Lesetipp: Die Manufaktur der Düfte

Ich bin ganz ehrlich: Ich hatte mir vom Cover nicht allzu viel erwartet. Wer aber meine Rezensionen hier bei Beam verfolgt, weiß inzwischen, dass ich besonders gerne historische Familienromane lese und auch nicht davor zurückschrecke, einmal ein Buch anzulesen, dass mich auf den ersten Blick nicht unbedingt überzeugen würde. Dafür wird man in einigen Fällen dann positiv überrascht, wie auch bei diesem.

Die Geschichte der Familie Ribot, die aus der einfachen Seifenwerkstatt schließlich eine ganze Firma aufbaute, beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Name ist heute nicht mehr bekannt, denn weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus konnten sich die schwäbischen Seifengießer nicht halten. Historisch gesehen stehen die Ribots aber für die Gründerzeit, findige Unternehmen - sogar mit Beziehungen nach Amerika, woher sie viele Innovationen übernehmen.

Sabine Weigand erzählt die Familiengeschichte über mehrere Generationen. Auch wenn sich das Cover sehr stark an bekannte Serien wie die Tuchvilla anlehnt, ist die Erzählweise doch erfrischend anders. Die Geschehnisse werden deutlich geraffter erzählt, zwar immer aus der Sicht einzelner Personen, allerdings nie fokussiert auf nur diese Figur. 

Dadurch gibt es gefühlt beim Lesen keine Längen. Die Handlung schreitet schnell voran und beschränkt sich jeweils oft nur auf Ausschnitte eines einzelnen Jahres, die entscheidend für die Familie und das Unternehmen sind. Die Figuren altern damit schneller, aber auch ihre Entwicklung ist dadurch stärker erkennbar. Wer gerne Familiensagas liest, der wird dies zu schätzen wissen, denn es macht ja gerade Spaß, die Entwicklung der Familienmitglieder von der Geburt bis zum Tod zu verfolgen. Dabei enthält  Die Manufaktur der Düfte natürlich auch alles, was man in einer Familie an Schicksalsschlägen, Familiengeheimnissen und Liebesbeziehungen haben kann.

Sabine Weigand nimmt sich dafür natürlic gewisse erzählerische Freiheiten, die die historische Familie Ribot so nicht hergegeben hat. An anderen Stellen merkt man dem Roman aber auch ihre Recherche an: Die wirtschaftliche Entwicklung der Firma wird plausibel und spannend dargestellt - da sie eben auf tatsächlichen Fakten und Gegebenheiten beruht. Auch zum Seifengießen erfährt man einiges. Das wären dann die einzigen Passagen gewesen, auf die ich beim Lesen gern verzichtet hätte. 

 


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