900 Seiten Liebe, Emanzipation und Intrigen - Die Zeit der Erbin

Mit der dreibändigen Lytton-Saga wurde Penny Vincenci in Deutschland bekannt. Ihr aktueller Roman umfasst nun fast 900 Druckseiten. Und auch dieses Mal können wir uns wie schon bei der Lytton-Saga auf Liebe, Leidenschaft, Intrigen, Affären und ein wenig Historie freuen.

Die Originalausgabe erschien bereits 1997 in Großbritannien. Doch der Roman passt gut in den aktuellen Geschmack: Ein wenig Historie, ein wenig Frauenroman, ein wenig Emanzipationsgeschichte. Penny Vinzenci erzählt die Geschichte einer Frau, die die Chance gehabt hätte, eine begabte Ärztin zu werden. Stattdessen sitzt sie als Hausfrau auf einem Dorf fest. Während ihr Mann als Arzt praktiziert, hat Cassia nichts, was sie so richtig erfüllt, auch nicht ihre beiden Kinder. Doch eine unerwartete Erbschaft gibt ihr auf einmal die Möglichkeit, ihr Leben völlig neu zu gestalten.

Zugegeben, die Geschichte hat mit all ihren Elementen nichts wirklich Neues oder Herausstechendes. Es geht um Cassias langsame Emanzipation und auch die ihrer zwei besten Freundinnen. Die neue Zeit verändert alle, nicht nur die drei Frauen. Eingerahmt wird die Handlung deshalb stets von den Entwicklungen im Königshaus: König Eduards Liaison mit einer geschiedenen Frau führte schließlich zu dessen Abdankung.

Penny Vinenci entwickelt die Geschichte ruhig und unaufgeregt. Eher unmerklich führen viele kleine Faktoren zu Veränderungen, die man selbst oft nicht bemerkt, bis die Frauen sich dessen bewusst werden und sie aussprechen. Aufgrund seiner Länge eignet sich das Buch gut als Zwischendrin-Lektüre, bei der man immer wieder neu schnell einsteigen und die nächste Episode lesen kann. Das ist nicht selbst verständlich bei so einem langen Roman: Trotz seiner Länge bleibt die Handlung gut überschaubar und hält schließlich dann doch noch völlig unvermutete Überraschungen bereit, die den Roman nochmal in ein ganz neues Licht rücken.

Wer Frauenromane und historische Themen mag, der kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Der Fokus liegt aber eindeutig auf dem Thema Emanzipation. Wer dagegen eine richtige Familiensaga nicht nur mit Gefühlen, sondern auch wirtschaftlichen Intrigen sucht, sollte die Lytton-Saga einmal anlesen.

 


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