Voyeurismus als Unterhaltungswert

Googelt man Cat Marnells Bild erst, nachdem man ihr Buch gelesen hat, kann man kaum glauben, dass diese nette junge Frau mit dem Puppengesicht dieselbe abgründige Person sein soll wie in ihrem Buch. Dabei täuscht allerdings der erste Eindruck: Cat Marnell leidet unter den Langzeitfolgen ihres Drogenkonsums. Unter anderem sind ihr die Haare ausgefallen, weshalb sie auf einigen Fotos nun eine bunte Perücke trägt.

How to Murder your Life liest sich zunächst wie das Gejammer eines reichen, verwöhnten Mädchens. Cat hat eigentlich alles, was sie braucht, außer die Zuneigung ihrer Eltern. Wegen ihrer ADHS-Erkrankung bekommt sie von ihrem Vater, der selbst im medizinischen Bereich tätig ist, Tabletten verschrieben. Schnell ist Cat davon abhängig. Doch sie weiß, wie sie an neue Medikamente kommt, selbst als ihr Vater ihr nichts mehr verschreiben will.

Cat lebt in New York zunächst das Leben, das sie sich vorgestellt hat: Sie wird Moderedakteurin und scheint sogar ein Händchen fürs Schreiben zu haben. Doch ihr chaotisches Junkie-Leben nimmt überhand. Sie gerät an die falschen Leute und macht schließlich verschiedene Anläufe zum Entzug. Inzwischen ist sie Ende 30, geht aber keiner dauerhaften Arbeit nach.

Natürlich ist Cats Lebensgeschichte bis zu einem gewissen Grad unterhaltsam: So ein unverstellter Einblick in die Abgründe eines Junkies und zugleich einer jungen Frau, die eigentlich objektiv gesehen die besten Voraussetzungen für ein besseres Leben gehabt hätte, ist einfach spannend. Zugleich verfliegt während des Lesens der Spaß am Voyeurismus irgendwann, als sich Cats Exzesse nur wiederholen und man merkt, dass sie nicht reflektieren kann, und die Geschichte liest sich nur noch frustrierend.

Cats Geschichte ist in gewisser Weise eine Anklage daran, wie sorglos in den USA mit Psychopharmaka umgegangen wird. Sie ist auf manche Art auch eine Kritik an der allein auf Leistung und Erfolg abzielenden Arbeit im Bereich des Modejournalismus. An deutlicher, prägnanter Kritik fehlt es dem Buch aber. Dazu ist es leider viel zu sehr auf Skandal gemünzt. Aber was ist es wert, wenn sich eine junge Frau in einem Buch einfach nur um des Skandals willens auf diese Weise entblößt?

 


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