Romanen, Erzählungen, Reisebüchern und Reportagen. Er ruht auf dem Neuen Friedhof in Potsdam.

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  • Autor find_in_page Bernhard Kellermann
  • Verlag find_in_page EDITION digital
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  • ISBN 9783689125936

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